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Dominik Windisch hat eine aufregende Saison hinter sich. © Christian Manzoni

Windisch über Coronavirus: „Wir wurden schief angeschaut“

Dominik Windisch hat eine Saison mit Höhen und Tiefen hinter sich. Im wichtigsten Moment des Winters hat er aber einmal mehr seine Nervenstärke bewiesen und die Mixed-Staffel als Schlussläufer zu WM-Silber in Antholz geführt. Der Pusterer hat im SportNews-Interview unter anderem über die Titelkämpfe in Antholz, den Umgang mit dem Coronavirus im Biathlon-Lager und Olympia 2026 gesprochen.

SportNews: Herr Windisch, Sie sind inzwischen gut zuhause angekommen. Wie geht es Ihnen?

Dominik Windisch: „Danke, mir geht es gut. Wir hatten bei der Einreise am Montag aus Kontiolahti (Finnland) keine Probleme. Alles verlief ohne größere Komplikationen.


Blicken wir kurz etwas zurück: Wie zufrieden sind Sie mit ihrer Saison?

„Ich bin gut in die Saison gestartet. Mein Trainer hat mir erst vor Kurzem erzählt, dass ich im Dezember noch nie so viele Punkte gesammelt habe, wie in diesem Winter. Die Rippenverletzung nach einem Sturz in Oberhof im Jänner hat mich dann aus dem Tritt gebracht. Ich hatte vor allem beim Liegendschießen starke Schmerzen und Atemprobleme. Zum Saisonende bin ich dann wieder besser in Fahrt gekommen, auch weil ich keine Schmerzen mehr verspürt habe. Das Highlight der Saison war sicherlich die WM-Silbermedaille mit der Mixed-Staffel in Antholz.“

„Ich war vor der Mixed-Staffel in Antholz brutal nervös“

Sie sprechen den großen Erfolg bei der Heim-WM an. Ganz ehrlich, wie nervös waren sie als Schlussläufer der Mixed-Staffel?

„Ich war brutal nervös. Die Mixed-Staffel war der 1. Wettbewerb und wir wussten als Team bereits vor dem Rennen, dass wir dabei die besten Medaillenchancen haben. Somit war der Druck gerade bei einer Heim-WM, bei der das ganze Land mitfiebert, schon enorm groß. Doch ich habe mittlerweile gelernt, mit solchen Situationen umzugehen. Schließlich habe ich eine gewisse Erfahrung als Schlussläufer bei Großereignissen. Das hat mir sehr geholfen. Ich habe versucht mich auf mein Rennen zu konzentrieren und dies hat dann auch gut geklappt. Als ich dann in der Schlussrunde wusste, dass es für eine Medaille reicht, war die Nervosität auf einmal verflogen und vergessen. Für solche Momente trainiert man das ganze Jahr.“

Gemeinsam mit Lukas Hofer, Dorothea Wierer und Lisa Vittozzi holte Windisch WM-Silber. © ANSA / ANDREA SOLERO

„Antholz war die beste Weltmeisterschaft, an der ich teilgenommen habe.“

Wie blicken sie generell auf die Heim-WM zurück?

„Die WM in Antholz war echt cool. Es war die beste Weltmeisterschaft, an der ich teilgenommen habe: von der Organisation, über die Atmosphäre bis hin zum Wetter war alles top. Ich war zwar mit meinen Einzelrennen nicht so zufrieden, aber durch die Medaille in der Mixed-Staffel bin ich mit meiner Ausbeute auf alle Fälle glücklich.“


Nachdem in Antholz noch so viele Zuschauer das Geschehen verfolgten, waren bei den letzten beiden Weltcup-Stationen keine erlaubt. Wie komisch war diese Situation?

„Vor allem die Wettkampfvorbereitung war anders. Man orientiert sich doch sehr am Publikum. Beispielsweise merkt man beim Sprint anhand der Lautstärke der Zuschauer, dass es los geht, gerade wenn man sich noch umkleidet und für das Rennen fertig macht. Beim Wettkampf selber habe ich ehrlich gesagt nicht so einen großen Unterschied bemerkt. Klar fehlen die Zuschauer entlang der Strecke und im Stadion beim Schießstand – vor allem in Nove Mesto – aber man versucht im Wettkampf sowieso gewisse Geräusche auszublenden.“
„Niemand wollte mit uns in Kontakt kommen“

Hand aufs Herz: Wie wurdet ihr aufgrund der Tatsache, dass die Zahl der Infizierten in Italien bereits zu diesen Zeitpunkten in Europa am höchsten war, behandelt?

„Man hat definitiv einen Unterschied gemerkt. Vor allem beim Weltcup in Nove Mesto, da wurden wir von einigen Athleten gar schief angeschaut. Man merkte, dass niemand mit uns in Kontakt kommen wollte, um sich nicht zu infizieren. Ich kann da eine kurze Geschichte von außerhalb der Strecke erzählen…“


Bitte…

„Einer unserer Trainer hat in Nove Mesto bei einem kleinen Obsthandel eingekauft: Als ein weiterer Kunde ihn mit seiner Italien-Jacke gesehen hat, ist dieser direkt aus dem Geschäft gestürmt. Ich muss jedoch sagen, dass es am letzten Wochenende in Kontiolahti viel besser wurde. Da haben sich viele Athleten um uns gesorgt und beispielsweise gefragt, ob wir denn überhaupt nach Hause kommen würden. Auch die strikten Maßnahmen unserer Politiker wurden gelobt. Italien sei mindestens ehrlich, so war der allgemeine Tenor.“
„Es wäre ein Traum, mit Olympia 2026 meine Karriere zu beenden.“

Schauen wir kurz in die Zukunft: Sie sind mittlerweile 30 Jahre alt. Ist Olympia 2026 ein Thema für Sie, schließlich finden die Biathlonrennen in Antholz statt?

„Es ist auf jeden Fall ein Thema. Aber ich schaue von Jahr zu Jahr. Wenn ich mich noch fit fühle und noch weiter so motiviert bin wie heute, wäre es ein Traum, mit Olympia 2026 meine Karriere zu beenden. Nach diesen Spielen würde ich allerdings sicherlich kein Rennen mehr bestreiten (lacht).“


Wie schaut ihr Programm in der näheren Zukunft aus?

„Nun bleibe ich einfach mal zuhause und ruhe mich aus. Unmittelbar nach Saisonende würde ich auch ohne die Corona-Krise wenig bis gar nicht trainieren. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass ich mit einer größeren Freude als normalerweise wieder aufs Rad steigen werde, wenn diese Krise einmal vorbei sein wird.“


Vielen Dank für das Gespräch.

„Darf ich nur noch eine kurze Botschaft loswerden?“


Gerne...

„Gemeinsam werden wir aus dieser schwierigen Situation herauskommen. Bitte bleibt alle zuhause. Wir können dadurch Menschenleben retten.“


Fragen: David Lechthaler

Autor: dl

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