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Daniele Bagozza hat einen steinigen Weg hinter sich. © Instagram

Daniele Bagozza: Vom Nachtportier zum Weltcupsieger

Eine große Sportlerkarriere ist geprägt von Höhen und Tiefen, von großen Siegen und bitteren Niederlagen, von Tagen, an denen alles wie geschmiert läuft und von Momenten, in denen man einfach nur das Handtuch werfen will. Snowboard-Ass Daniele Bagozza hat all dies am eigenen Leib erlebt – und uns seine bemerkenswerte Geschichte erzählt.

Drei Weltcup-Podestplätze, zwei Siege, jede Menge Platzierungen in den Top 10 – und das im jungen Snowboard-Alter von 25 Jahren. Ganz klar, wenn man von Daniele Bagozza spricht, muss man das Wort Weltklasse in den Mund nehmen. Umso beeindruckender sind diese Zahlen, wenn man weiß, welche Hürden der Mann aus St. Ulrich in seiner Karriere nehmen musste.

Jobs finanzierten Karriere
Weil es die Snowboarder im Vergleich zu den Skifahrern deutlich schwerer haben, in eine Sportgruppe aufgenommen zu werden, war Bagozza bis zu seinem 24. Lebensjahr auf sich alleine gestellt: Konkret heißt dies, dass er weder Trainingsvergleiche ziehen konnte, noch finanziell unterstützt wurde. Einzig private Sponsoren griffen Bagozza unter die Arme. „An einen Urlaub war zu jener Zeit nicht zu denken“, sagt er: „Sowohl in finanzieller als auch in trainingsspezifischer Hinsicht war das nicht drin.“ Doch auch das Geld der Sponsoren konnte nicht alle Kosten decken. Deshalb habe er zunächst als Hausmeister und später als Nachtportier gearbeitet, um sich über Wasser zu halten.

Auch über das Karriereende habe der Südtiroler ernsthaft nachgedacht: „Ich habe immer gesagt: Sollte ich es mit 25 nicht in eine Sportgruppe schaffen, muss ich mir was anderes suchen“, behauptet Bagozza, der mit einer imposanten Saison 2018/19 schließlich den lang ersehnten Sprung schaffte: Nach einem Weltcupsieg und einem Podest nahm die Polizeisportgruppe ihn im vergangenen August endlich auf. „Eine Punktlandung, viel länger hätte es nicht dauern dürfen“, scherzt er. Dabei hatte Bagozza mit dem Gewinn der Europacup-Gesamtwertung bereits 2017 sein Können angedeutet. „Als Snowboarder hat man es aber einfach deutlich schwerer.“

Südtirols aufstrebendes Snowboard-Ass: Daniele Bagozza © Pentaphoto

Diese Zeiten gehören nun der Vergangenheit an: Aus jener Mannschaft, die überlegen die Nationenwertung gewonnen hat, ist Bagozza nicht mehr wegzudenken. Das hat er im abgelaufenen Winter mit einem weiteren Weltcupsieg eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Aber er bleibt mit den Füßen auf dem Boden, schraubt seine Erwartungen im Hinblick auf die nächste Saison nicht zu stark nach oben: „Befreit und ohne Druck fahren ist mein Ziel. Denn nur so kann ich mein ganzes Potenzial ausschöpfen“.

Ein Datum hat sich Bagozza aber dick angestrichen. „Es wäre fantastisch, wenn ich bei der Weltmeisterschaft in Secret Garden (China) dabei sein könnte.“ Verständlich, hat Bagozza doch an jenem Ort seinen ersten Weltcupsieg gefeiert. Aber auch wenn er seinen Teamkollegen den Vortritt lassen müsste (jedes Land darf nur vier Athleten pro Disziplin stellen), würde für ihn nicht die Welt untergehen. „Ich bin noch jung. Roland Fischnaller zeigt, dass ich noch viel Zeit habe, um mich zu entwickeln.“ Zunächst muss sich Bagozza aber gedulden. Wegen einer Verletzung kehrt er erst im September auf Schnee zurück.

Mit Nadya Ochner kletterte Daniele Bagozza in Piancavallo aufs Podest. © Pentaphoto

Eines steht jedenfalls fest: Daniele Bagozza hat gezeigt, dass es trotz aller Widrigkeiten möglich ist, bis in die Weltspitze vorzudringen. Und damit ist er ein Vorbild für all die Jugendlichen, deren Traum es ebenfalls ist, irgendwann von dem Sport zu leben, den man liebt.

Autor: leo

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