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FIS-Renndirektor Markus Waldner spricht die Probleme mit Kreuzbandrissen offen an. © APA / BARBARA GINDL

FIS reagiert auf Paris-Verletzung: „Haben das Radl weit gedreht“

Das Saison-Aus von Dominik Paris wegen eines Kreuzbandrisses wirft einmal mehr die Frage auf, warum es zu so einer Häufung an Knieverletzungen im alpinen Weltcup kommt. Auch der internationale Skiverband (FIS) sucht – bislang vergeblich – nach einer Problemlösung.

Harte Pisten erfordern eine aggressive Materialabstimmung – und umgekehrt. „Das ist eine Katze, die sich in den Schwanz beißt. Da wieder rauszukommen, ist sehr schwierig“, sagte der Brixner Markus Waldner, der beim beim internationalen Skiverband als Renndirektor fungiert.

Von Innerhofer bis Mölgg: Eine Endlos-Serie
Nach einem banalen Super-G-Trainingssturz reiht sich der Südtiroler Paris in die lange Kreuzband-Verletztenliste in diesem Winter ein. Für die Österreicher Hannes Reichelt und Christopher Neumayer ging die Saison bei den Speedrennen in Bormio zu Ende, den Enneberger Manfred Mölgg erwischte es beim Riesentorlauf in Adelboden, den Franzosen Adrien Theaux beim Training, im Zagreb-Slalom riss das Kreuzband der Deutschen Marlene Schmotz und im Parallel-Riesentorlauf in Sestriere wurde das Schicksal der Schweizerin Aline Danioth bestimmt. Der Pusterer Christoph Innerhofer zog sich die selbe Verletzung im Frühjahr 2019 bei der Italienmeisterschaft zu. Das, um nur ein paar der jüngsten Opfer zu nennen.

Dominik Paris ist nur das jüngste Verletzungsopfer im Ski-Weltcup. © APA/afp / MARCO BERTORELLO


„Lösung haben wir zur Zeit keine. Das Radl haben wir jetzt weit gedreht. Und das zurückzudrehen, wird ein sehr schwieriges Unterfangen“, sagte Waldner am Dienstagabend im Gespräch mit Journalisten in Kitzbühel. „Wir diskutieren schon seit langem. Es passiert mit allen Ski – Slalom, Riesentorlauf, Super-G, Abfahrt. Bei Herren und Damen und auch im Europacup. Es ist das Gesamtpaket, das sehr aggressiv abgestimmt ist, vom Schuh über Platte, Bindung und Ski. Wenn man da ein bischen außerhalb der normalen Winkel kommt, dann reißt eben sehr schnell ein Kreuzband.“
Harte oder weiche Piste?
Etwas kann der Ski-Weltverband allerdings in Zusammenarbeit mit den Organisatoren machen, nämlich die Pisten von oben bis unten gleichmäßig präparieren. Das habe man in diesem Winter in Angriff genommen. Um zu verhindern, dass die Athleten von harten, sehr eisigen, auf weniger harte Passagen kommen. „Denn sonst stimmen sie das Material so ab, dass es am Harten passt, aber dann wird es gefährlich, wenn sie dorthin kommen, wo es etwas weicher ist“, erklärte Waldner. Die Streif sei heuer fantastisch hergerichtet. „Sie ist immer noch sehr hart, knackig, eisig, aber sehr gleichmäßig präpariert.“

Und sie müsse so kompakt und eisig sein, weil so viele Kräfte auf die Piste wirken, und man verhindern müsse, dass die Piste aufreiße und das Rennen mit Startnummer drei zu Ende sei. „Das Rennen soll auch für die hohe Nummern noch fair sein.“ Aber je härter die Piste, desto aggressiver die Materialabstimmung, und so dreht sich das Radl immer weiter. Um mit einem weniger aggressiven Gesamtpaket trotzdem schnell durch die Rennen zu kommen, müssten die Pisten weicher präpariert werden. „Aber das ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Wo fangen wir an?“ Es gäbe viele Gespräche mit der (Ski-)Industrie, derzeit habe aber niemand eine Lösung.
„Die Wadeln sind mittlerweile doppelt so dick, aber die Bänder sind immer die gleichen“
FIS-Renndirektor Markus Waldner
Paris verletzte sich auf einer sehr gleichmäßig präparierten Piste in Kirchberg, auf der am Wochenende Europacup gefahren wurde. „Das ist wirklich saublöd hergegangen“, weiß auch Waldner. Paris, Topfavorit auf den Abfahrtssieg auf der Streif, hatte nach einem Innenskifehler versucht, einen Sturz in das Sicherheitsnetz zu verhindern, als sein Ski zu greifen begann und das Kreuzband riss.

„Man muss schon auch sagen, die Muskulatur von diesen Läufern ist natürlich extrem durchtrainiert, die Muskelmassen, die diese Top-Läufer jetzt haben. Wenn man die vergleicht mit Ken Read, der hat auch hier gewonnen, der hatte die halben Wadeln von den Burschen heute“, sagte der Renndirektor, der aber auch weiß. „Die Muskeln kann man trainieren, die Bänder nicht. Die Bänder sind immer noch die gleichen, vom Domme und von Ken Read, aber die Wadeln sind doppelt so dick. Der Muskel hält, aber wenn gewisse Winkel unterschritten werden und Rotationen reinkommen, muss es irgendwo reißen. Und meistens reißt dann das Bandl.“

Autor: apa/fop

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