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Kronzeuge im Doping-Skandal: Johannes Dürr

Dürrs Dopingbeichte 2.0: „Zwei Persönlichkeiten in mir“

Kronzeuge Johannes Dürr hat nach den jüngsten Anschuldigungen im Doping-Skandal um den Erfurter Sportarzt Mark S. eine neuerliche Beichte abgelegt.

Im Interview mit der ARD-Dopingredaktion räumte der Österreicher Blutdoping im zweiten Halbjahr 2018 ein, offenbarte Details im Umgang mit S. und sprach über seine Beweggründe, seinen weiterführenden Sportbetrug erst nach der Festnahme am Dienstag einzuräumen.

Eine zweite Welt, die parallel im Dunklen verläuft

„Da waren zwei Persönlichkeiten in mir. Nicht schizophren, aber da war der Leistungssportler Johannes und der Mensch Johannes“, sagte 31-Jährige. Der „Johannes als Mensch“ habe ganz klar gesagt, das „ist ein Blödsinn, ein Scheiß, das darf man nicht machen, davor muss man andere warnen“, so Dürr. Auf der anderen Seite sei der Leistungssportler Johannes Dürr gewesen, der gesagt habe: „Das gehört dazu. Wenn du Leistungen bringen willst, dann musst du es machen.“ Diese zweite Welt, die parallel im Dunklen verlaufe, habe an ihm genagt.

Dürr gilt als Kronzeuge und hat mit seinen Aussagen im ARD-Film „Die Gier nach Gold - Der Weg in die Dopingfalle“ die Zerschlagung des Dopingnetzwerkes um Mark S. ausgelöst. In den Interviews verschwieg Dürr allerdings, weiterhin Blutdoping zu betreiben. Nun sagte Dürr, dass es im August, Oktober und Dezember 2018 drei Blutrückführungen aus einem alten Depot von 2014 und 2015 gegeben habe, durchgeführt von S. oder dessen Komplizen. Gewusst habe davon niemand aus seinem Umfeld.

Keinen Kontakt an andere Athleten vermittelt

Dürr war am Dienstag in Innsbruck festgenommen und einen Tag später wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Festnahme sei für ihn eine Erleichterung gewesen, erklärte Dürr, „als ich den Haftbefehl auf dem Tisch liegen sah, war ich tatsächlich froh.“ Den inneren Konflikt beschrieb er als „ständiges Reißen und Kämpfen darum, das Richtige zu tun. Leider habe ich den Kampf verloren.“ Er sei aber „ganz sicher nicht Opfer. Ich bin definitiv einfach Täter, von dem System, das mich nicht losgelassen hat.“ Dürr versicherte, keine weiteren Doping-Geheimnisse zu haben.

Laut Dürr erhielt S. für die drei Blutrückführungen 2018 keine finanzielle Gegenleistung. Er habe „für alle Behandlungen und die ganze Organisation keinen Cent bezahlt, gar nichts“, sagte Dürr, der zwischenzeitlich per Crowdfunding-Aktion rund 39.000 Euro gesammelt hatte. Den Mediziner Mark S. umschrieb Dürr als „umgänglichen, entspannten Kerl“, der „offen und vertrauenserweckend“ gewesen sei. An andere Athleten habe er den Kontakt zu S. aber nicht weitergegeben.

Autor: sid

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