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Elena Sandulli hat eine bemerkenswerte Geschichte hinter sich.

Die deutschsprachige Römerin: Elena Sandullis besondere Geschichte

Sie beeindruckt durch schnelle Schwünge, ihren unbändigen Willen – und darüber hinaus mit akzentfreiem deutsch. Das ist Elena Sandulli aus Rom, die in Südtirol heimisch geworden ist und schon bald im Ski-Weltcup durchstarten möchte.

Wir erreichen die 21-Jährige, als sie mit ihrer kleinen Cousine und ihrer Tante durch Rom schlendert. Es ist ein rarer Aufenthalt in ihrem Geburtsort: Sandulli hat vor mittlerweile sieben Jahren in Innsbruck und Brixen eine dauerhafte Bleibe gefunden. Hier fühlt sie sich zu Hause, hier fühlt sie sich wohl. Und all das aus einem bzw. zwei Gründen: Sie will ihren Traum verwirklichen, im Ski-Weltcup Fuß fassen und sich gleichzeitig durch ein Jura-Studium in Innsbruck ein zweites Standbein aufbauen.


Doch wie entfacht in einem Mädchen aus Rom, dessen Eltern eigenen Angaben zufolge erst spät mit dem Skifahren begonnen haben, die Leidenschaft, den Berg hinab zu rasen? „Ich habe meine ersten Schwünge in Serfaus (eine 1000-Seelen-Gemeinde in Nordtirol, Anm. d. Red.) gemacht. Weil es uns sehr gefallen hat, sind wird immer öfters nach Südtirol für die 'settimana bianca' gefahren“, erklärt Sandulli, die in Brixen und auf der Plose endgültig ihre Passion fürs Skifahren entdeckte. Sie schrieb sich in den Skiclub Fana ein – und ab da nahm alles seinen Lauf. Auch wenn die Opfer, die sie und ihre Familie aufbringen mussten, enorm waren: „Zunächst sind wir stets am Freitag mit dem Zug nach Brixen gefahren, um am Sonntag wieder nach Rom umzukehren.“ Auf Dauer konnte man dieses Pensum jedoch nicht durchhalten, weswegen Sandulli mit ihrem Vater und Bruder nach Innsbruck zog.

Keine Sprachbarriere
Sie habe dort die Oberschule absolviert und sich anschließend in die Universität eingeschrieben. Eine Sprachbarriere hat es nie gegeben, meint Sandulli: „Ich habe in Rom eine deutsche Schule besucht, zudem war 'Schuh' das erste Wort, das ich als kleines Kind gesagt habe.“

Als Sandulli das 18. Lebensjahr erreicht hatte, zogen sich ihr Vater und ihr jüngerer Bruder, der ebenfalls dem Skifahren verfiel, aus Innsbruck zurück. „Ich bin in Innsbruck, aber auch in Brixen fürs Skifahren und dem Studium geblieben.“ Mit Erfolg: Sandulli gehört zu den vielversprechendsten Talenten im italienischen Ski-Panorama.

Blickt zuversichtlich in die Zukunft: Elena Sandulli


Mit gerade Mal 18 Jahren debütierte Sandulli im Weltcup. Und das ausgerechnet in Sölden. Rund zwei Monate danach bekam sie in Courchevel eine weitere Chance. Beide Male reichte es nicht für die Qualifikation für den zweiten Durchgang – eine Randnotiz.

Anstatt ihre Karriere endgültig zu lancieren, fiel Sandulli in ein Ergebnisloch, das sie folgendermaßen erklärt: „Ich habe mich schnell und gut entwickelt. Nach dem Weltcup-Debüt hätte ich aber nicht gedacht, auf so viele Schwierigkeiten zu stoßen. Einerseits hatte ich mit einer hartnäckigen Knieverletzung zu kämpfen, andererseits habe ich es nicht geschafft, mich schnell anzupassen. Ich bin immer einen Schritt hinten nach gewesen.“ Als Folge einer durchwachsenen Saison wurde sie im Vorjahr aus sämtlichen Kadern der Nationalmannschaft gestrichen. Ihren Leistungen schadete dies nicht, im Gegenteil. In der letzten Saison hat sie wieder ausgezeichnete Ergebnisse erreicht.
Neu angreifen
„Ich hoffe, aus meinen Fehlern gelernt zu haben und bin wieder auf einem guten Weg“, betont Sandulli, die im März mit dem fünften Rang im Riesentorlauf bei der Junioren-Weltmeisterschaft ein starkes Ausrufezeichen setzte. Dabei war auch ihre Saison von vielen Schwierigkeiten geprägt. So konnte sie aufgrund der Corona-Pandemie nicht von Brixen nach Innsbruck pendeln. Sandulli entschied – auch wegen des aus Brixen stammenden Trainers – in Südtirol zu bleiben.

Elena Sandulli bei der diesjährigen Junioren-Weltmeisterschaft.


Obwohl die Saison erst zu Ende ist, hat sich Sandulli klare Ziele für die nächste Saison gesetzt. „Es würde mich sehr freuen, endgültig den Sprung in den Weltcup zu schaffen. Ich arbeite seit vielen Jahren gezielt darauf hin. Dafür muss ich im Europacup gute Resultate erzielen und mich so aufdrängen“, gibt Sandulli die Richtung vor. Sie sagt, das sei natürlich das Ziel von vielen Athleten: „Das schöne an unserem Sport ist jedoch, dass man alles ziemlich schnell ändern kann. Der Spalt zwischen Erfolg und Misserfolg ist klein“, weiß Sandulli.
Die Schulbank drücken
Ihr Fokus richtet sich zunächst auf ihr Studium und die anstehenden Prüfungen: „Die wichtigsten mache ich stets im Sommer“, behauptet die Italienerin, die findet, das Studieren sei eine willkommene Abwechslung zum knallharten Ski-Zirkus. „Mir gefällt es. Und es hilft, den Sport von einer größeren Distanz zu betrachten. Wenn man etwa kein gutes Rennen bestreitet, weiß ich, dass ich noch eine zweite Schiene habe. Skifahren alleine, zieht einem zu sehr in seinen Bann.“ Eine Ablenkung zu haben, auch mal etwas anderes zu sehen, sei positiv. Gleichzeitig müsse man jedoch auch die Motivation dafür aufbringen, denn das Studium erfordere großen Einsatz.

Die Geschichte der Elena Sandulli ist also eine besondere. Und eine, die vorzeigt, dass mit Einsatz, Willen und Leidenschaft viel möglich ist und selbst größere Tiefen überbrückt werden können. Egal wie groß diese auch sein mögen.

Schlagwörter: Wintersport

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