F Fußball-WM 2018

DFB-Manager Oliver Bierhoff hat Mesut Özil kritisiert: „Konnten Mesut bisher nicht überzeugen.“ © APA/afp / ODD ANDERSEN

Bierhoffs fatale Kritik: „Man hätte überlegen müssen, auf Özil zu verzichten“

DFB-Manager Oliver Bierhoff hat Fehler im Umgang mit der Erdogan-Affäre eingeräumt und erstmals von einem Verzicht auf Weltmeister Mesut Özil bei der WM in Russland gesprochen. Sein Interview mit der „Welt“ war allerdings ein fatales Eigentor.

„Wir haben Spieler bei der deutschen Nationalmannschaft bislang noch nie zu etwas gezwungen, sondern immer versucht, sie für eine Sache zu überzeugen. Das ist uns bei Mesut nicht gelungen. Und insofern hätte man überlegen müssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet“, sagte Bierhoff in einem Exklusivinterview mit der „Welt“. Damit hat Bierhoff, der eine leitende Funktion beim DFB hat, starke Kritik am deutschen Nationalspieler geübt.

Ob so das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt wird? Wohl kaum. Während sich zum Beispiel die Schweden nach einem sportlichen Fehler geschlossen hinter Jimmy Durmaz stellten und rassistische Angriffe verurteilten, lässt der DFB solche Aktionen weiterhin vermissen. In der Folge berichteten schwedische Medien, dass die Mannschaft durch diese Aktion extrem zusammengewachsen sei. Beim DFB ist es umgekehrt. Statt Özil zu schützen, hat ihn Bierhoff durch den verbalen Angriff weiter geschwächt.

Bierhoff wiederspricht sich selbst

Özil hat sich seit den Mitte Mai in London entstandenen Bildern mit dem umstrittenen türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in der Öffentlichkeit im Gegensatz zu Ilkay Gündogan nicht geäußert und blieb auf Erlaubnis des DFB auch dem Medientag im Trainingslager fern. Nach dem historischen WM-Aus in der Vorrunde wurde Özil von der Öffentlichkeit zu einem der Sündebocke auserkoren und harsch kritisiert. Sportliche Gründe konnten dafür kaum herhalten (eine SportNews-Analyse von Özils Leistungen gibt es hier).

„Ich glaube, die Tatsache, dass Mesut und Ilkay die Fotos gemacht haben, hat die Mannschaft nicht so sehr beschäftigt. Aber die Debatte war nachhaltig. Im Rückblick würde ich versuchen, dieses Thema noch klarer zu regeln“, sagte Bierhoff, der sich dabei indirekt selbst wiederspricht. Auf der einen Seite hat es das DFB-Team nicht gestört, auf der anderen Seite schon. So richtig klar ist die Bierhoff-Aussage nicht.

Das seltsame „Hashtag-Marketing“ des DFB stört viele Fans

Der Europameister von 1996 kündigte zudem „tiefgreifende Veränderungen“ an: „Was zu einer 14 Jahre währenden Erfolgsgeschichte beigetragen hat, darf nicht einfach ignoriert werden. Klar ist aber, dass wir alles auf den Prüfstand stellen müssen, personell und strukturell“, sagte Bierhoff: „Dazu gehören die Zusammenstellung des Kaders genauso wie die internen Abläufe. Es muss Einschnitte auf allen Ebenen geben. Wir haben uns in Russland nicht als Mannschaft präsentiert. Das ist etwas, was mir besonders wehtut.“

Die immer öfter thematisierte Entfremdung zwischen den Fans und der Nationalmannschaft hat Bierhoff nach eigenen Angaben „registriert“ und nimmt „diese Wahrnehmung sehr ernst“. Dabei haben viele Fans die überhebliche Art des deutschen Verbandes satt. Dazu hat auch Bierhoff mit seiner überbordenden Marketingstrategie („Die Mannschaft“ und Hashtags wie #ZSMMN) maßgeblich dazu beigetragen.

Autor: cst/sid

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