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Mikaela Shiffrin hat am Samstag ihr erstes Rennen seit 300 Tagen bestritten. © APA/afp / JUSSI NUKARI

Tränen und Freude: Shiffrins rührende Rückkehr

Exakt 300 Tage nach ihrem letzten Weltcuprennen hat sich Superstar Mikaela Shiffrin am Samstag beim Slalom von Levi zurückgemeldet. Mit Platz 2 zeigte die Powerfrau gleich auf, allerdings wurde auch klar, wie tief die Wunden in der Seele der US-Amerikanerin sind.

„Ich bin wirklich glücklich, hier zu sein. Es tut gut, wieder Ski zu fahren“: Man merkte Mikaela Shiffrin die Erleichterung an nach ihrem Comeback, bei dem sie auf Rang 2 gefahren ist. Die dreifache Gesamtweltcupsiegerin musste sich am Samstag nur Petra Vlhova geschlagen geben, die ihre bestechende Form des letzten Winters auch im ersten Slalom der neuen Saison bestätigen konnte. Allzuviele Gedanken – so hatte es den Anschein – machte sich Shiffrin ob des verpassten Sieges nicht. Sie schien einfach nur froh zu sein, dieses erste, emotionale Rennen gemeistert zu haben. Auch, wenn die Wunden immer noch tief sind.

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Im Februar war Shiffrins Vater Jeff plötzlich und unerwartet bei einem Haushaltsunfall gestorben. Für die 25-Jährige brach eine Welt zusammen, sogar an ein Karriereende habe sie gedacht. Dazu ist es glücklicherweise nicht gekommen, weshalb die US-Amerikanerin am Samstag ihr Comeback feierte. Wie sehr sie dieser Verlust mitgenommen hat, war vor allem bei den TV-Interview erkennbar. Die ansonsten so freudige und gut aufgelegte Shiffrin sprach mit gebrochener Stimme, hatte feuchte Augen, musste sich immer wieder Pausen nehmen und kämpfte mit den Tränen.

„Ich möchte eigentlich keine Emotionen mehr zulassen, aber das geht nicht.“
Mikaela Shiffrin

„Es ist seit Februar ein großer Kampf für mich“, sagte der emotionale Superstar im Gespräch mit dem ORF. „Ich wusste nicht, ob ich überhaupt zurückkomme. Es ist nicht einfach für mich. Mein Auftritt heute hat sich nicht perfekt angefühlt, aber ich weiß: Ich muss auf diesem Level abliefern, auch wenn ich es lange Zeit nicht gemacht habe.“ Dann gab Shiffrin auch Einblicke in ihr Seelenleben: „Es ist ermüdend, es ist emotional. Ich möchte eigentlich keine Emotionen mehr zulassen, aber das geht nicht. Mein Ding hier jetzt durchzuziehen, es durch den Tag zu schaffen, an den Start zu gehen – das ist das wichtigste, was ich zurzeit tun kann.“

Auch wenn Shiffrin zurzeit eine schwere Phase durchmacht und sie dieser Schicksalsschlag in dieser Heftigkeit wohl noch einige Zeit verfolgen wird – sportlich gesehen zeigt die US-Amerikanerin, dass sie immer noch Extraklasse ist. Wer nach 300 Tagen ohne Rennen sowie psychisch und physisch (Shiffrin litt auch an Rückenproblemen) schwierigen Zeiten prompt derart stark abliefert und das Kraft- und Willenspaket Petra Vlhova an den Rand einer „Niederlage“ bringt, der ist ein außergewöhnlicher Athlet und Mensch. Die nächsten Rennen werden zeigen, was Shiffrin in ihrer Comeback-Saison reißen kann. Der Anfang ist jedenfalls schon gemacht. Am Sonntag gibt's im zweiten Slalom die nächste Chance.

Autor: det

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