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Tania Cagnotto (vorne) und Francesca Dallapè haben nach ihren Babypausen Olympia als Ziel. © DLife / Groppo

1 Jahr vor Olympia in Tokio – welche Südtiroler dürfen träumen?

Am 24. Juli 2020 – in genau einem Jahr – werden die Olympischen Sommerspiele in der japanischen Hauptstadt Tokio eröffnet. Und bei der Feier im Olympiastadion werden wohl auch wieder einige Sportlerinnen und Sportler aus Südtirol dabei sein. SportNews wagt einen Ausblick, wer das sein könnte und erklärt die Qualifikationskriterien.

Vor 3 Jahren waren 7 Athleten aus Südtirol bei den Olympischen Spielen von Rio 2016 am Start: Die Wasserspringer Tania Cagnotto und Maicol Verzotto , die Tennisspieler Karin Knapp und Andreas Seppi , die Mountainbikerin Eva Lechner , die Sportschützin Petra Zublasing und Volleyballer Simone Giannelli . Eigentlich wären sogar 8 qualifiziert gewesen, aber der Geher Alex Schwazer wurde ja bekanntlich kurz vor den Spielen gesperrt.

Von diesen 8 Athleten streben die meisten einen weiteren Olympiastart auch in Japan an, zusätzlich zu anderen aufstrebenden Sportlern. Anders als vor Rio 2016, als Cagnotto und Zublasing sehr früh den Olympiastartplatz fixiert hatten, ist diesmal noch niemand fix qualifiziert. In den nächsten Wochen und Monaten dürfte sich das aber ändern. SportNews gibt einen Überblick über die Qualifikationschancen und –Kriterien, Sportart für Sportart in alphabetischer Reihenfolge.

BADMINTON
Für die beiden blutjungen Boznerinnen Yasmine Hamza (15) und Katharina Fink (16), die beide schon Italienmeistertitel gewinnen konnten, kommt Olympia 2020 wohl noch ein bisschen früh. Entscheidend wird aber die Weltrangliste vom 30. April 2020 sein, die über die Vergabe der rund 40 Startplätze entscheidet. Für die Malser Kevin Strobl und Lukas Osele , die vor allem als Doppel stark sind, gilt Ähnliches.
BASKETBALL
Mannschaftssportler haben eine Hürde mehr zu überwinden: Zusätzlich zur Olympiaqualifikation des Nationalteams muss der/die Athlet/-in natürlich auch erst ins Olympiateam einberufen werden. Das trifft auch auf den Bozner Alessandro Lever und die Buchholzerin Kathrin Ress zu. Lever hat alle Nachwuchs-Nationalteams durchlaufen und war 2018 bei der U20-EM, in den A-Kader wurde er noch nicht einberufen. Ress musste verletzungsbedingt zuletzt auf die EM 2019 verzichten. Während Italiens Männer Anfang September 2019 bei der WM in China ihr Olympiaticket fixieren könnten oder Monate später beim Olympiaqualifikationsturnier, haben die Frauen nur letztere Chance.
KANUSLALOM
Für die Meraner Kanuten Jakob und Matthias Weger sowie Jakob Luther wird die Olympiaqualifikation ein schwieriges Unterfangen, schon allein wegen der Begrenzung auf maximal 2 Athleten pro Land. Da in Italien derzeit die interne Konkurrenz sehr groß ist, könnte Matthias Weger leicht im Vorteil sehr, der ja für Österreich startet. Ein wichtiger Termin für die Qualifikationsträume ist die WM Ende September 2019 in Spanien.

Matthias Weger hat die Olympischen Spiele im Visier.

LEICHTATHLETIK
Besonders schwierig sind die Olympiaprognosen bei den Leichtathleten: erstens weil einige Südtiroler Spitzensportler derzeit verletzt sind und zweitens weil in diesem Sport ohnehin erst die Weltrangliste von Ende Juni 2020 bzw. die bis dort erreichten Limits zählen. Mit Stand heute haben am ehesten Diskuswurf-Routinier Hannes Kirchler aus Meran, die Pusterer Hürdenläuferinnen Valentina Cavalleri und Caren Agreiter sowie die 400-Meter-Läuferin Petra Nardelli aus Eggen Mini-Chancen auf Olympia.
RADSPORT/MOUNTAINBIKE
Völlig unterschiedlich sind derzeit die Olympiachancen von Südtirols seit Jahren besten Mountainbikern einzuschätzen. Während Gerhard Kerschbaumer aus Verdings nach dem jüngsten 2. Platz im Weltcup das Olympiaticket wohl fast schon sicher hat, muss die Eppanerin Eva Lechner ernsthaft darum bangen. Nach jahrelanger Dominanz musste sie sich am vergangenen Wochenende bei der Italienmeisterschaft der aufstrebenden Marina Berta beugen. Auch international hat sie seit 2, 3 Jahren Mühe, im Spitzenfeld mitzuhalten. Sehr wichtig wird die WM Ende August/Anfang September sein.

