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Andy Murray will bei seinem Heim-Grand-Slam trotz künstlicher Hüfte weit kommen. © ANSA / TOLGA AKMEN

Wimbledon steht unter einem besonderen Stern

Corona-Sorgen, Ukraine-Krieg, ausgeschlossene Weltnummer-Eins und keine Weltranglisten-Punkte – Wimbledon 2022 startet mit besonderen Vorzeichen. Sportlich gesehen blickt beim Rasenhighlight alles auf Serena Williams und Rafael Nadal. Als Favoriten gelten allerdings Iga Swiatek und Novak Djokovic.

Nach dem Ausfall 2020 und einem Pandemie-beeinflussten Turnier 2021 stehen auch die 135. All England Tennis-Championships unter keinem guten Stern. Corona schwirrt noch herum, vor allem aber der Ukraine-Krieg wirkt auf das am Montag beginnende Turnier in Wimbledon. Profis aus Russland und Belarus sind ausgeschlossen, weshalb keine Weltranglistenpunkte vergeben werden. Als Top-Favoriten gelten Iga Swiatek und Novak Djokovic, im Fokus stehen auch Serena Williams und Rafael Nadal.


Der Ausschluss der Sportlerinnen und Sportler aus Russland und Belarus durch die Wimbledon-Veranstalter hat im Vorfeld zu heftigen Diskussionen und Konsequenzen der großen Tennis-Organisationen geführt. Der Tennis-Weltverband ITF sowie ATP (Männer) und WTA (Frauen), die bei ihren Turnieren Russen und Belarussen unter neutraler Flagge zulassen, entschieden, keine Weltranglistenpunkte zu vergeben und ernteten dafür heftige Kritik von Wimbledon.

Die Weltranglisten Nummer Eins darf beim wichtigsten Tennisturnier nicht antreten. © APA/afp / DAVID GRAY

Sie begründeten ihren Schritt mit ihrem Grundsatz, dass bei ihren Turnieren „alle Spieler ohne Diskriminierung und einzig aufgrund ihrer Meriten“ spielberechtigt seien. In London allerdings können Topleute wie der Weltranglisten-Erste Daniil Medwedew und sein russischer Landsmann Andrej Rublew (ATP-8.) oder die zweimalige Grand-Slam-Turniersiegerin Victoria Asarenka sowie Aryna Sabalenka (WTA-6), beide aus Belarus, nicht teilnehmen. Erstmals seit 2009, als Nadal verletzt war, fehlt damit die Nummer 1 der Welt.

Weltrangliste wird durchgerüttelt
Die im vergangenen Jahr gewonnenen Weltranglistenpunkte fallen am Ende des diesjährigen Turniers ersatzlos aus der Wertung. Leidtragender ist dabei u.a. Titelverteidiger Djokovic. Der Serbe verliert 2.000 Punkte, die er nicht ersetzen kann – selbst, wenn er erneut gewinnt.
Djokovic ist nach dem Out von Medwedew topgesetzt, hat zuletzt dreimal in Serie gewonnen und geht auf seinen siebenten Wimbledon-Titel los. Der 35-Jährige würde mit einem weiteren Erfolg solo die Nummer zwei in der Liste der Allzeitsieger von Grand-Slam-Turnieren. Djokovic hält so wie der Schweizer Roger Federer bei 20 Triumphen, Nadal ist heuer mit Siegen bei den Australian Open und den French Open auf 22 davongezogen.

In Wimbledon haben die großen Vier dieses Jahrtausends (Nadal, Djokovic, Federer, Murray) seit 20 Jahren (Lleyton Hewitt 2002) den Titel stets unter sich ausgemacht. Der spanische Sandplatzkönig Nadal hat auf dem Rasen von Wimbledon aber nur zweimal gewonnen und das ist bereits eine Weile her (2008 und 2010).

Zum Duell der Giganten könnte es im Finale kommen. © APA/afp / NIC BOTHMA

Das jüngste Duell mit Djokovic im Viertelfinale der French Open hat er für sich entschieden. Diesmal könnte es erst im Finale am 10. Juli zum Gigantenduell kommen, weil neben Medwedew auch der Weltranglistenzweite Alexander Zverev fehlt. Der Deutsche hat sich bei den French Open im Halbfinale gegen Nadal alle drei Seitenbänder im rechten Sprunggelenk gerissen und aufgeben müssen. Nadal selbst, der schon seit geraumer Zeit mit Schmerzen zu kämpfen hat und sich in Paris vor jedem Spiel hatte fitspritzen lassen, erklärte sich zu Monatsmitte schmerzfrei. Auch Dominic Thiem hatte ursprünglich für das Turnier genannt, aber wieder zurückgezogen.

Serena Williams will es mit 40 nochmals wissen
Bei den Frauen führt der Weg zum Pokal über die junge Seriengewinnerin dieser Saison. Die in der Weltrangliste überlegen führende Iga Swiatek hält seit Februar bei 35 Einzelsiegen hintereinander und hat der Reihe nach Titel in Doha, Indian Wells, Miami, Stuttgart, Rom und bei den French Open in Paris geholt. Seit 1990 haben nur Martina Hingis (37) und Monica Seles (36) längere Erfolgsserien geschafft. Wie man auf dem heiligen Rasen gewinnt, weiß Swiatek auch. Die 21-jährige Polin entschied 2018 das Juniorinnenturnier für sich, im Frauenbewerb kam sie bisher aber nicht über das Achtelfinale hinaus.

Auf den Wimbledon-Erfolg ist aber auch Serena Williams heiß. Die 40-jährige US-Amerikanerin gibt nach einem Jahr Spielpause ihr Comeback und setzt ihre Jagd nach dem Grand-Slam-Titelrekord fort. Williams hat bisher 23 Mal eines der vier großen Turniere gewonnen, ein Erfolg fehlt auf den All-Zeit-Rekord der Australierin Margret Court (24). In Wimbledon, wo sie schon siebenmal gewonnen hat, besitzt sie die wohl besten Chancen, sich ihren 24. Triumph zu holen. Im Vorjahr war ihr Auftritt in Wimbledon nur von kurzer Dauer. Im ersten Satz der ersten Runde musste Williams gegen Alexandra Sasnowitsch verletzt aufgeben und verließ den Platz mit Tränen in den Augen. Seither hat sie nur zwei Doppel-Partien (in dieser Woche in Eastbourne) bestritten.

Serena Williams will der Grand-Slam-Rekord angreifen. © APA/afp / GLYN KIRK

Williams stand seit ihrem bisher letzten Grand-Slam-Titel bei den Australian Open 2017 und der anschließenden Babypause viermal in einem Major-Finale (darunter 2018 und 2019 auch in Wimbledon), musste sich jedoch stets geschlagen geben. Im vergangenen Jahr hat die im März zurückgetretene Australierin Ashleigh Barty den Titel geholt.

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