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Die Frauen von Bayern München sorgen in der Champions League für Furore. © SID / ALVARO BARRIENTOS

Sigi`s Spitzen: Mehr Aufmerksamkeit für Frauensport

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute geht es unter anderem um den Frauenfußball, der in der Berichterstattung vernachlässigt wird.

Sigi Heinrich

Es ist ja dann schon hochanständig gewesen, dass sich die Führung des FC Bayern München (alles Männer natürlich) auf dem Gelände des Bayern-Campus blicken ließ. Immerhin konnten sich die Herren dadurch in Champions-League-Laune versetzen lassen, was mit der Männerabteilung in diesem Jahr nicht so gut funktioniert hat. Die Frauen des FC Bayern spielten nämlich das Halbfinale gegen den FC Chelsea. Sie gewannen 2:1 und haben mithin weiterhin die Möglichkeit, das Endspiel zu erreichen. Nächste Woche müssen sie in London zum Rückspiel antreten. Noch im Wettbewerb sind weitere große Vereine. Paris St. Germain und der FC Barcelona, die sich übrigens im ersten Match unentschieden (1:1) trennten.


Das Spiel der Bayern-Frauen fand nicht in der Allianz-Arena statt, die sich aber immerhin nicht weit entfernt vom Bayern-Campus befindet. Da aber sowieso keine Zuschauer zugelassen sind, war das kein Problem. Und Hand aufs Herz: Wären 40.000 Zuschauer oder gar mehr zu diesem Halbfinale gekommen, Champions-League immerhin? Die Antwort ist nicht frauenfeindlich, sondern realistisch. Nicht einmal die Plätze auf dem Bayern-Campus wären gefüllt worden. Woran das liegt, wird mancher fragen, denn das Spiel gegen die Engländerinnen, in deren Reihen immerhin die deutsche Nationaltorhüterin Ann-Katrin Berger stand, war eine feine taktische Meisterleistung des Münchner Teams und beste Fußball-Unterhaltung.

Männlich geprägte Berichterstattung
Doch noch immer fehlt den Frauen im Sport die längst fällige Gleichstellung mit den Männern, was im Übrigen auch mit der Berichterstattung in den Medien zu tun hat. Vorberichterstattung Fehlanzeige. Die Reaktion hinterher: Dürftig. Ich habe so viele Zeitungen wie möglich durchgeblättert und festgestellt, dass noch immer mehr über den möglichen Abstieg von Augsburg und Bremen berichtet wird, als über die tolle Leistung der Frauen des FC Bayern in einem der wichtigsten Spiele in ihrer Geschichte. Und natürlich überlagert der mögliche Trainerwechsel von Julian Nagelsmann von RB Leipzig zum FC Bayern alle anderen Themen. Und es ist auch die Art der Berichterstattung über den Frauensport, die nach wie vor männlich geprägt ist, die eine höhere Aufmerksamkeit verhindert. Eine Untersuchung der Sporthochschule in Köln hat das klar nachgewiesen und es ist auch an einem Beispiel schön auszumachen.

In den Medien wird mehr über den Bundesliga-Abstiegskampf der Herren (hier im Bild Bremen-Trainer Florian Kohfeldt) als über die die tolle Leistung der Frauen des FC Bayern in der Champions League berichtet. © APA/afp / ANDREAS GORA


Ein Beispiel, das ich jetzt erfinde. Überschrift über das Comeback einer Sportlerin: „Mama schafft sie alle“. Würde das einen Mann betreffen, es würde niemand auf die Idee kommen zu schreiben: „Papa schafft sie alle.“ So ist sie, die Blickweise der nach wie vor auch vor allem von Männern dominierten Sportredaktionen. Dass jetzt vermehrt Moderatorinnen in den TV-Stationen eingesetzt werden, ist schön, verändert aber nicht von heute auf morgen die vorhandene Grundeinstellung und vor allem auch nicht die Intensität der Berichterstattung. Ein Drittligakick scheint immer noch wichtiger zu sein, als die Bundesliga der Frauen.
Frauen holen auf
Die Grundproblematik hat auch damit zu tun, dass der Sport in seinen Anfängen fast nur von Männern geprägt wurde. Frauen an den Herd und zu den Kindern. Sie mussten sich ihre Wettkampfteilnahmen erkämpfen. Schritt für Schritt und Jahr für Jahr und noch immer gibt es etwa bei den Olympischen Spielen mehr Wettbewerbe für Männer als für Frauen, wenngleich anzumerken ist, dass auch hier Veränderungen zugunsten der Frauen erkennbar sind. Ich gebe indes auch zu, dass es auch für mich manchmal noch befremdlich wirkt, Frauen beim Boxen oder beim Gewichtheben zu sehen. Aber man dachte früher ja auch, Frauen könnten nie und nimmer einen Marathon laufen.

Längst hat man festgestellt, dass ihre Ausdauervoraussetzungen sogar besser sind als bei Männern. Es liegt auch an uns, an uns Männern, die wir angeblich ja so sportversessen sind, den Frauensport in allen Facetten als gleichberechtigt zu sehen. Das wäre schon ein großer Fortschritt für die sportlichen Frauen und würde damit auch die Berichterstattung ihrer großartigen Leistungen erhöhen, denn wo Interesse besteht, wird dieses meist auch bedient.


Schlagwörter: Sport Mix

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