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Zeigte eine sensationelle Leistung: Jannik Sinner © APA/afp / DAVID GRAY

Sinner geht die Puste aus – und er gewinnt trotzdem

Was für eine Willensleistung, was für ein Kämpferherz! Ein todmüder Jannik Sinner hat am Sonntagmorgen (MEZ) Stefano Travaglia bei den Great Ocean Road Open besiegt und damit seinen zweiten Titel auf der ATP-Tour gewonnen.

Über drei Stunden intensives, kräfteraubendes Tennis hatte Jannik Sinner nach seinem Halbfinal-Erfolg gegen Karen Khachanov in den Knochen. Dass diese Partie viele Körner gekostet hat, wurde im Finale gegen den 29-jährigen Travaglia deutlich. Die letzte Spritzigkeit fehlte, die Aufschläge kamen langsamer als gewohnt, wodurch sich die Ballwechsel in die Länge zogen. All dies trug dazu bei, dass Sinner Mühe hatte und seinem technisch unterlegenen Gegner eine Chance gewährte, die Travaglia jedoch nicht beim Schopf packte. Sinner gewann trotz der großen physischen Probleme mit 7:6 und 6:4.


Die Partie in Melbourne begann aufgrund eines Damen-Matches, das sich in die Länge zog, mit anderthalbstündiger Verspätung und mit vielen Fehlern auf beiden Seiten. Sowohl Sinner als auch Travaglia verteilten großzügig Geschenke – vor allem in den eigenen Aufschlagspielen. Jeweils ein Break war die Folge. Mitte des ersten Satzes fand der Sextner besser in den Spielrhythmus, die Müdigkeit blieb jedoch bestehen. Immer wieder beugte sich der Südtiroler nach längeren Ballwechseln nach vorne. Bei den Aufschlägen nahm er teilweise das Tempo komplett raus. Nichtsdestotrotz kämpfte Sinner tapfer, bot seinem frischeren Kontrahenten die Stirn und signalisierte, dass er gekommen war, um seinen zweiten ATP-Titel zu gewinnen.

Tiebreak ist Sinners Domäne
Trotz des schwächeren Aufschlags rettete sich Sinner in den Tiebreak, seine neue Spezialität. Denn im Jahr 2021 hat er vier „Verlängerungen“ gespielt – und allesamt gewonnen. Diese beeindruckende Bilanz baute der 19-Jährige dank soliden Grundschlägen aus – 7:6.

Ende des ersten Satzes begann auch Travaglia sich am Oberschenkel zu fassen. Nun versuchte der Italiener, die Ballwechsel zu verkürzen. Das gelang ihm, jedoch nur indem er eine Unmenge an unerzwungenen Fehlern beging. Sinner beschränkte sich seinerseits darauf, den Ball im Spiel zu halten. Angesichts der Schwächen seines Gegners die gewinnbringende Taktik. Irgendwann übermannte die prekäre körperliche Verfassung den Südtiroler. Und trotzdem hielt er mit. Das hatte einerseits mit seiner großen Klasse zu tun, andererseits aber auch mit dem zugegebenermaßen beschaulichen Niveau seines Gegenübers.

Am Ende seiner Kräfte: Jannik Sinner © APA/afp / DAVID GRAY


Nach 2 Breaks pro Kopf und mehreren abgewehrten Breakbällen des Südtirolers fand Sinner beim Stand von 4:4 aus dem Nichts selber eine Breakmöglichkeit vor. Und Sinner wäre nicht Sinner, wenn er diese nicht sofort nützen würde. Das „ausservieren“ war anschließend nur noch Formsache. Sinnbildlich für seinen Auftritt beendete Travaglia das Match mit einem vermeidbaren Fehler ins Netz.

Dank des Turniererfolges klettert Sinner auf den 32. Rang der Weltrangliste und wäre damit beim nächsten Grand Slam, den French Open in Paris, gesetzt. Zunächst richtet sich sein Fokus aber auf die morgige Partie gegen Denis Shapovalov. Ob er zur ersten Runde der Australian Open überhaupt antreten kann, ist bei seiner derzeitigen physischen Verfassung mehr als nur fraglich.

Autor: leo

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