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Er tat sich lange schwer, setzte sich aber schlussendlich durch: Jannik Sinner. © APA/afp / MARTIN BUREAU

Sinner lässt sich nicht unterkriegen

Einmal mehr hat Jannik Sinner gezeigt, welch mentale Stärke er besitzt. In der ersten Runde der French Open meldete er sich am Montag eindrucksvoll zurück.

Dass man mit 19 Jahren nicht immer sein ganzes Können abrufen kann und auf dem Weg nach oben Täler durchqueren muss, ist eine Tatsache. Auch Sinner ist vor diesem Tennis-Gesetz nicht geschützt – das bekommt der Sextner zurzeit am eigenen Leib zu spüren. Alles geht nicht mehr so leicht von der Hand, der Druck macht sich bemerkbar. Die Generalprobe für die French Open hatte Sinner verpatzt, und auch beim Grand Slam zeigte er in der ersten Runde phasenweise Nerven, wurde schlussendlich aber seiner Favoritenrolle gerecht. Nach einem wahren Kraftakt und rund 3:35 Stunden Spielzeit konnte sich Sinner in der ersten Runde der French Open gegen den 30-jährigen Franzosen Pierre-Hugues Herbert (ATP 85) in 5 Sätzen mit 6:1, 4:6, 6:7, 7:5 und 6:4 durchsetzen.


Der Reihe nach: Der Jannik Sinner, der am Montag um Punkt 11 Uhr auf den Court Suzanne Lenglen erschien, ähnelte nicht im Ansatz jenem Jannik Sinner, der vor rund einer Woche in Lyon gegen den Franzosen Arthur Rinderknech (ATP 125) den Kürzeren zog. Wie ausgewechselt, agierte der Youngster von Beginn an mit der richtigen Mischung aus Risiko und Kontrolle. Die Vorhand lief, die Rückhand sowieso – und der Aufschlag schenkte dem Südtiroler viele freie Punkte. Kurzum: Sinner spielte – im Gegensatz zu seinem Gegenüber, der durch Variationen versuchte, Sinners Rhythmus zu brechen – perfektes Tennis. Das Ergebnis war ein glasklarer erster Satz, den Sinner nach nur 24 Minuten mit 6:1 für sich entschied.

Herbert steigert sich
Dass Sinner dieses unglaubliche Niveau (8 Winners und nur ein unerzwungener Fehler) nicht drei Sätze lang durchhalten konnte, wusste auch sein Coach Riccardo Piatti auf Tribüne. Und tatsächlich setzte Herbert den Youngster zu Beginn des zweiten Durchganges mit druckvollen Returns unter Druck – und breakte ihn beim Stande von 1:1 zu Null. Zwar antwortete Sinner postwendend mit dem Re-Break, der erfahrene Herbert ließ sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen und nahm dem Weltranglisten-19. wenige Augenblicke später erneut den Aufschlag ab. Das Break war gleichbedeutend mit dem Satzausgleich des Doppelspezialisten, denn während Sinner nun deutlich mehr streute, agierte Herbert mit größerem Selbstvertrauen – 6:4.

Der erfahrene Pierre-Hugues Herbert musste sich schlussendlich geschlagen geben. © APA/afp / MARTIN BUREAU


Dieses Bild bekamen die wenigen, aber lauten Zuschauer auf der Tribüne auch im dritten Satz zu Gesicht: Ein schier unaufhaltsamer Herbert setzte Sinner bei dessen Aufschlag ungemein unter Druck, wodurch der Sextner zu grübeln begann. Viele Fehler und ein passiveres Spiel resultierte daraus. Zu allem Überfluss rief Sinner auch noch den Physiotherapeuten auf den Platz, um seine Körpertemperatur zu messen. Dieser gab jedoch Entwarnung, der 19-Jährige spielte weiter – und geriet mit 2:5 fast aussichtslos ins Hintertreffen. Als der Satz gelaufen schien, holte Sinner alles aus seiner Trickkiste, zwei Breaks auf und ging mit 6:5 in Führung. Dennoch verlor er den Durchgang im Tiebreak. Diesen entschied Herbert – auch dank tatkräftiger Mithilfe des sichtlich unglücklichen Südtirolers – mit 7:4 für sich.
Sinner schlägt zurück
Im vierten Satz brachten beide lange ihre Aufschläge mehr oder weniger souverän durch, ohne einen Breakball abwehren zu müssen. Bis zum 8. Game. Herbert und Sinner lieferten sich einen abwechslungsreichen und spannenden Schlagabtausch, der Franzose führte 40:0, vergab aber alle 3 Breakchancen. Anschließend ließ der 30-Jährige 2 weitere Breakbälle ungenutzt und Sinner konnte zum 4:4 ausgleichen. Beim Stand von 4:5 und eigenem Aufschlag wehrte Sinner schließlich einen Matchball ab und glich erneut aus.

Beflügelt vom abgewehrten Matchball zeigte Sinner in dieser Phase der Partie nun sein stärkstes Tennis und erarbeitete sich im 10. Game zwei Breakchancen – und nutzte gleich die erste. Mit dem ersten Break in diesem Satz ging der Pusterer Youngster 6:5 in Führung. Auch den eigenen Aufschlag brachte er anschließend souverän durch und verwandelte dabei auch gleich den ersten Satzball zum 2:2.

Das Spiel konnte nun spannender kaum sein. Das Momentum zu Beginn des fünften Satzes lag auf der Seite des 19-Jährigen, der nun seiner Favoritenrolle gerecht wurde. Gleich im ersten Game des Satzes nahm er dem Franzosen den Aufschlag ab. Anschließend brachten beide ihre Aufschläge durch. Beim Stand von 5:4 für Sinner vergab der junge Sextner den Break- und Matchball. Im zehnten Game des entscheidenden Satzes schließlich agierte der 19-Jährige routiniert und nervenstark: Durch fehlerloses Tennis ging er mit 40:0 in Führung und nutzte den zweiten von drei Mätchbällen.

Damit ging ein echter Tennis-Krimi zu Ende, der die Gewissheit brachte: Jannik Sinner kann auch mit schwierigen Situation umgehen. Für den jungen Sextner war dies der erste 5-Satz-Sieg in seiner Karriere. In der 2.Runde trifft der 19-Jährige nun am Mittwoch auf den Italiener Gianluca Mager. Dieser bezwang den deutschen Peter Gojowczyk in 4 Sätzen. Sinner und Mager traten bisher noch nie gegeneinander an.

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