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Die Jung-Formel für den perfekten Trailrunner - INTERVIEW

Daniel Jung siegte beim Südtiroler UltraSkyrace 2016 (Foto: Wisthaler)

Daniel Jung siegte beim Südtiroler UltraSkyrace 2016 (Foto: Wisthaler)

20. Juni 2017, 15:24 Extremsport

Daniel Jung beim Transvulcania auf La Palma (Foto: FB)

Jung beim Transvulcania auf La Palma

74-km-Ultra-Trail in Hong Kong (Foto: FB)

74-km-Ultra-Trail in Hong Kong

X-Trail in China auf über 5000 Metern (Foto: FB)

X-Trail in China auf über 5000 Metern (Fotos: FB)

Der 33-jährige Daniel Jung aus Latsch gilt zurzeit als Italiens Nummer eins im Trailrunning. Im vergangenen Jahr gewann er unter anderem den "Cortina Skyrace" und den "Südtirol UltraSkyrace". SportNews hat den Ausnahmeathleten nach seinem Geheimrezept gefragt.

Daniel Jung, wie bist du zum Trailrunning gekommen?

Ich habe mit 6 Jahren, wie fast so jeder Junge, mit dem Fußballspielen angefangen und war bis zu meinem 21. Lebensjahr aktiv. Irgendwann kam aber der Moment, an dem ich eine Einzelsportart ausprobieren wollte. Ich wollte einfach mal meine eigenen körperlichen Grenzen erfahren und meine Limits erreichen. Somit habe ich mit dem Mountainbiken angefangen. Nach acht wunderschönen und erfolgreichen Jahren, wollte ich wieder etwas Neues ausprobieren und so schnürte ich mir eines Tages die Laufschuhe zu und begann mit dem Laufen. Nun betriebe ich Trailrunning seit drei Jahren und ich muss sagen, dass ich es einfach nur liebe! Trailrunning bedeutet für mich Freiheit pur und unbegrenzte Möglichkeiten.


Welche Fähigkeiten braucht es beim Trailrunning besonders?

Als Trailrunner sollte man sehr vielseitig sein und eine starke Beinmuskulatur besitzen, dabei kommt mir sicher das jahrelange Biken sehr zugute. Ich finde, dass ein guter Trailrunner auch das Auge und Gespür für die richtige Wahl der Lauflinie haben muss. Er sollte außerdem bergauf, bergab und flach überall gleich gut sein, denn im Vergleich zu einem Marathonlauf, der ja nur flach verläuft, gibt es beim Trailrunning Auf- und Abstiege, sowie auch Flachpassagen. Im Ultra-Lauf ist schließlich die mentale Stärke ausschlaggebend, denn nur dadurch kann man so lange Distanzen erfolgreich meistern. Im Ausdauersport muss man generell auf die Signale des Körpers achten und dafür kann man auch ein gutes Gespür mit der Zeit entwickeln.


Wie wichtig ist der mentale Aspekt?

Das mentale Training ist mit dem eigentlichen Training und der Erholung gleichzustellen. Ohne dem geht beim Ultra-Lauf gar nichts, daran sollte man viel Arbeiten und sich auch dementsprechend auf die bevorstehenden Herausforderungen individuell vorbereiten. Ich finde, Yoga eignet sich hierfür ganz besonders.


Wie sieht deine klassische Trainingswoche aus und wie die Wettkampfwoche?

Eine klassische Trainingswoche besteht bei mir meistens aus drei Laufeinheiten: Eine Einheit zu etwa 4 bis 8 Stunden, eine Einheit zwischen 2 und 4 Stunden und eine kürzere Einheit zu 1 bis 2 Stunden. Je nach Länge und Dauer wird auch dementsprechend das Tempo angepasst. Als Faustregel gilt dabei: Kurze Einheit und schnelles Tempo bzw. lange Einheit mit gemäßigtem Tempo. In einer Trainingswoche baue ich immer 2 komplette Ruhetage ein und am Wochenende gehe ich immer mit meiner Freundin und meinen Freunden in die Berge zum Wandern oder Biken. Diese geselligen Tage geben mir besonders viel Kraft und damit finde ich auch eine bestimmte Ausgeglichenheit. In der Woche vor dem Wettkampf mache ich nur mehr 1 bis 2 kurze Laufeinheiten von etwa einer halben Stunde. Da heißt es wirklich nur mehr den Körper ruhen lassen und sich gut für das bevorstehende Vorhaben vorbereiten.


