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Die Tour-Profis traten in den Streik. © AFP / BENOIT TESSIER

Tour-Profis streiken nach Sturz-Farce

Nach dem Sturz-Chaos bei der Tour werden die üblichen Gründe aufgeführt. Es gehört eben zur ersten Woche dazu. Doch in diesem Fall tragen Veranstalter und Weltverband eine Teilschuld. Die Fahrer traten in den Streik.

André Greipel ergriff die Initiative und stoppte das Peloton der Tour de France. Als Reaktion auf die Sturz-Farce auf den ersten drei Etappen traten die Profis des größten Radsport-Spektakels der Welt in den Streik, wenngleich die Aktion gut 900 Meter nach dem Start in Redon nicht von langer Dauer war. Die Fahrer forderten einen Dialog aller Beteiligten, um vermeidbare Massenstürze künftig zu verhindern. Nach dem gut einminütigem Halt bummelte das Feld zehn Kilometer weiter, ehe das Rennen schließlich eröffnet wurde.


„Die Tour ist erst zwei Tage alt und ich fühle mich, als ob ich schon zwei Wochen unterwegs wäre. Mental und körperlich sind wir alle gezeichnet“, sagte Tony Martin am Dienstag vor dem Start. Der viermalige Weltmeister war bereits in mehrere Stürze verwickelt. „Wenn man die Strecke anders gestalten würde, wäre viel Risiko genommen worden. Klar ist es einfach, zu sagen, fahrt einfach ruhiger. Wir sind aber nicht hier, um ruhig zu fahren. Wir sind hier, um zu gewinnen und unsere Leader zu beschützen. Das macht man nicht hinten, das macht man vorne.“

Russisches Roulette auf zwei Rädern
Besonders das Finale der dritten Etappe mit einer kurvigen Abfahrt auf schmalen Straßen wenige Kilometer vor dem Ziel war den meisten Fahrern und Teams zu viel. „Mir fehlen da echt die Worte, wie dieses Finale gestaltet worden ist. Es sah auf der Karte schon schlimm aus, aber live war es noch viel schlimmer“, hatte ein sichtlich mitgenommener Greipel gesagt. Ex-Weltmeister Michal Kwiatkowski sprach von „russischem Roulette.“

Das Tour-Zentralorgan L'Équipe schrieb süffisant von einer „Weltmeisterschaft im Domino“. Für zusätzliche Verstimmung sorgte, dass Bedenken der Fahrer ignoriert und mit Verweis auf bestehende Regeln abgebügelt worden waren. Die Fahrervereinigung CPA war vor der Etappe bei der Rennjury und der ASO vorstellig geworden. „Es wurde vorgeschlagen, die Zeit acht Kilometer vor dem Ziel zu nehmen. Das wurde abgelehnt“, sagte der Kölner Nils Politt dem ZDF.

Stars der Szene wie Primoz Roglic und Geraint Thomas waren in die Stürze verwickelt und sitzen nur unter großen Schmerzen wieder auf dem Rad. Die Stimmung ist im Keller und die Kritik an der ASO, aber vor allem am Weltverband UCI wächst.
Sicherheitsdebatte intensiver geworden
Die Diskussion um die Sicherheit der Fahrer ist in den vergangenen Jahren intensiver geworden. Bessere Materialien für die Rennmaschinen sorgen mittlerweile dafür, dass in langen Abfahrten problemlos 90 km/h und mehr erreicht werden. Der Weltverband UCI verbot deshalb in diesem Jahr den „Supertuck“, eine aerodynamische Haltung, bei der man auf dem Oberrohr des Rades sitzt. Zudem dürfen die Unterarme nicht mehr auf dem Lenker abgelegt werden, was bei langen, flachen Strecken von vielen Fahrer beliebt war. Bei den Profis stießen diese Neuerungen auf wenig Gegenliebe.

Schlagwörter: radsport

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