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Die Kletter-Wettbewerbe sorgten für Spannung, aber auch für Kritik. © APA/afp / STR

Kletter-Modus erntet Kritik: „Ein brutales Gewurschtel“

Die olympische Premiere des Sportkletterns ist in seinem ersten Finale am Donnerstag in Tokio nicht nur im Zeichen der Medaillengewinner gestanden, sondern auch das Format selbst war im Mittelpunkt.

Im Modus der Kombination erwies es sich nach mehr als vierstündiger Wettkampfdauer erneut als bis zum Schluss kaum vorhersehbar, wer welche Medaillenfarbe erhält. Neben dieser Spannung wurde aber auch vereinzelt Kritik laut. Die bezog sich primär auf das Nichtnachbesetzen des verwaisten Finalplatzes von Bassa Mawem, nachdem der Franzose wegen einer Verletzung nicht antreten konnte.


Dadurch hatte mit dem Tschechen Adam Ondra der schwächste Speed-Kletterer im Finalfeld ein Erstrunden-Freilos und so einen leicht erarbeiteten Punktevorteil. „Die fairste Entscheidung wäre gewesen, dass der schnellste Athlet den Freilauf erhält, nicht der langsamste“, sagte der als Athletenvertreter fungierende Jakob Schubert, der zugleich auch der Trainingspartner von Michael Piccolruaz ist.

Unfaires Prozedere
Unter den Aktiven sei klar gewesen, dass dieses Prozedere nicht mega-fair sei. „Man muss dem internationalen Verband vorwerfen, dass man auf die Situation nicht perfekt vorbereitet war. Sie haben eineinhalb Tage gebraucht, um zu entscheiden“, sagte Schubert. Denn Mawem hatte sich schon zwei Tage davor in der Qualifikation verletzt. „Es hat in den Speed-Bewerb ein brutales Gewurschtel reingebracht“, sagt Schubert. Im Speed siegte Alberto Gines Lopez, es war der Grundstein für Gold.

Die Medaillengewinner bei den Herren: Nathaniel Coleman, Alberto Gines Lopez und Jakob Schubert. © ANSA / Dimitris Tosidis


Mit erst 18 Jahren ist er der jüngste spanische Goldmedaillengewinner in der Olympia-Geschichte. „Alberto war im Bouldern und Lead nicht bei den Besten. Aber im Speed hat ihm alles reingespielt und jetzt ist er Olympiasieger“, merkte Schubert an. „Ich bin megahappy für ihn, er ist ein cooler Typ.“ Und mit einem Augenzwinkern: „Er hat ja noch Spiele vor sich. Er hätte den alten Eisen die Goldene überlassen können. Aber das wollte er nicht, das verstehe ich auch.“

Auf den Bouldern hatte der Iberer wie alle anderen seine Schwierigkeiten, nur der letztlich zweitplatzierte Nathaniel Coleman erreichte am zweiten Boulder ein Top. Am dritten gelang das niemand, am ersten bis auf den Sieger Gines Lopes hingegen allen. Um ein solches Szenario künftig zu verhindern, werden bei den nächsten Sommerspielen zwei Medaillensätze vergeben – in der Kombination aus Bouldern und Lead sowie im Speed. Das soll die Fairness erhöhen – und die Kritiker verstummen lassen.

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Kommentare (1)

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Hermann Zanier [melden]

Wenn man einem Affen eine Banane hinhängt gewinnt er sicher. Das hat mit Klettern am Berg nichts zu tun

06.08.2021 19:07

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