Wie ernährst du dich vor, während und nach einem Lauf?

Vor einem Wettkampf achte ich darauf, dass ich wirklich nur mehr sehr gesundes und nahrhaftes Essen zu mir nehme. Vor allem bei Kohlenhydraten ist das der Fall. Kurz vor dem Start esse ich dann nur mehr sehr leichte  Sachen, damit der Magen alles schnell verdauen kann und mir somit die volle Energie beim Wettkampf zur Verfügung steht. Während dem Lauf wechsle ich ziemlich viel und esse meistens wirklich nach Lust und Laune - mal Riegel, mal ein Brot, Schokolade, Obst, Chips, Gummibärchen oder ähnliches. Je länger der Lauf, umso wichtiger ist natürlich die Einnahme von verschiedenen Elektrolyten, Salzen und speziellen Nahrungsergänzungen, die für eine lange anhaltende Leistung unterstützend wirken. Nach dem Lauf wird mal ein guter Erholungs-Shake getrunken, indem dem Körper wirklich viele wertvolle Bausteine und Spurenelemente zugeführt werden, um die Erholung gleich anzukurbeln. Nach diesem Shake wird dann ganz nach Belieben alles Mögliche hinein geschoben.


Wie wichtig ist die Regenerationszeit und welche Tipps hast du dafür?

Regeneration ist für mich gleich wichtig wie das eigentliche Training. Diesen Aspekt sollte jeder Sportler und besonders die Ausdauersportler sehr ernst nehmen, denn nur dadurch kann man dem eigenen Körper nach all den Trainingsstunden und Wettkämpfen die volle Leistungsfähigkeit wieder zurückgeben. Ich gehe zur Regeneration sehr gerne in die Sauna und ins Schwimmbad. Zwischendurch setze ich mich auch wieder mal locker aufs Bike. Sehr wichtig finde ich regelmäßige Massagen.


Trainierst du nur mit den Laufschuhen oder wechselst du auch mal Sportart?

Neben meinen Laufeinheiten gehe ich sehr viel wandern und immer wieder steige ich aufs Mountainbike. Ich glaube, dass im Moment genau diese Kombination meinen Erfolg ausmacht. Außerdem halte ich meinen Körper mit Pilates und Freikörperübungen zu Hause fit und bereite ihn für die Belastungen vor.


Welche Bedeutung hat das Trockentraining? Welche Körperpartien müssen besonders trainiert werden?

Das Trockentraining ist sehr wichtig für einen Trailrunner. Damit bereitet man sich nicht nur für die harten Wettkämpfe vor, sondern vermindert auch die Verletzungsanfälligkeit und man erholt sich auch schneller nach einer eventuellen Verletzung. Ich bevorzuge ein Ganzkörpertraining und versuche damit einen rundum starken Körper zu haben. Die Rumpfmuskulatur ist sicher eine der wichtigsten Körperpartien, die regelmäßig trainiert werden muss.


Welchen Ratschlag würdest du einem Anfänger geben, der mit dem Trailrunning beginnen möchte?

Starte mit gemütlichen Läufen im flachen Gelände und kombiniere das Laufen mit dem Radfahren, denn dadurch wird die Beinmuskulatur optimal für das Trailrunning gestärkt. Trainiere erst im steilen Gelände sobald du eine angemessene Muskulatur aufgebaut hast und mache alles Schritt für Schritt. Dein Körper muss sich immer wieder an die neuen Belastungen gewöhnen. Beschäftige dich auch sehr viel mit Stabilisations- und Gleichgewichtsübungen, damit deine Sehnen und Muskeln schonend auf die großen Belastungen vorbereitet werden.


Was sollte als Ausrüstung nie fehlen?

Das sind mehrere Dinge: Ich habe immer ein Handy, Geld, Essen und Trinken dabei. Sobald es aber ins Gebirge geht, sind bei mir zudem immer noch eine Regenjacke, eine Mütze und Handschuhe ganz oben auf der Liste.



 Interview: SN/Alex Facchini

Alter: 175 Tag(e)

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