o Langlauf

Die Ausgangssituation: Klæbo (links) gewinnt den Zielsprint, Iversen (rechts) wird Zweiter, Bolshunov (hinten) ist mit nur eineinhalb Stöcken chancenlos. © APA/afp / CHRISTOF STACHE

Drama zum Abschluss: „Was Bolshunov tut, ist mir scheiße“

Die Nordische Ski-WM in Oberstdorf ist mit einem Aufreger zu Ende gegangen. Nach dem Zielsprint-Durcheinander im 50-km-Rennen der Herren lagen die Nerven blank – und nicht einmal der neue Weltmeister schien sich zu freuen.

„Es ist unverdient, dass ich Weltmeister bin, aber ich bin verdienter Zweiter“, gab Emil Iversen im Interview nach der Medaillenübergabe zu. „Ich wäre bewegter gewesen, wenn ich neben Johannes auf dem Podium gestanden wäre“, gestand der 29-Jährige sogar. Iversen war der große Nutznießer einer strittigen Szene beim Zielsprint, als die beiden Langlauf-Superstars Johannes Høsflot Klæbo und Alexander Bolshunov aneinandergerieten.


Nach dem Rennen wurde lange diskutiert und nach der Disqualifikation von Klæbo ging die Stimmung dann völlig in den Keller. Auch bei der Medaillenübergabe glich die Location mehr einem Begräbnis als einem ruhmreichen Abschluss einer Weltmeisterschaft. Die Reaktion von Bolshunov machte das nicht besser.

Düstere Miene bei Bolshunov, trotz Silbermedaille. © APA/afp / CHRISTOF STACHE

Der landete nach dem Zielsprint nur auf dem Bronzerang, am Ende musste er sich mit Silber begnügen – für Bolshunov war es aber eine Niederlage. Er forderte nach dem Rennen, dass er Gold bekommen solle, schließlich war er vor der Szene noch auf Platz 1 und wurde durch den gebrochenen Skistock um den Weltmeistertitel betrogen.
Bolshunov verweigert Silber und will Gold
Bei der Siegerehrung weigerte er sich, die Medaille um den Hals zu hängen, ließ sie nur aus seiner Hand baumeln. Gegenüber dem norwegischen Fernsehsender NRK sagte er enttäuscht: „Ich kann nur sagen, dass der Gewinner heute ich oder Klæbo hätte sein sollen. Nicht Iversen. Das war nicht das beste Ende.“ Iversen wollte sich darüber keinen Kopf machen. „Was Bolshunov tut, ist mir scheiße. Darüber habe ich nichts mehr zu sagen.“

>>> Hier ein ausführliches Portrait von „Bad Boy“ Alexander Bolshunov <<<

Auch Simen Hegstad Krüger war ein Nutznießer der Jury-Entscheidungen, schob sich der Norweger schließlich von Platz 4 auf einen Medaillenrang nach vorne. Doch auch bei ihm hinterließ das Drama einen faden Beigeschmack. „Es war etwas ganz Besonderes. Während ich denke, dass sich Emil (Iversen) Tribut verdient, fühle ich mich etwas fehl am Platz“, sagte der Norweger. Mit Bolshunov war er nicht einverstanden. „Ich denke, wir müssen die getroffenen Entscheidungen akzeptieren. (…) Ich verstehe nicht, was er meint, wie er platziert hätte werden sollen. Er ist wahrscheinlich jemand, der nicht einmal mit Silber zufrieden ist“, urteilte Krüger über Bolshunovs Forderung nach Gold.

Klæbo nach dem Zielsprint – hier dachte er noch, er sei der neue Weltmeister. © APA/afp / CHRISTOF STACHE

Klæbo zieht sich zurück
Klæbo zog sich nach dem Rennen zurück und meldete sich erst am Abend über die Sozialen Medien. Verständlicherweise war er bitter enttäuscht, ließ sich bei seinem Statement aber nicht zu einem Schuss gegen die FIS hinleiten. „Das fühlt sich an wie der härteste Tag meiner Karriere. (…) Ich habe mich das gesamte Jahr auf dieses eine Rennen vorbereitet, noch nie habe ich mich so bereit gefühlt“, schrieb der Norweger. „Ich bin sehr enttäuscht, wie die FIS die Situation gehandhabt hat und wie die Jury am Ende entschieden hat. Im Moment ist alles schwarz, aber ich werde zurückkommen. Ich brauche nur etwas Zeit.“ Bei Klæbo sitzt der Stachel tief.

Autor: fs

Empfehlungen

Kommentare (2)

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen..

Jörg Schwämmlein [melden]

Herr Zanier hat den Rennverlauf richtig erkannt. Das habe ich heute beim nochmaligen Anschauen des Zieleinlaufs ebenso gesehen. Klæbo hatte jederzeit die Möglichkeit, auf die mittlere Spur zu wechseln. Iverson hätte ohne die Unsportlichkeit Klæbo's niemals gewonnen. Die Goldmedaille hätte eindeutig Bolshunov zuerkannt werden müssen. Dazu war die FIS - wieder einmal - zu feige. Wenn sie schon das Gesicht wahren will, dann hätte sie beide zum Sieger erklären können. So war die Entscheidung nur ein oberfauler Kompromiss.

08.03.2021 13:34

Hermann Zanier [melden]

Die Sportler haben sich alle richtig verhalten. Bolschunow hat nur die Wahrheit gesagt, eine Niederlage mit zwei Stöcken hätte er sicher angenommen, hat er auch zugegeben. Was hätte die FIS machen können: die Disqualifikation Klaebo's war an sich richtig, er kann nicht seinen Konkurrenten wegdrängen. Northug sind solche Vorgänge oft genug durchgegangen. Bolschunow war vor ihm, er nahm die günstigste, äußerste Bahn und dann kann er nicht außen durchdrücken. Es ist aber schade, dass die große sportliche Leistung nicht belohnt wurde.

08.03.2021 10:21

© 2021 Sportnews - IT00853870210