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Humphries mit einem dunklen Kapitel ihrer Karriere ab. © APA/afp / FRANCOIS-XAVIER MARIT

Demütigung und Rauswurf – Das Drama einer Olympiasiegerin

Mit ihrem Sieg bei der olympischen Premiere des Monobobs hat sie Geschichte geschrieben. Für Kaillie Humphries stellten die Winterspiele in Peking gewissermaßen ein Happy End dar. Die gebürtige Kanadierin durchlebte in den vergangenen Jahren nämlich die Hölle.

Im Zweierbob ist Humphries seit Jahren eine Bank. Gold in Vancouver, Gold in Sotschi, Bronze in PyeongChang. Natürlich galt die 36-Jährige auch im Vorfeld von Peking als eine Anwärterin auf Edelmetall, ihr Erfolg im Monobob unterstrich ihre nach wie vor vorhandene Klasse. Dass dieser Triumph historisch war, lag aber nicht nur an der Premiere der Disziplin bei Olympia. Humphries ist nämlich die erste Frau, die für zwei verschiedene Nationen Gold holt.


Der Grund für ihren Nationenwechsel war aber ein trauriger. Nachdem sie zunächst für ihr Geburtsland Kanada mit zwei Olympiasiegen erstaunliche Erfolge feiern konnte, verschlechterte sich das Klima innerhalb des Verbandes. 2018 erhob Humphries schließlich schwere Vorwürfe gegen ihren Trainer Todd Hays. Sie fühlte sich psychisch und verbal missbraucht, reichte daraufhin eine Belästigungsklage ein.

In Kanada bleibt alles beim Alten
Verändert hat sich nach ihren Vorwürfen jedoch nichts. Nach wie vor trainiert Hays die Bob-Piloten seines Landes, die Klage wurde unter den Teppich gekehrt. Wenige Wochen nach den ersten Vorwürfen seitens Humphries fand diese ihre gesamte Bob-Ausrüstung mitten auf der Straße vor dem Eiskanal in Calgary liegen. Daraufhin nahm sie sich eine Pause, kehrte ihrem geliebten Sport den Rücken.

Humphries hat die Freude an ihrem Sport wieder gefunden. © APA/afp / FRANCOIS-XAVIER MARIT

„Um die bestmögliche Leistung zu bringen, muss ich mich sicher fühlen. Doch das ist im kanadischen Bobverband nicht mehr der Fall“, erklärte sie damals. Humphries sei den Gerichtsakten zufolge einmal über eine Stunde lang mit verbalen Beleidigungen persönlich und beruflich attackiert worden – in aller Öffentlichkeit. Dies führte zu einer unaushaltbaren mentalen Belastung für sie.

Die nun dreifache Olympiasiegerin entschied sich daraufhin für die Flucht und zog mit ihrem Ehemann in die USA. Dort wurde sie im Bob-Verband mit offenen Armen aufgenommen, im Weltcup fuhr sie sofort wieder um Siege mit. Zwei Monate vor den Winterspielen erhielt sie schließlich auch ihren Pass, der ihr die Teilnahme unter der US-amerikanischen Flagge erlaubte. Mit ihrer Goldmedaille im Monobob zahlte sie ihrem Verband das Vertrauen zurück und schloss mit einem dunklen Kapitel ihrer Karriere ab.
„Ich mache mir Sorgen um die Athletinnen, die keinen Ausweg haben und in einer ungemütlichen Lage bleiben müssen, um ihre Träume zu jagen.“ Kaillie Humphries

Nichtsdestotrotz muss sie immer noch an den Horror von Kanada denken. „Ich mache mir Sorgen um die Athletinnen, die keinen Ausweg haben und in einer ungemütlichen Lage bleiben müssen, um ihre Träume zu jagen“, unterstrich sie die fragwürdigen Verhältnisse im kanadischen Bob-Kosmos. Sie selbst konnte sich jedenfalls aus diesem Würgegriff befreien und ihre Freude am Bob-Sport wieder für sich entdecken.

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