F Fußball-WM 2018

Gianni Infantino und Wladimir Putin im Bolschoi-Theater. © APA/afp / YURI KADOBNOV

„Rossija“ als großer Gewinner: Die beste WM aller Zeiten?

„Rossija, Rossija“ – Auf der Bühne des ehrwürdigen Bolschoi-Theaters stimmte Gianni Infantino an der Seite von Wladimir Putin den Schlachtruf der russischen Fußball-Fans an. Der FIFA-Präsident hatte zuvor Russland für die „beste Weltmeisterschaft aller Zeiten“ gelobt.

Trotz aller Bedenken zu Hooligans, Sicherheit und der Qualität der Sbornaja vor dem Turnier hat Russland bewiesen, dass es auch das große Fußball-Fest mit mehr als einer Million ausländischer Fans ausrichten kann. „Wir sind froh, dass unsere Gäste alles mit eigenen Augen gesehen haben, dass ihre Mythen und Vorurteile zerbrochen sind“, schwärmte Putin.

Ist die Zeit der Superstars vorbei?

Doch wie bei den Winterspielen von Sotschi 2014, die letztendlich als Olympia des Staatsdopings in die Geschichtsbücher eingehen, sind sich Experten sicher, dass das propagierte Bild der offenen Gesellschaft nicht dauerhaft bestehen bleibt. Was war Fassade, was ist Realität?

Und auch das sportliche Vermächtnis des Turniers, bei dem der Titelverteidiger Deutschland gnadenlos entthront wurde, bleibt noch vage: Der Videobeweis hat sich auf der größten Bühne bewährt und wird dauerhaft bleiben. Aber ist die große Zeit der Megastars wie Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Neymar endgültig vorbei – und eine neue Ära des Teamfußballs angebrochen?

Ist die Zeit der Superstars wie Lionel Messi im Fußball vorbei? Die WM in Russland gab Anzeichen dafür. © APA/afp / MLADEN ANTONOV


„Vielleicht war das eine der seltsamsten Weltmeisterschaften“, sagte der kroatische Trainer Zlatko Dalic als Resümee. „Der Fußball hat sich so sehr weiterentwickelt, dass jedes Team die richtige Defensivorganisation hat. Einzelne können nicht mehr alles lösen. Die WM war gerecht zu Teams, die als Gemeinschaft aufgetreten sind.“

Das Team der Gastgeber schaffte es als dauerlaufendes Kollektiv bis ins Viertelfinale. „Wir hoffen, dass in Russland eine neue Epoche beginnt“, sagte der früher auch in Tirol tätig gewesene Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow zum unerwarteten Erfolg. „Alle wollen Fußball spielen.“ Auf Doping-Fragen angesichts fabelhafter Lauf- und Sprintwerte reagierte Tschertschessow ausweichend oder verärgert.

Russische Gastfreundlichkeit

Mit der herzlichen Gastfreundschaft begeisterten die russischen Menschen die zahlreichen ausländischen Fans, die vermehrt aus Latein- und Südamerika und weniger aus Europa kamen. Der Experte Andrej Kolesnikow vom Carnegie-Zentrum in Moskau glaubt jedoch, dass die WM keinen langfristigen politischen Effekt haben wird. „Das ist nur Fußball, es bringt kein demokratisches Denken“, sagte er. Die Russen würden durch die WM nicht freier, Polizisten nicht freundlicher. Am Ende finde sich jeder in der Realität wieder, „inmitten einer weiteren Putin-Amtszeit“.

Die Russen präsentierten sich als guter Gastgeber. © APA/afp / ALEXANDER NEMENOV


Und auch das Fazit von Menschenrechtlern fällt wenig euphorisch aus. „Die WM war sicherlich die beste WM für Ramsan Kadyrow (Tschetscheniens autoritärer Republikchef) und Wladimir Putin“, sagte Direktorin Minky Worden von der Organisation Human Rights Watch. „Aber sicher nicht für die Menschenrechte.“ Dieses Thema bleibt dem Fußball wohl auch durch den kommenden WM-Gastgeber Katar erhalten.

Autor: dpa

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Kommentare (1)

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Emma Müller [melden]

In der Hoffnung auf ein erfolgreiches Abschneiden unserer Mannschaft haben wir Tickets für Fussballspiele in Russland gekauft und Hotel gebucht. Trotz des Ausscheidens der Mannschaft, was uns sehr schmerzte, haben wir eine unvergessliche Zeit in Sankt Petersburg erlebt und viele glückliche Russen erlebt. Aus den Gesprächen mit den Menschen haben wir gelernt, dass für sie Wladimir Putin der beste Präsident ist, der ihnen wirtschaftliche und politische Stabilität garantiert, die Korruption und Kriminalität konsequent bekämpft. Es war die beste WM in meinem Leben!

16.07.2018 18:36

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