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Flog in Lake Louise zum Sieg: Thomas Dreßen. © AP / Frank Gunn

Die tragische Geschichte von Abfahrts-Held Thomas Dreßen

Mit seinem Sieg in der Abfahrt von Lake Louise hat der Deutsche Thomas Dreßen alle überrascht – vor allem, weil es sich bei diesem Rennen um sein erstes nach überstandener Kreuzbandverletzung handelte. Wenn man einen Blick auf das Leben des 26-Jährigen wirft, wird klar: Der Junge hat sich den Sieg so etwas von verdient.

„Vor einem Jahr“, brachte es Dreßen nach seinem Sensations-Sieg am Samstag im Gespräch mit der FAZ in seiner unverblümten Art und Weise auf den Punkt, „hing ich im Netz und hatte Weh wie die Sau. Ich war im Arsch.“ In Beaver Creek war das Ski-Ass aus Mittenwald (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) zu Sturz gekommen und hatte sich das Kreuzband im Knie gerissen. „Ja mei, das ist Berufsrisiko“, gab er später zu Protokoll. Trotzdem ein Rückschlag für einen Athleten, der nur wenige Monate zuvor mit dem Sieg bei der Kitzbühel-Abfahrt den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert hatte.

In Beaver Creek hatte sich Dreßen 2018 schwer verletzt. © APA/getty / TOM PENNINGTON


Mit Rückschlägen weiß der Deutsche mittlerweile aber umzugehen. In seinem Leben hat Dreßen nämlich schon oft traurige Zeiten durchgemacht. 2005, als das Ski-Ass 11 Jahre jung war, verlor Vater Dirk beim Seilbahn-Unglück in Sölden auf tragische Weise sein Leben. Damals traf ein 750 Kilo schwerer Betoneimer, der sich von einem Helikopter gelöst hatte, die Gondel, die zu Boden stürzte und alle 9 Insassen in den Tod riss. Seither trägt Dreßen auf seinem Helm die Zahl 44: Die Ziffern stehen jeweils für den vierten Buchstaben des Alphabets, nämlich „D“ – die Initialen seines Vaters.
Dreßen sprang dem Tod von der Schippe
Ein Jahr nach dem tödlichen Unglück der nächste Schicksalsschlag für Dreßen: Auf einer Piste prallte der junge Bursche mit einem anderen Skifahrer zusammen, erlitt einen Schädelbasisbruch sowie schwere Verletzungen am Jochbein und am Oberkiefer. „Da stand es auf Spitz und Knopf“, erklärte er der Basler Zeitung.

„Wären Hirnflüssigkeiten ausgetreten, weiß ich nicht, ob ich heute noch da wäre, und wenn, in welchem Zustand“, so Dreßen. Sein Glück: Die Brüche. Dadurch konnte der Druck entweichen. Trotzdem litt er noch lange an den Folgen des Crashes und konnte sich in der Schule beispielsweise nur schwer konzentrieren. Auch heute noch ist die linke Seite seines Gesichts leicht taub.

In Kitzbühel feierte Thomas Dreßen seinen bisher größten Karriereerfolg. © APA / ROLAND SCHLAGER


Für Dreßen war aber sofort klar, dass er wieder auf die Piste zurückkehren wollte. Und so stieg er still und leise in die Weltelite der Speed-Asse auf, in der er nach seinem Sieg in Kitzbühel 2018 endgültig angekommen war. Sein Triumph in Lake Louise – übrigens genau ein Jahr nach seinem verhängnisvollen Sturz in Beaver Creek samt Kreuzbandriss – zeigt, dass er auch in Zukunft den Dominik Paris' und Vincent Kriechmayrs der Skiwelt auf Augenhöhe entgegen treten kann. Auch, wenn der Weg wieder einmal steinig werden sollte.

Autor: det

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