T Tennis

Lieferten sich ein spektakuläres Match: Daniil Medvedev und Jannik Sinner © APA/afp / MARCO BERTORELLO

Der unvergessliche Tennis-Abend

Was für eine Show, was für ein Match: Obwohl Jannik Sinner am Donnerstagabend bei den ATP Finals dem russischen Superstar Daniil Medvedev unterlag, riss er mit seiner Hingabe, seinen Emotionen und vor allem mit seiner Leistung das ganze Land aus den Sitzen.

Zwar waren Sinners Halbfinal-Hoffnungen durch den Sieg von Alexander Zverev schon am Nachmittag verpufft, dennoch ging es am Donnerstag um viel mehr als die sagenumwobene goldene Ananas. Neben einem großen Batzen Geld standen nämlich auch 200 Weltranglisten-Punkte auf dem Spiel. Zudem hatte der für das Halbfinale schon qualifizierte Medvedev vor dem Match betont, dass er „100 Prozent geben“ werde. Dementsprechend entwickelte sich ein fantastisches Match, das alles beinhaltete, was den Tennissport ausmacht: Spannung, Kampf und nicht zuletzt Emotionen: Am Ende des zweieinhalbstündigen Duells ging Medvedev als Sieger hervor – 6:0, 6:7, 7:6 lautete der Endstand.


Daniil Medvedev ist nicht umsonst die Nummer 2 der Welt und hat in diesem Jahr 86 Prozent seiner Matches auf Hartplatz gewonnen. Was den Mann aus Moskau ausmacht? Einerseits seine Aufschlagstärke, die ein Break gegen ihn quasi unmöglich macht. Andererseits kann man seine unerzwungenen Fehler während des gesamten Matches an zwei Händen abzählen. Außerdem verfügt er über einen überaus starken Return, der ihn immer neutral in die Ballwechsel kommen lässt. Und in diesen macht ihm kaum einer etwas vor. Die Kombination aus allem führt dazu, dass er nur schwer zu bezwingen ist.

Furioser Startsatz
Doch so gut wie im ersten Satz hatte der Russe in dieser Saison nur selten gespielt. Medvedev reihte einen Zauberschlag an den anderen, machte praktisch keine Fehler und schloss den Satz nach gerade einmal 26 Minuten mit 6:0 zu seinen Gunsten ab.

Feuerte sich immer wieder lautstark an: Jannik Sinner © APA/afp / MARCO BERTORELLO


Angefeuert von den frenetischen Tifosi war Sinner im zweiten Abschnitt um eine Reaktion bemüht. Er stemmte sich gegen den russischen Wirbelsturm, ballte bei Punktgewinnen die Faust, riss das Publikum mit sich – und ging tatsächlich mit einem Break 3:1 in Führung. Dieser Vorsprung war jedoch schnell wieder weg. Zu wenig Hilfe kam vom Aufschlag, was jedoch auch auf die angesprochene Return-Stärke von Medvedev zurückzuführen war. Ungewöhnlich für Sinner: Nicht die Vorhand, sondern die ansonsten so starke Rückhand produzierte eine Vielzahl an Fehlern. Aber er kämpfte und profitierte von einem (leichten) Nachlassen seines Kontrahenten. Die Entscheidung fiel schließlich im Tiebreak, den Sinner dank überragender Punkte gewann. Nun waren die Fans endgültig aus dem Häuschen.
Grandioser Schlusssatz
Wie von der Tarantel gestochen, flog der Youngster nun regelrecht über das Feld, setzte Medvedev arg unter Druck und brachte den Russen zum Grübeln, sodass dessen Konzentration nachließ. Zuerst vergab der US-Open-Sieger beim Stand von 2:2 durch einen leichtfertig vergebenen Return einen Breakball, ehe er sich aufgrund eines Doppelfehlers selbst einen Aufschlagverlust einfing.

Daniil Medvedev ließ seinen Emotionen freien Lauf. © APA/afp / MARCO BERTORELLO


Sinner entwischte auf 4:2 und sah nun auf der Gegenseite einen Kontrahenten, der alle taktischen Vorgaben über Bord warf. Alles oder nichts lautete die Medvedev-Devise. Zum Leidwesen von Sinner und der anwesenden Fans ging dieser Plan auf, denn er machte das Break wett – wieder Tiebreak: Der 1.98-Meter-Hüne hob nun sein ohnehin hohes Level noch weiter an, doch Sinner ließ nicht locker und erspielte sich tatsächlich einen Matchball. Diesen wehrte Medvedev mit einem unglaublichen zweiten Aufschlag ab. Und wenige Augenblicke später machte er mit einem noch unfassbareren Rückhandschlag den Sack zu.

Trotz dieser Niederlage kann Sinner auf ein äußerst erfolgreiches Turnier in Turin zurückblicken, sicherte er sich doch durch den Sieg gegen Hubert Hurkacz seinen Verbleib in den Top 10. Und die Saison ist noch immer nicht vorbei: Der Südtiroler bleibt nämlich in Turin und gibt in der kommenden Woche sein Debüt im Davis Cup. Erst danach verabschiedet er sich in den wohl verdienten Kurzurlaub.

Empfehlungen

Kommentare (0)

Bestätigen Sie den Aktivierungslink in unserer E-Mail, um Ihr Konto zu verifizieren und Kommentare zu schreiben.

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen.

© 2021 Sportnews - IT00853870210