L Ski Alpin

Marta Bassino (l.) war eine der Gewinnerinnen der Saison, die vielen Stürze und Verletzungen dagegen ein negativer Aspekt.

Von Vlhova bis zur Männer-Flaute: Die Tops & Flops des Ski-Winters

Die Weltcupsaison 2020/21 im alpinen Skisport ist Geschichte und mit ihr auch eine fünfmonatige Zeitspanne, die so turbulent verlief wie kein anderer Winter je zuvor – und das nicht nur wegen Corona. Die Zahl an Gewinnern und Verlierern am Ende dieser Saison ist riesig. Hier liefern wir unsere Auswahl.


TOP
Petra Vlhova: Die Slowakin gewann als erste ihres Landes den Gesamtweltcup. Vlhova ist eine Allrounderin, wie sie im Buche steht, die 25-Jährige bestritt alle 31 Rennen und kam in Slalom, Riesentorlauf, Parallelbewerb und Super-G auf das Podest, in der Abfahrt verpasste sie dieses als Vierte knapp. Die Kombination stand nur bei der WM auf dem Programm, da wurde sie wie im Slalom Zweite.

Alexis Pinturault: Der Franzose jagte seit fast zehn Jahren dem Traum hinterher, den Gesamtweltcup zu gewinnen. Nach zwei zweiten und drei dritten Rängen war es endlich so weit. Der 30-Jährige eroberte zudem auch die erste kleine Kristallkugel abseits der Kombination, und zwar jene im Riesentorlauf.

Alex Vinatzer: Es war eine Saison mit Höhen und Tiefen für Alex Vinatzer, an deren Ende aber festzuhalten gilt: Der 21 Jahre junge Wolkensteiner ist in der Weltelite angekommen. Mit einem vierten und dritten Platz legte er fulminant los, dann kam im Jänner Sand ins Getriebe (fünf Rennen in Folge ohne Punkte), ehe es ab der WM mit einem vierten Platz wieder aufwärts ging. Ein vierter Platz wurde es auch beim Abschlussrennen am Sonntag. Es war ein glanzvoller Abschluss für Italiens größte Slalomhoffnung.

Alex Vinatzer fuhr in Madonna zum zweiten Mal in seiner Karriere aufs Podium. © ANSA / ANDREA SOLERO


Die Azzurre: Mit Marta Bassino, Federica Brignone und der lange Zeit verletzten Sofia Goggia stehen drei Italienerinnen im Gesamtweltcup in den Top Ten. Zusammen sammelten sie in diesem Winter 16 (!) Podiumsplatzierungen. Während Brignone sich noch deutlich mehr erhofft hatte, dominierten Bassino und Goggia ihre Disziplinen nahezu nach Strich und Faden, beide kürten ihre Saison mit einer kleinen Kristallkugel.

Corona-Konzept: Das Hygiene-Konzept, das für den Auftakt in Sölden konzipiert und anschließend auch bei den anderen Stationen angewandt wurde, erwies sich als sichererer Maßnahmenkatalog. Freilich gab es den einen oder anderen positiven Corona-Fall, insgesamt kamen die Damen- und Herren-Trosse, die großteils auf Speed- und Technik-Blasen aufgeteilt waren, aber gut durch den Winter.

FLOP
Italiens Techniker: Noch nie trauerte Italien den Zeiten der „Valanga Azzurra“ mit Gustav Thöni und Piero Gros oder des schillernden Alberto Tomba so sehr nach, wie im zurückliegenden Winter. Einzig der aufstrebende Alex Vinatzer und WM-Medaillengewinner Luca De Aliprandini sorgen im Slalom bzw. Riesentorlauf für Lichtblicke. Außer dem dritten Platz von Vinatzer in Madonna di Campiglio steht Italien in den technischen Disziplinen nicht ein einziges Podestergebnis zu Buche. Allerdings: Auch in den Speedbewerben schafften es die Azzurri, in Person von Dominik Paris, nur zwei Mal aufs Weltcuppodium.

Die Finalwoche: Grundsätzlich macht es Sinn, dass festgelegt ist, dass in der Finalwoche Rennen bei Absagen nicht im Laufe der Woche neu angesetzt werden. Die Nationalteams oder Gastgeber könnten da je nach noch vorhandener Kugelchancen agieren. Vielleicht sollte man das Konzept trotzdem überdenken: Eine Möglichkeit wäre, dass im Falle, dass die vorher festgelegte Mindestanzahl an Rennen in einer Disziplin nicht erreicht wurde, diese dann den Vorzug bekommt.

In der Lenzerheide machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung. © APA/afp / FABRICE COFFRINI


Speed versus Technik: Die Speed-Fahrer beklagen immer wieder, dass sie ob der Rennkalender keine Chance auf den Gesamtweltcup haben. Bei den Herren gab es heuer 22 Technikrennen, aber nur 13 Speed-Bewerbe. Zwei Abfahrten und ein Super-G wurden abgesagt, es war also schon von vorne herein mit dem Technik-Überhang von 22:16 nicht ausgeglichen – sehr zum Leidwesen von Paris und Co.

Verletzungen: Auch in dieser Saison gab es zahlreiche schwere Verletzungen, unter anderem erwischte es mit Aleksander Aamodt Kilde den Gesamtsieger der Vorsaison. Freilich sind die meisten Ausfälle individuell zu betrachten, trotzdem erkennen Experten ein Muster, wonach das immer aggressivere Material im Zusammenspiel mit der Kurssetzung bei der Vielzahl von schweren Knieblessuren eine wesentliche Rolle spielt. Hier könnte die FIS ansetzen, ebenso bei einer Entschlackung des Rennkalenders für mehr Verschnaufpausen.

Stimmung: Der Wermutstropfen der guten Corona-Schutzkonzepte war die notwendige Absenz von Zuschauern vor Ort – von ein paar Ehrengästen abgesehen. Den Skisport zeichnet die Nähe zu den Fans aus, gerade im Zielraum können die Anhänger mit ihren Idolen normalerweise auf Tuchfühlung gehen. Die fehlende Stimmung – speziell in den Traditionsrennen – war für viele auch vor dem Fernseher gewöhnungsbedürftig.

Autor: fop/apa

Empfehlungen

Kommentare (0)

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen..

© 2021 Sportnews - IT00853870210