f Bob

Die Frauen messen sich im Monobob – die Herren nicht. © APA/afp / ODD ANDERSEN

Sigi’s Spitzen: Einsame Frauenpower im Eiskanal

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute befasst er sich mit einer Disziplin, die erst kürzlich aus der Taufe gehoben wurde.

Sigi Heinrich.

Erst habe ich meinen Augen nicht getraut und gedacht: Hoppla, da hat schon wieder ein Bob die zweite Athletin, die hinter der Pilotin sitzt, verloren. Wo ist sie? Hoffentlich ist nichts passiert? Das Eis ist hart. Ein ums andere Mal wiederholt sich die Szene und dann wurde natürlich schon klar. Da saß und sitzt jetzt immer nur eine Frau in diesem 170kg-Koloss und schlängelt sich durch einen Eiskanal. Ein Faschingsscherz oder gar ein besonderes Zuckerl zum Valentinstag nach dem Motto: Wir Männer, wir trauen euch Mädels wirklich alles zu? Nein, Monobob heißt das Geheimnis dahinter. Toller Name für die große Einsamkeit im Eiskanal. Jetzt sitzt die holde Weiblichkeit mutterseelenallein in so einem Geschoss, reißt an den Lenkseilen und versucht, dieses Ungetüm in der Spur zu halten, was erwiesenermaßen auch bei der ersten Weltmeisterschaft in Altenberg nicht allen gelang.


Aber der Bob, der wohl feinfühliger reagiert als die üblichen Geräte, kam meist wieder auf beide Kufen. Erleichterung machte sich breit. Kein schwerer Unfall, nur die üblichen Unterschiede in der Beherrschung dieses neuen Sportgerätes, was bei dem sowieso riesigen Leistungsgefälle in der Bob-Szene als normal anzusehen ist. Dass mit Kaillie Humphries aus den USA die Pilotin gewann, die auch im Zweierbob die Beste ist, sorgt nicht unbedingt für totale Beruhigung, denn der Mono-Bob ist leichter zu erwerben als einer für zwei Sportlerinnen. Er kostet etwa 25 000 Euro. Für einen Schlitten, der mehrere Personen ins Tal transportieren kann, muss man mindestens die fünffache Summe einkalkulieren.

Hinters Licht geführt
Aber warum nur gibt es diese neue Kategorie? Wollte man die Gleichstellungsbeamtinnen in aller Welt glücklich machen? Nein, es ist ganz profan: Jetzt sonnen sich die Funktionäre des Internationalen Bob- und Skeleton-Verbandes (IBSF) in ihrem Erfolg, denn sie haben praktisch einen gordischen Knoten durchschlagen. Künftig gibt es noch mehr Medaillen, wohl auch bei Olympischen Spielen, ohne dafür mehr Personal aufbieten zu müssen. Der Zweierbob der Damen bleibt und dann fährt noch die Pilotin dieses Zweierbobs alleine runter, wenn sich nicht doch Spezialisten herauskristallisieren, die nur noch alleine fahren wollen. Egal. Drei Medaillen mehr sind es. Dabei war das den Damen gar nicht recht, denn sie wollten lieber einen Viererbob haben. Sie wollten das Mannschaftsgefühl intensiviert wissen. Jetzt kann man sich nicht mehr umarmen im Ziel, sich nicht mehr auf die Schultern klopfen. Höchstens selber, was auch blöd ist. Die Gefühle, die man gerne gemeinsam auslebt, werden abgewürgt. Und so fühlen sich die Damen durchaus ein wenig hinters Licht geführt und aufs Abstellgleis gestellt. So hatten sie sich nämlich die Entwicklung ihrer Sportart nicht vorgestellt. Um aber noch zusätzliche olympische Medaillen zu bekommen, blieb keine andere Wahl, denn das Internationale Olympische Komitee (IOC) bestand klar darauf, dass mit der Einführung eines weiteren Wettbewerbes nicht zu viele zusätzliche Sportlerinnen dazu kommen.

Die Weltmeisterin: Kaillie Humphries © APA/afp / ODD ANDERSEN


Jetzt also Monobob. Immerhin wäre es interessant, einen solchen Einheitsschlitten auch den Männern zu präsentieren. Man stelle sich vor: Der deutsche Seriensieger Francesco Friedrich dürfte vorher nichts, aber auch gar nichts an seinem Bob machen. Er würde einen Monobob, der in München gebaut wird, zugelost bekommen und dann ab in die Rinne. Würde dann nicht der beste Pilot ermittelt werden? Und zwar ohne Zweifel? Keine bulligen Anschieber mehr, kein Feilen an den Kufen, keine aerodynamischen Veränderungen und vieles mehr. Ist Friedrich wirklich der beste Pilot oder hat er nur das mit Abstand beste Team, inklusive des besten Schlittens? Denn eines ist hinlänglich bekannt: In keinem Land der Welt widmet man sich mit mehr Akribie und auch finanziellem Aufwand dem Material beim Bobsport und auch beim Rodeln als in Deutschland. Der legendäre Rodler Georg Hackl wurde etwa auch deshalb Seriensieger, weil er sich quasi mit seinen Kufen ins Bett legte. Den Damen im Monobob fällt das sichtlich schwerer. Sie können ohne männliche Hilfe ihr mächtiges Gerät nämlich gar nicht an den Start bringen. Das ist beruhigend und wir helfen gerne. Nicht nur am Valentinstag.

Autor: sigi.heinrich

Empfehlungen

Kommentare (0)

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen..

© 2021 Sportnews - IT00853870210