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Viel Wirbel um den Parallelbewerb. © APA/afp / FABRICE COFFRINI

Parallelbewerb als Faschingsscherz? FIS in Erklärungsnot

Zwei unterschiedlich schnelle Kurse, ein wohl unfaires Zeitpenalty-System, zudem eine unkundige Jury – der Ski-Weltverband FIS sieht sich nach der WM-Premiere des Parallelbewerbs am Faschingsdienstag in Cortina d'Ampezzo mit bitterböser Kritik konfrontiert.

„Es ist leider so passiert“, sagte Damen-Renndirektor Peter Gerdol. Und sein Herren-Pendant Markus Waldner gestand: „Es war nicht fair. Wir sind nicht glücklich.“ Die Aufnahme ins WM-Programm wird hinterfragt werden.


Weil der rote Kurs auf der Rumerlo-Piste am Dienstag deutlich schnellere Zeiten ermöglichte als der blaue, waren Athleten, die zunächst auf dem roten fahren mussten, schwer benachteiligt. Denn der Maximalvorsprung ist mit 50 Zehntelsekunden festgesetzt, auch wenn jemand über eine Sekunde schneller war. Da die Kurse so unterschiedlich waren, reichte diese Strafzeit als Vorsprung im zweiten Lauf nicht aus. „Ich bin wirklich verärgert. Das ist nicht fair“, tobte die Italienerin Federica Brignone, die sich im Viertelfinale ihrer Landsfrau und späteren Co-Weltmeisterin Marta Bassino geschlagen geben musste.

Warme Temperaturen sorgten für Probleme
Waldner erklärte die Unterschiede im Terrain mit dem wieder wärmer werdenden Wetter in der Region. Der blaue Kurs habe den hohen Temperaturen bei drei Toren nicht standhalten können, obwohl man den Untergrund in den Tagen zuvor vorausblickend vereist hatte. „Dann war keine Chance mehr“, sagte der Brixner. Wenn man während dem Rennen hätte eingriffen wollen, hätte man Tore erheblich versetzen müssen, und dann wäre der rote Kurs auf einmal der langsamere gewesen, erläuterte er.

Markus Waldner, FIS-Renndirektor der Herren. © AFP / FABRICE COFFRINI


„Wir haben gesehen, wenn der Kurs so sehr leidet, ist die 0,5-Sekunden-Penalty nicht wirksam. Das wäre ja die Strategie für so einen Fall gewesen. Also lernen wir jedes Mal dazu, wenn wir einen Parallelbewerb haben. Wir haben das Format geändert, zwei Läufe eingeführt und haben gedacht, dieses Format ist fair. Aber es ist noch immer nicht fair“, zeigte sich Waldner zerknirscht. „Wir müssen an den Regeln arbeiten und evaluieren, wie wir mit diesem Event weitermachen wollen.“ Von „Geburtswehen“ sprach ÖSV-Damenchef Christian Mitter.
Wirrwarr um die Medaillen
Bleibt die Konfusion um das Damen-Resultat. Warum Bassino Gold und Katharina Liensberger nur Silber haben sollte, obwohl die beiden zeitgleich über den Zielstrich gerauscht waren, wollte niemand einleuchten. Laut Gerdol war es eine „Falschinterpretation der Regeln“. Er erklärte, dass der Fehler bei der Zeitnehmung und der Grafik lag. Der Computer sei noch auf Achtelfinal- und Viertelfinal-Modus programmiert gewesen und wies so diejenige mit der besseren zweiten Laufzeit als Siegerin aus.

Das wäre eklatant unfair gewesen, da Liensberger über beide Läufe gerechnet die Schnellere war. Der ÖSV intervenierte und legte der FIS-Jury den maßgeblichen Punkt 5 der Weltcup-Regeln für den Parallelbewerb vor, die auch bei Weltmeisterschaften zur Anwendung kommen. Dieser besagt, dass die Laufzeit-Regelung im kleinen Finale und Finale außer Kraft ist und Ex-aequo-Platzierungen möglich sind. Gerdol: „WM geht ja nach Weltcup-Regeln.“ Die Vorarlbergerin durfte ergo als Weltmeisterin gemeinsam mit Bassino das oberste Treppchen besteigen.

Autor: apa/det

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