L Ski Alpin

Thomas Dreßen, 24, aus Mittenwald in Bayern. (Foto: APA)

Thomas Dreßen und sein Weg nach oben

Wenn der Skiweltcup am Wochenende in Garmisch-Partenkirchen gastiert, dann ist für Thomas Dreßen nichts mehr wie es einmal war. Nicht, weil es sein Heimweltcup ist, sondern weil er als amtierender Hahnenkamm-Sieger anreist. Dabei soll er noch nicht einmal am Limit sein. Wird Thomas Dreßen der nächste große Superstar?

Der Skiweltcup in Kitzbühel ist ein anderer, als an jedem anderen Ort der Welt. Bei der Hahnenkamm-Woche geht es um Promis, Glamour, um sehen und gesehen werden. Für die Sportler ist das alles zweitrangig. Sie wollen gewinnen. Am liebsten die Abfahrt, die gefährlichste und schwierigste überhaupt. Jeder der in Kitzbühel gewonnen hat, weiß, dass danach nichts mehr so ist, wie es vorher war. Auch im Leben von Thomas Dreßen hat sich einiges geändert. Von jetzt an geht der Bayer, der mit seiner Freundinin Oberösterreich wohnt,bei jeder Abfahrt als Favorit ins Rennen.


Die Bedeutung der „44“ auf dem Rennhelm

Dabei weiß Thomas Dreßen, dass es im Leben mehr gibt, als nur den Sport. 2005 hat er seinen Vater Dirk verloren, beim Seilbahn-Unglück von Sölden. Seitdem fährt er mit der 44 auf dem Helm, weil das „D“ der vierte Buchstaben im Alphabet ist. Dass sein Sohn irgendwann im Weltcup fährt, das war der große Traum des Vaters. Im Jänner 2015 hatte es Thomas Dreßen geschafft. Bei der Abfahrt in Saalbach stand er zum ersten Mal bei den Großen am Start. Er wurde 39. Drei Jahre später steht Dreßen in Kitzbühel ganz oben – als erster Deutscher seit Sepp Ferstl 1979. Eine Überraschung, ganz klar. Aber kein Zufall.

Im Frühling 2014 übernahm Matthias Berthold als Cheftrainer bei den Deutschen. Er setzte sich zum Ziel, dass die deutschen Skifahrer bei der Olympia in Südkorea um Medaillen mitfahren. Den Technikern um den Felix Neureuther und Fritz Dopfer wurde das zugetraut. Aber den Abfahrern? Niemals. Doch der Österreicher wusste was zu tun war und stellte, zusammen mit Speedtrainer Christian Schwaiger, das Training um.


Mit Hirn fahren, das musste Dreßen erst lernen

Mittlerweile ist klar, dass die Arbeit beim DSV Früchte trägt und die richtigen Entscheidungen getroffen wurden. Im November 2017 stand Dreßen in der Beaver-Creek-Abfahrt, der legendären Birds of Prey, zum ersten Mal auf dem Podest. Eine Woche später der Schock im deutschen Skiteam. Nachwuchstalent Max Burkhart, der aus der selben Gegend wie Dreßen kommt, starb nach einem Trainingsunfall in Lake Louise.

Die Angst vor dem Tod, die musst du ausblenden“, sagte der Kastelruther Peter Fill und Dreßen weiß, dass „Vollspeed die beste Verteidigung ist.“ Dass er auch mit Hirn fahren muss, das hat der 24-jährige Mittenwalder von Schwaiger und Berthold gelernt, die er respektvoll als „beste Trainer der Welt“ bezeichnet. Berthold meinte nach der Kitzbühel-Abfahrt sogar, dass er seine Jungs bewusst nicht auf hundert Prozent polt. Was wie eine Vorsichtsmaßnahme klingt, kann durchaus als Kampfansage verstanden werden. Es wird also spannend, denn künftig mischen auch die Deutschen wieder ordentlich in den schnellen Disziplinen mit.




SN/Christian Staffler

Autor: sportnews

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