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ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel am Donnerstag in Seefeld. © APA / GEORG HOCHMUTH

Doping | ÖSV-Boss fuchsteufelswild: „Solche Trottel“

Peter Schröcksnadel hat sich in einem skurrilen Interview als betrogener ÖSV-Präsident präsentiert, die gedopten Athleten als „Trottel“ bezeichnet und die Zukunft des österreichischen Langlaufs in Frage gestellt. Dafür erntet er jetzt viel Unverständnis.

Dass Peter Schröcksnadel für den alpinen Skisport mehr übrighat, als für den nordischen Bruder, ist kein Geheimnis. Das machte der ÖSV-Präsident im ORF -Interview auch sofort deutlich, als er zu Protokoll gab, dass er vom Langlaufen „relativ wenig“ verstehe. Eine skurrile Aussage, denn als oberster Vorsitzender des Skiverbandes in Österreich sollte Schröcksnadel nicht nur mit seiner Kernkompetenz betraut sein.

Doch dem ist offensichtlich nicht so und jetzt stellt der 77-Jährige sogar den Langlauf-Leistungssport in Österreich in Frage. „Ich will den Langlauf überhaupt nicht mehr im Verband haben“, fauchte Schröcksnadel, um sofort anzufügen: „Was aber nicht geht, leider. Die sollen einen eigenen Verband gründen, das wäre mit lieber.“ An sauberen Langlaufsport glaubt Schröcksnadel „eigentlich nicht“.

Kombinierer Klapfer verhöhnt Dopingsünder

Dominik Baldauf und Max Hauke, die beiden gedopten österreichischen Langläufer, bezeichnete Schröcksnadel als „Trottel“: „Die Lügen alle an. Und das nur wegen ein paar Medaillen? Aber die kriegen sie sowieso nicht, die laufen um den 20. Platz herum. Was macht es dann für einen Sinn zu dopen?“, so Schröcksnadel, der damit in die gleiche Kerbe wie der 33-jährige Kombinierer Lukas Klapfer schlug.

Der Österreicher hatte die beiden gedopten ÖSV-Langläufer auf Instagram als „Oberpflaumen“ bezeichnet und angefügt: „Mit Doping auch noch so schlecht sein is ja eigentlich die Draufgabe.“ Geschrieben hat Klapfer das unter einen Instagram-Post von Baldauf, der nach dem aktuellen Doping-Skandal freilich lächerlich erscheint. „Was kostet es eigentlich Träume wahr werden zu lassen? Mut. Einfach nur Mut!“, hatte Baldauf nach dem 6. Platz im Teamsprint mit Hauke geschrieben.

Dominik Baldauf beim Teamsprint in Seefeld, den er zusammen mit Max Hauke bestritten hat. © APA / GEORG HOCHMUTH

Besonders genervt ist Schröcksnadel vom Thema Johannes Dürr, das nach dem Doping-Skandal von Seefeld erneut in den Fokus der Medien geriet. Anscheinend hatte die TV-Doku „Die Gier nach Gold“, die vom ARD im Winter ausgestrahlt worden war, den Stein um die Blutdopting-Ermittlungen in das Rollen gebracht. „Der Herr Dürr wollte hier in Seefeld starten, aber da haben wir gleich gesagt: 'Kommt überhaupt nicht in Frage!'“, so Schröcksnadel.

Zweimal wurde Dürr in den letzten Monaten vom ÖSV verklagt, eine einstweilige Verfügung gegen den Niederösterreicher wurde erreicht. Der überführte Dopingsünder der Olympischen Spiele von Sotschi hatte behauptet, dass „der österreichische Verband die Augen vor Doping verschließen“ würde. Doch so abwegig scheinen die Aussagen vor Dürr nach den jüngsten Enthüllungen nicht zu sein. Oder ist es tatsächlich möglich, dass kein Trainer, kein Betreuer mitbekommen hat, dass zwei ihrer Athleten dopen?

Anti-Doping-Experte: „Leute werden für blöd verkauft“

Der Anti-Doping-Experte Wilhelm Lilge hält das für unglaubwürdig. „Das ist lächerlich, die Leute werden für blöd verkauft. Es ist undenkbar, das Trainer, die immer dabei waren, nichts mitbekommen haben“, wird Lilge im Kurier zitiert. Die Einzeltäter-Theorie, um die sich der ÖSV schon nach den Doping-Skandalen 2002, in Turin 2006 und dem Fall Dürr 2014 bemühte, wird auf jeden Fall immer zweifelhafter.

Da hilft es auch wenig, dass der ehemalige nordische Kombinierer Felix Gottwald (er ist Österreichs erfolgreichster Wintersportler bei Olympischen Spielen) im ORF betont: „Mich stört diese Pauschal-Verurteilung. Es ist keine Option, den gesamten Langlauf in Österreich auszurotten. Wegen Zweien darf nicht der ganze Tross draufzahlen.“ Ob es bei diesen Zweien bleibt, ist freilich auch erst abzuwarten. Das gesprengte Doping-Netzwerk aus Deutschland könnte weiter verzweigt sein als bisher bekannt. Und Schröcksnadel sagt: „Das sind Verbrecher. Alles Verbrecher.“

Autor: cst

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