Gerhard Kerschbaumer zählt zu Südtirols Olympia-Medaillenhoffnungen. © Michele Mondini

RADSPORT/RENNRAD
Die 20-jährige Boznerin Elena Pirrone hat 2017 mit gleich 2 Junioren-Weltmeistertiteln für Schlagzeilen gesorgt. Das Zeitfahren und das Straßenrennen könnten auch bei Olympia ein Thema für sie sein, die Bahnrennen etwas weniger. Ein wichtiger Wegweiser wird Anfang August die U23-EM in Alkmaar (Niederlande) sein. Im September folgt das WM-Straßenrennen in England. Allerdings werden wohl auch hier erst die ersten Wettbewerbe 2020 entscheidend sein.
SCHIESSEN
Die Eppanerin Petra Zublasing hat heuer noch nicht das Topniveau vergangener Jahre erreicht und hat somit anders als vor Rio 2016 das Olympiaticket noch nicht fixiert. Aber es gibt noch mehrere Möglichkeiten, nicht zuletzt auch weil die Eppaner Sportschützin mit dem Dreistellungskampf und dem 10-m-Luftgewehr-Schießen 2 Disziplinen als Chancen hat. Die nächsten Termine sind der Weltcup in Rio Ende August sowie die EM in Bologna Mitte September, wo pro Disziplin wieder je 2 Olympia-Startplätze vergeben werden.
SCHWIMMEN
An diesem Freitag, 26. Juli, gibt es bei der Schwimm-WM in Gwangju ein besonders wichtiges Rennen für den Bozner Stefano Ballo : Sollte er mit Italiens 4x200-Meter-Freistilstaffel unter die besten 12 Staffeln der Welt kommen, wäre das Olympiaticket für die Azzurri im Trockenen. Ob dann Stefano Ballo auch dabei sein wird, hängt von seinen Leistungen 2020 ab. Sollten die Azzurri die Top 12 verpassen, gäbe es noch die Chance, im Frühjahr 2020 einen von 4 Restplätzen zu ergattern. Die Brixnerin Laura Letrari musste zwar auf die WM 2019 verzichten, will es aber dank guter Leistungen bis zur Frist 29. Juni 2020 vor allem für die Freistil-Staffeln nochmals versuchen.

Schwimm-Talent Stefano Ballo.

SPORTKLETTERN
Beim Olympiadebüt dieser Sportart könnten auch Südtiroler dabei sein. Die Brixnerin Andrea Ebner, die Grödner Michael Piccolruaz und Filip Schenk sowie Stefan Scarperi aus St. Pauls zählen in Italien zu den besten Sportkletterern. Eine wichtige Etappe in Richtung Olympia ist die Weltmeisterschaft 2019, die Mitte August wie die nächsten Sommerspiele in Tokio stattfinden wird.
TENNIS
Eine außergewöhnliche Situation bietet derzeit Südtirols Tennisszene: Zum einen zählt Andreas Seppi zu den besten Über-34-jährigen der Welt und zum anderen ist Jannik Sinner der beste U18-Spieler. Seppi hat sicher Chancen, auch in Tokio am Start zu sein, allerdings müsste er ein bisschen zulegen: Bei Olympia werden die besten 56 Athleten der bereinigten Weltrangliste vom 8. Juni 2020 dabei sein; bereinigt bedeutet in diesem Fall, dass es maximal 4 Sportler pro Land sein dürfen. Seppi ist derzeit die Nummer 76 und hat 14 überzählige Spieler vor sich. Es fehlen also nicht viele Schritte nach oben, aber einer davon ist besonders wichtig: Seppi ist derzeit nur der 5. Azzurro und müsste somit innerhalb Mai noch jemanden überholen. Für Sinner kommt Olympia wohl noch zu früh.

