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Lindsey Vonn und Aksel Lund Svindal haben im Skisport „alles“ gewonnen. © APA / EXPA/JOHANN GRODER

Vonn und Svindal treten ab – und das nicht freiwillig

Mit den beiden WM-Abfahrten werden an diesem Wochenende zwei großartige Skikarrieren zu Ende gehen: Versehrt verabschieden sich Aksel Lund Svindal und Lindsey Vonn vom Spitzensport, die Rücktritte gleichen einer Kapitulation. Sportler wie sie zeigen ein anderes Verständnis von Risiko – und wahrscheinlich auch von Vernunft.

Am Wochenende gibt es die Ehrenrunden zweier Persönlichkeiten, die dem Skisport eine Ausstrahlung gaben - weit über die Berge hinaus. Die Amerikanerin Lindsey Vonn und der Norweger Aksel Svindal hören nach ihrem Abfahrtslauf bei der Weltmeisterschaften in Åre auf. Die Probleme mit dem rechten Knie machten eine Fortsetzung der Karriere unmöglich, sagte Svindal bei seiner Rücktrittsankündigung. Vonn hatte den Abschied längst in Aussicht gestellt, am vergangenen Freitag gab sie den Vollzug bekannt. „Mein Körper ist gebrochen“, schrieb sie auf Facebook, er rufe ihr „Stopp“ zu, und es sei an der Zeit, auf ihn zu hören.

Lange Verletzungshistorie
Denn wie oft sind diese beiden Athleten schon in Fangnetzen gelegen, am Boden und im Spital? Svindal erlitt 2007 in Beaver Creek einen derart schweren Trainingsunfall, dass die Ärzte kurze Zeit um sein Leben fürchteten, er brauchte Spenderblut, verlor 18 Kilogramm. Ein Jahr später gewann er auf derselben Piste zwei Rennen. Vonn schrieb von „mehr Verletzungen und Operationen“, als sie sich selber eingestehen möge.

Spitzenathleten wissen, dass sie nach dem Rücktritt nicht so rasch wieder in einem Bereich so herausragend sein werden wie im Sport. Dieser Gedanke beschäftigt viele, oft schon während der Karriere. Das Leben der Besten ist auf Siege ausgerichtet, in einer Unerbittlichkeit, die wenig Spielraum lässt. Man macht weiter, bis die Gesundheit dem Ganzen eine Grenze setzt.

Aksel Lund Svindal stürzte 2016 bei der Abfahrt in Kitzbühel auf brutale Art und Weise. © APA/afp / JOE KLAMAR

Svindals Umgang mit den Leiden
Nach seinem letzten schweren Sturz 2016 in Kitzbühel lag Svindal im selben Spitalzimmer wie der ebenfalls gestürzte Österreicher Georg Streitberger, Bett an Bett spielten sie „Schere, Stein, Papier“, wer zuerst in den Operationssaal darf. Die Erfahrung von Spitzensportlern im Umgang mit der Realität unterschätzen wahrscheinlich viele. „Shit happens“, habe Svindal nach dem Beaver-Creek-Sturz 2007 gesagt, erzählte damals sein Trainer, „er war ganz lustig und okay.“ Leidenswege und Comebacks waren für Svindal und Vonn fast schon Routine.
„Drama-Queen“ Lindsey Vonn
Der Moment, in dem Vonn und Svindal ihre Websites vom Netz nehmen, wird so schnell nicht kommen. Sie sind zu Figuren mit globaler Wirkung geworden, die mehr über ihre Rollen definiert werden als über ihr Menschsein. Lindsey Vonn ist dafür ein Extrembeispiel, diese Speed- und Drama-Queen, die dieses Etikett auch trägt, wenn es nicht um Speed und um Drama geht. Irgendeinmal war Vonn so gut, so schnell und so weit vorangeschritten in ihrer Jagd nach Weltcup-Siegen (82), dass gar nichts anderes mehr übrig blieb als die Jagd nach dem Rekord von Ingemar Stenmark (86).

Lindsey Vonn erreichte eine Popularität, die weit über dem Skisport hinausging. © APA/getty / Rich Fury

Vermutlich wäre sie bis zum 100. Sieg gefahren, um sich in Sicherheit zu wähnen, dass sie nie eingeholt wird. Vonn war zur Gefangenen ihrer Mission geworden, „I am not done yet“, twitterte sie noch Anfang Januar. Durchhalte- und Angriffsparolen, immer wieder. Womöglich ist es Vonns Glück, dass ihr gebrochener Körper noch stark genug war, ihr klar zu zeigen, dass sie sich jetzt befreien muss.

Fakt ist, dem Ski-Zirkus wird der Entertainment-Faktor der Amerikanerin abgehen. Und den empathischen und sympathischen Hünen aus Norwegen mochte sowieso jeder. Mit einem Veto des Körpers kann eine Sportlerkarriere eben vorzeitig enden.
Die sportlichen Erfolge von Lindsey Vonn
Olympische Winterspiele:
2010 in Vancouver: Gold (Abfahrt), Bronze (Super-G)
2018 in Pyeongchang: Bronze (Abfahrt)

Weltmeisterschaften:
2007 in Åre: Silber (Abfahrt), Silber (Super-G)
2009 in Val d'Isere: Gold (Abfahrt), Gold (Super-G)
2011 in Garmisch: Silber (Abfahrt)
2015 in Beaver Creek: Bronze (Super-G)
2017 in St. Moritz: Bronze (Abfahrt)

Gesamtweltcup:
4 Siege: 2007/08, 2008/09. 2009/10, 2011/12

Disziplinenweltcup:
8x Gewinnerin des Abfahrtsweltcup, 5x Gewinnerin des Super-G-Weltcups, 3x Gewinnerin des Kombinationsweltcups

Weltcupsiege:
82
Die sportlichen Erfolge von Aksel Lund Svindal
Olympische Winterspiele:
2010 in Vancouver: Gold (Super-G), Silber (Abfahrt), Bronze (RTL)
2018 in Pyeongchang: Gold (Abfahrt)

Weltmeisterschaften:
2005 in Bormio: Silber (Kombination)
2007 in Åre: Gold (Abfahrt), Gold (RTL)
2009 in Val d'Isere: Gold (Super-Kombination), Bronze (Super-G)
2011 in Garmisch: Gold (Super-Kombination)
2013 in Schladming: Gold (Abfahrt), Bronze (Super-G)

Gesamtweltcup:
2 Siege: 2006/07, 2008/09

Disziplinenweltcup:
5x Gewinner des Super-G-Weltcups, 2x Gewinner des Abfahrtsweltcups, 1x Gewinner des RTL-Weltcups, 1x Gewinner des Kombinationsweltcups

Weltcupsiege:
36

Autor: dl

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