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Volle Kraft voraus: Hanna Schnarf arbeitet für ihr Comeback.

Hanna Schnarf: „Im August will ich wieder Ski fahren“

Die Olangerin Hanna Schnarf ist seit fast einem Jahr außer Gefecht. Bei einem Trainingssturz im November 2018 zog sie sich einen komplizierten Schien- und Wadenbeinbruch zu. Die sportliche Zukunft der Speedspezialistin hing am seidenen Faden. SportNews hat sich mit der 34-Jährigen zum Interview getroffen.

Im November ist es ein Jahr her, dass du dich beim Training in Copper Mountain (USA) schwer verletzt hast. Hast du den Sturz analysiert? Wie genau ist es passiert und warum?

Hanna Schnarf: „Ich habe mir das Video angeschaut, doch es war nichts auffällig. Es war schönstes Wetter, die Bedingungen auf der Piste waren ideal. Es war beim Riesentorlauf-Training, mit dem Ski kam ich in eine Rille und stürzte. Mir kommt vor, als wäre vorher schon was gewesen im Knie, aber das ist nur eine Vermutung. Jedenfalls habe ich nach dem Sturz sofort gespürt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Ich wurde noch am selben Tag in Vail operiert, die OP ist sehr gut verlaufen. Auch die Ärzte in Südtirol sagen, dass die ihre Kollegen in den USA gut gearbeitet haben. Schien- und Wadenbein waren verschoben, offenbar hatte ich Glück, dass es kein kompletter Durchbruch war“.


Die letzten Monate warst du auf Krücken unterwegs und in Therapie. Wie geht es dir heute?

„Ich bin inzwischen im Trainingsalltag und kann fast alles normal tun. Das Laufen geht zwar noch nicht ganz gut, bei einer Belastung auf dem linkem Fuß ist die Kraft noch nicht so da. Ich war im Osteozentrum Schliersee (ein Mal 5 Wochen, ein Mal 4 Wochen) zur Reha, jetzt mache ich viel Physiotherapie zu Hause. Ende Juli folgt noch ein Röntgenbild und der nächste Schritt ist dann die Rückkehr auf Skier. Das wird voraussichtlich ab Mitte August sein, aber das entscheide ich kurzfristig. Vermutlich werde ich auf das Stilfserjoch fahren, aber das ist noch nicht fix“.

Nach der Reha am Schliersee


Was waren für dich die größten Herausforderungen der letzten Monate?

„Ganz am Anfang war es schon hart. Als noch die Schrauben in den Knochen waren, ging alles sehr langsam. Meine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Ende März wurde das Metall entfernt und ohne Schrauben geht alles schneller und leichter, auch die Muskeln kommen wieder. Aber es war ein Geduldsspiel, jetzt geht es von Woche zu Woche besser“.

Hanna Schnarf trainiert täglich – auch allein zuhause.


Nach dem Sturz stand ein großes Fragezeichen hinter deiner sportlichen Zukunft. Ist die Entscheidung inzwischen gefallen, machst du weiter?

„Die Saison 2018/19 sollte ja eigentlich meine letzte Saison sein, doch dazu ist es leider nicht gekommen. Deshalb: Wenn mein Körper mitspielt, dann mache ich fix weiter. Aber der Weg ist noch lang. Zunächst muss ich sehen, wie es beim Skifahren ist. Erst wenn es 100%ig passt und ich 100% fit bin, dann steige ich ein. Nur so irgendwie im Weltcup umherfahren um dabei zu sein, das ist nicht mein Ding“.


Denkst du schon an dein Comeback im Weltcup?

„Mir ist eigentlich egal ob ich beim Start in Lake Louise schon dabei bin, oder nicht. Ich mache mir daher auch keinen Druck. Die Motivation ist da, das Weltcupfinale 2020 in Cortina spornt mich schon an. Doch wie gesagt, entscheidend sind die ersten Tage auf Schnee im August. Ich freue mich darauf und der Rest wird sich zeigen“.

Hanna Schnarf bei den Olympischen Winterspielen 2018 © APA/afp / DIMITAR DILKOFF


Die aktuelle Verletztenliste bei den Damen in den Speeddisziplinen ist lang und prominent, von Weltmeisterin Ilka Stuhec bis hin zu Olympiamedaillen-Gewinnerin Ragnhild Mowinckel. Was läuft da falsch?

„Ich kann das nicht beurteilen. Es stimmt, momentan sind ziemlich viele Spitzenfahrerinnen außer Gefecht. Aber jede Verletzung ist individuell, daher glaube ich nicht, dass es einen speziellen Grund gibt, warum so viele angeschlagen sind“.


Zur Person:
Hanna Schnarf feierte ihr Weltcup-Debüt im Dezember 2004 beim Super-G in Lake Louise (CAN), mittlerweile stand die Olangerin bei 189 Weltcuprennen am Start. Bei der Abfahrt in Crans Montana im März 2010 schaffte sie es als 2. erstmals aufs Podium, ihren 2. Podestplatz holte sie im Jänner 2018 als 2. beim Super-G in Cortina. Platz 6 in der Super-Kombination bei der WM 2009 in Val d'Isere ist ihr bestes WM-Ergebnis, bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver (CAN) wurde sie im Super-G Vierte, 2018 in Pyeongchang verpasste sie als Fünfte die Bronzemedaille um mickrige 0,05 Sekunden.




Autor: zor

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