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Johan Clarey jubelt über die Silbermedaille im Super-G. Noch vor eineinhalb Jahren wollte der Franzose nie mehr ein Skirennen bestreiten. © Pentaphoto

Silbermedaillen-Gewinner Clarey: „Ich wollte nie mehr Skifahren“

Der 13. November 2017 war einer der schlimmsten Tage im Leben vom Johan Clarey. Damals ist sein guter Freund und Teamkollege David Poisson gestorben. Clarey wollte aufhören, jetzt ist der Franzose der älteste WM-Medaillengewinner der Ski-Geschichte.

„Es war sehr schwer für uns, aber vor allem für mich. Ich habe an diesem Tag einen Bruder verloren.“ Wenn Johan Clarey über den Tod von David Poisson spricht, dann verschwindet das Lächeln aus dem Gesicht des Franzosen. Clarey war einer der besten Freunde von Poisson, der im November 2017 in Lake Louise beim Skitraining tödlich verunglückt ist. „Ich habe an Rücktritt gedacht, nie mehr wollte ich Skifahren. Es war ein Leben wie ein Geist, ich habe nichts mehr erlebt und habe nach Davids Tod in den psychologischen Überlebensmodus gewechselt“, sagte Clarey damals dem Onlineportal Ledauphine.

38 Jahre und 29 Tage

Jetzt, knapp eineinhalb Jahre später, ist Clarey der älteste Skifahrer, der je auf einem WM-Podest stand – mit 38 Jahren und 29 Tagen. „Besser spät als nie“, lachte der Franzose nach dem Rennende in die TV-Mikrophone: „Es macht mich natürlich stolz, aber im Kopf fühle ich mich wie 20.“ Clarey erinnert sich aber auch daran, dass er diese Saison im Super-G bereits mit Nummer jenseits der 50 an den Start gehen musste: „Ich hatte diese Disziplin schon fast aufgegeben.“
„Im Kopf bin ich wie 20.“
Johan Clarey, ältester WM-Medaillengewinner der Skigeschichte

In der Vergangenheit hatte Clarey viel Pech mit Ski-Weltmeisterschaften. 2009, kurz vor der Heim-WM in Val d’Isere, riss ihm das Kreuzband. Und auch vier Jahre später, 2013 in Schladming, war der Franzose verletzt.

Johan Clarey auf dem Weg zur WM-Silbermedaille in Åre.

Anreiseprobleme nach Åre


Heuer plagten Clarey ganz andere Sorgen. Wie viele andere Athleten und Betreuer, blieb auch Clarey im Schneetreiben bei der WM-Anreise stecken. 48 Stunden lang habe er nicht geschlafen, sagte er im Rahmen der Siegerehrung im ORF: „Dazu kamen 7 Stunden Flug und 8 Stunden Zugfahrt. Aber noch geht es mit der Müdigkeit, ich denke gegen Ende dieser Woche wird es schlimmer.“

Es bleibt zu hoffen, dass Clarey mit dieser Annahme unrecht hat. Am Samstag steht nämlich das nächste große Highlight der Ski-WM 2019 in Åre auf dem Programm: die Abfahrt der Männer. Und auch dort wird mit dem formstarken Franzosen zu rechnen sein. Müdigkeit hin oder her.


>>> Hier geht es zum Rennbericht des WM-Super-G. <<<

Autor: cst

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