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Verena Hofer hat eine schwierige Zeit hinter sich.

Südtirols einst größtes Tennistalent hat genug: „Sehe keinen Sinn mehr“

Ende Mai hatte Verena Hofer in Tunesien ihren letzten internationalen Auftritt, seitdem wurde es ruhig um sie. Lediglich bei kleineren, lokalen Tennisturnieren schlug die 21-Jährige noch gegen die Filzkugel. Jetzt erklärt sie warum und zieht zeitgleich einen rigorosen Schlussstrich.

In den vergangenen vier Monaten hat Verena Hofer nur zwei internationale Turniere bestritten, beide Male scheiterte sie bereits in der ersten Runde. Zuletzt zeigte sie nur noch bei regionalen Open-Turnieren, wie zuletzt in Bozen, ihre Klasse. Als Folge dessen rankten sich seit Woche Gerüchte um die junge Grödnerin, die vor Jahren als eine der größten Hoffnung in Italiens Tenniswelt gehandelt wurde. Auf Nachfrage von SportNews bezieht Hofer erstmals öffentlich Stellung und stellt unmissverständlich klar: „Das war's mit meiner internationalen Karriere, ich habe genug.“ Ihre einst so vielversprechende Laufbahn endet mit 21 Jahren, einem zarten Alter, in dem der Stern anderer Tennis-Größen erst so richtig aufgegangen ist.

Der große Durchbruch blieb aus
Hofer will sich erklären und spricht unverblümt von „fehlenden Fortschritten“. Sie habe die vergangenen fünf Jahre in etwa auf dem selben Level gespielt, bei den 15.000-Dollar-Turnieren der ITF-Tour war spätestens im Halbfinale Endstation. Zwar war die Ladinerin noch im Dezember als 667. des WTA-Rankings so gut gelistet wie nie zuvor in ihrer Karriere, doch eine Regeländerung im Bewertungssystem warf sie deutlich zurück, nach dem jüngsten Formtief flog sie diese Woche schließlich komplett aus der Weltrangliste. „Ich habe immer wieder einen Schritt nach vorne gesetzt, um dann wieder zwei zurück zu gehen. Ich sehe darin keinen Sinn mehr, denn das reibt einen auf, macht mental fertig.“
„Karin Knapp hat mir in dieser schwierigen Zeit geholfen, wo sie konnte“
Und dennoch, leicht hat sich Hofer die Entscheidung nicht gemacht. „Nach meinem letzten Turnier in Tunesien war ich völlig frustriert. Später habe ich mich zehn Tage lang zuhause zurückgezogen und habe schließlich diese Entscheidung gefällt“, schildert die flinke Rechtshänderin aus St. Ulrich, „Danach bin ich nach Rom gefahren, wo ich zuletzt ein Jahr gewohnt und trainiert habe, und habe den Entschluss mitgeteilt“. Zu ihrem Trainerstab zählte zuletzt auch die ehemalige Weltklassespielerin Karin Knapp, die ihre Karriere vor einem Jahr beendet hat. „Sie hatte in dieser schwierigen Zeit stets ein offenes Ohr für mich und hat mir geholfen, wo sie konnte. Sie hat großes Verständnis gezeigt.“

Mit 14 Jahren dominierte Verena Hofer 2011 die Italienmeisterschaft ihrer Altersklasse. © A. Runggaldier


Hofers radikaler Schnitt wirkt nachvollziehbar, auch wenn ihr einst viele eine große Karriere prognostizierten. In ihrer Jugend war sie mehrfache Italienmeisterin, spielte später alle vier Junior-Grand-Slam-Turniere. „Das waren unheimlich schöne Momente, die ich nie missen möchte. Der Tennissport hat mir sehr viel gegeben“, so Hofer, die allerdings nachschiebt: „Ich muss aber auch sagen: In keiner anderen Sportart der Welt ist es so schwierig in die Weltspitze vorzudringen. Tennis wird rund um den Globus gespielt.“
„Es gibt Unmengen Tennisspieler auf der Welt, doch nur die besten 200 können davon leben“
Sie nennt auch die Schattenseiten, abseits des großen Scheinwerferlichts von Wimbledon, Roland Garros oder Flushing Meadows: „Du bist viele Monate im Jahr auf Reisen, du sitzt viel alleine in Hotelzimmern. Außerdem ist es ein kostspieliger Sport. Es gibt Unmengen Tennisspieler auf der Welt, doch lediglich die rund besten 200 von ihnen können davon wirklich leben.“
Hofer bleibt der Filzkugel treu
Ganz abgeschlossen hat Hofer mit dem Tennis allerdings nicht, steht sie doch beim TC Rungg unter Vertrag und bestritt mit diesem zuletzt die Serie-A2-Meisterschaft. „Diesbezüglich ist noch keine Zukunftsentscheidung gefallen. Mit Sicherheit werde ich den Trainerschein machen und weiterhin das ein oder andere Match bestreiten. International wird man mich aber nicht mehr sehen“, so Hofer, die zurzeit in der elterlichen Pizzeria in der Tennishalle in Runggaditsch jobbt. „Was die Zukunft beruflich und sportlich bringt, wird sich zeigen“, zunächst freue sie sich erstmal auf deutlich mehr Freizeit, auf Wanderungen und Bike-Touren in die Dolomiten und entspannte Abende im Kreise ihrer Freundinnen.


Autor: alexander foppa

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