Andreas Seppi hat Olymipa-Chancen. © APA/afp / FRISO GENTSCH

TISCHTENNIS
Sehr schwierig, aber nicht von vornherein unmöglich ist die Olympiateilnahme für die 3 Bozner Tischtennisspieler Debora Vivarelli , Giorgia Piccolin und Jordi Piccolin . Alle 3 zählen zu den Besten Italiens, müssen aber bei eigenen Olympia-Qualifikationsturnieren ihr Können beweisen und auch die Weltrangliste vom 1. Jänner 2020 ist ein wichtiger Gradmesser.
TRIATHLON
Gute Karten hat derzeit die Brixnerin Verena Steinhauser : Für den Einzelbewerb qualifizieren sich die Top 26 des entsprechenden Olympia-Quali-Rankings (zusätzlich zu speziellen Kontinentalvertretern). Steinhauser ist derzeit die Nummer 21 und zugleich auch beste Azzurra. Das ist wichtig, weil Italien zumindest derzeit im Einzel nur ein Startplatz zusteht. Wesentlich schwieriger wird’s für den Innichner Matthias Steinwandter : Er ist derzeit der 169. im Ranking und „nur“ 6. Azzurro. Mini-Chancen gibt es auch für Italiens Mixed-Staffel, dafür braucht sie aber noch ein paar gute Ergebnisse, um am Stichtag 31. März 2020 einen der 10 Startplätze zu ergattern.
VOLLEYBALL
Hier gilt Ähnliches wie beim Basketball: Zunächst muss die Qualifikation von Italiens Team fixiert werden, und dann muss der oder die Südtiroler/in in den Olympiakader berufen werden. Dass der Bozner Simone Giannelli fix im Team wäre, gilt als sicher. Bei einem Olympiaqualifikationsturnier vom 9. bis 11. August geht es um 6 Startplätze, 2 weitere werden im Jänner 2020 ausgespielt. Bei den Frauen sieht’s sehr ähnlich aus: 6 Plätze werden zwischen 1. und 4. August und 2 weitere im Jänner ausgespielt. Die Missianerin Raphaela Folie zählt sicher zu den Anwärterinnen auf einen Platz im Kader.

Simone Giannelli wäre im Olympia-Team Italiens gesetzt. © ANSA / Riccardo Antimiani

WASSERSPRINGEN
Das wohl schönste Märchen wäre, wenn die beiden Mamis Tania Cagnotto und Francesca Dallapé nach Babypause und Comeback noch einmal zu Olympia dürften nach ihrer Silbermedaille 2016 in Rio im Synchronspringen vom 3-Meter-Brett. Hierfür müssten sie aber zunächst interne Konkurrenz bezwingen, und zwar die Europameisterinnen Elena Bertacchi/Chiara Pellacani. Ab Dezember 2019 wird es eine interne Quali geben für die Olympia-Generalprobe im April 2020, bei der es um 4 Startplätze bei Olympia geht. Diese Generalprobe in Tokio hat auch der Bozner Maicol Verzotto im Visier, um sich vielleicht dort jenes Olympiaticket vor allem im Synchronspringen zu sichern, das er bei der jüngsten WM in Gwangju noch verpasst hat.
Rekordmarke 10 Südtiroler Olympiastarter
Man darf gespannt sein, wieviele Südtiroler Sportler sich über einen Olympiastart im „Land des Lächelns“ freuen werden dürfen. Die bislang größte Südtiroler Delegation bei Sommer-Olympia hatte es 2008 in Peking gegeben, als 10 Südtiroler am Start waren. Dass diesmal der Austragungsort wieder in Asien ist, kann ja ein gutes Omen sein. Wie auch die Tatsache, dass es 2008 die letzte olympische Goldene für einen Südtiroler gegeben hatte, und zwar für den Geher Alex Schwazer.

Allerdings war auch Rio 2016 etwas Besonderes, denn noch nie zuvor hatten Südtiroler Sportler bei Sommerolympia 3 Medaillen gewonnen: In Brasilien holte Tania Cagnotto neben Silber im Synchronspringen auch Bronze im Einzel vom 3-Meter-Brett, während Simone Giannelli mit Italiens Volleyballern Silber gewann.

Autor: ds

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