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Die Abfahrt am Matterhorn sorgt für viel Gesprächsstoff innerhalb des Skizirkus. © FISI

Matterhorn im Weltcup? „Absoluter Schwachsinn“

Mit einer Abfahrt am Fuße des Matterhorns soll der Alpine Ski Weltcup um eine weitere Attraktion bereichert werden. Doch das Projekt der italienischen FISI und des Swiss Ski-Verbands stößt nicht nur auf Zustimmung. Eine Größe des Skisports äußerte sich kritisch gegenüber den Ambitionen der Verbände.

Es wäre ein neuer Superlativ. Ein Start auf fast 4.000 Metern, eine Fahrtzeit von 2:20 Minuten und ein grenzüberschreitender Streckenverlauf. Die von Altmeister Didier Defago konzipierte Strecke würde ein neues Licht auf den alpinen Skisport werfen, der sich ohnehin für die Zukunft rüsten muss. Unter der Leitung des neuen FIS-Präsidenten Johan Eliasch soll sich der Weltcup nämlich neu erfinden.


Mit der Einführung von verschiedenen Ski-Ligen und der Abschaffung des Super G soll das Erlebnis übersichtlicher werden, die Leistungsdichte zwischen den konkurrierenden Athleten noch weiter zusammengeführt werden. Von einem sogenannten „Mini-Olympia“ ist ebenso die Rede. Die Abfahrt am Matterhorn soll auch ihren Beitrag zur Weiterentwicklung leisten. ORF-Skiexperte und ehemaliger Profi Hans Knauss sieht in dem groß angelegten Projekt jedoch so manche Schwachstelle.

„Das raubt enorm viel Kraft“ – Knauss zeigt sich skeptisch
Für den Österreicher ist eines klar: Die Leidtragenden der neuen Weltcupstation sind die Athleten selbst. „Ich finde es grundsätzlich super, dass dieser wunderbare Ort Zermatt in den Ski-Weltcup investieren will. Aber wenn man auf dieser Höhe eine Abfahrt plant, die mit einer Länge von 4 Kilometer eine Laufzeit von 2:20 Minuten beinhalten wird, ist das absoluter Schwachsinn“, äußerte er sich gegenüber dem Blick skeptisch.

Er sei um die Gesundheit der Läufer besorgt. Besonders im letzten Drittel des Laufs würden die meisten Verletzungen passieren, weshalb eine Abfahrt mit einer Fahrtzeit von rund 2:20 Minuten nur ein weiteres Risiko sei. Zum Vergleich: Die Lauberhorn-Abfahrt im schweizerischen Wengen dauert rund 2:30 Minuten – liegt aber deutlich tiefer als das geplante Speed-Wunder am Matterhorn.

Ob Dominik Paris und Co. für den neuen Superlativ gewappnet sind? © Christoph Niederkofler / FISI

Während der Start in Wengen auf 2.315 Metern liegt, würde die Starthöhe von fast 4.000 Metern neue Dimensionen im Skisport aufstoßen. Denn der beachtliche Höhenunterschied würde einen großen Einfluss auf die Bedingungen für die Athleten haben. „Die dünne Höhenluft in der Matterhorn-Region wird den Athleten noch mehr zusetzen. Deshalb muss auf dem Streckenplan noch ein Flachstück gestrichen werden, damit die Abfahrt höchstens 1:40 Minuten lang wird“, so Knauss weiter.
Matterhorn auch eine Chance
Die FIS steht bei dieser Entscheidung am Scheideweg. Immer wieder werden kritische Stimmen bezüglich der Nachhaltigkeit des Skisports laut, Felix Neureuther zog erst kürzlich klar dazu Stellung. Gleichzeitig muss sich der Verband aber auch auf die Vermarktung seines Produktes konzentrieren. Wie lange kann der Weltcup bei einem Status Quo finanziert werden?

Mit einem Gletscher-Spektakel am Matterhorn würden jedenfalls neue Anreize geschafft werden. Bislang ist der Alpine Skisport hinsichtlich des Publikumsinteresses verständlicherweise nur auf einige bestimmte Regionen der Welt beschränkt. Ein solches Rennen könnte sich beispielsweise aber auf dem Niveau der Streif in Kitzbühel etablieren und für erhöhte Aufmerksamkeit rund um den Globus sorgen. Das grüne Licht für einen Schritt Richtung Zukunft wurde jedenfalls bereits gegeben. Ob es für die Athleten aber über die gesamte Länge gehen wird, bleibt noch abzuwarten.

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