h Eishockey

HCB-Geschäftsführer Dieter Knoll

Der HCB wendet sich mit einem offenen Brief an seine Fans

Lange war es verdächtig ruhig um den EBEL-Champion der Saison 2013/14. Viel wurde über die Zukunft des HCB Südtirol spekuliert. Am Freitagabend hat sich der Klub erstmals seit Saisonende zu Wort gemeldet. Auf der offiziellen Seite des Rekordmeisters wurde ein offener Brief veröffentlicht, in dem die derzeitige finanzielle Situation der Foxes geschildert wird. SportNews veröffentlicht das Dokument in seinem vollen Umfang.

"Geschätzte Fans und Freunde des HC Bozen Südtirol,

die Zeiten waren schon einmal besser. Die finanziellen Probleme des HC Bozen Südtirol sind nicht zu leugnen. Die allgemeine Wirtschaftskrise und das weitgehende Fehlen von Sponsoren – sieht man einmal von unserem treuesten Partner, der Spezialbier-Brauerei Forst ab – machen es extrem schwer, das begeisternde Eishockey-Abenteuer EBEL nicht aus den Augen zu verlieren.

Sicher, es wurden in der Vergangenheit auch Fehler gemacht, die Klubführung hat aber stets nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Und wir kämpfen alle mit allerletztem Einsatz für unseren, für euren HCB Südtirol. Ihr Fans demonstriert große, tief bewegende Anhänglichkeit: Jede noch so kleine Initiative, die aus den Reihen der Fans kommt, jede noch so winzige Hilfe, sind für uns Ansporn und Motivation, den steinigen und steilen Weg unter größtem Kraftaufwand weiter zu gehen. Wenn wir heute fix zusagen würden, im September startbereit zu sein, wäre das gelogen, weil es einfach nicht stimmt. Die Fans zu hintergehen, das wäre das Letzte, was wir in diesem delikaten Augenblick tun möchten. Wir wollen bei der Wahrheit bleiben, das sind wir dem Verein und seiner glorreichen Vergangenheit schuldig, das sind wir vor allem euch Fans schuldig.

Zum Monatsende fallen die Würfel und am 30. Juni müssen wir der EBEL-Spitze unwiderruflich und endgültig mitteilen, ob wir uns der Ebel-Herausforderung 2015/2016 stellen, oder eben nicht stellen. Derzeit fehlen die Voraussetzungen für eine Zusage, aber in den letzten Wochen war hinter den Kulissen wirklich sehr hart gearbeitet worden, es gab einige sehr wichtige Treffen, die Hoffnung keimen lassen. Ein Schlüsselerlebnis war das Hilfsangebot von Landeshauptmann Arno Kompatscher, der sich als Fan der EBEL und des HCB Südtirol in dieser Liga europäischer Dimension geoutet hat. Es gibt mehrere Initiativen mit interessanten und interessierten Partnern. Wenn es nicht leere Versprechungen bleiben, wie das leider sehr oft der Fall ist, können wir die Ärmel hochkrempeln und für die Saison 2015/2016 und für die folgenden Meisterschaften planen. Sollten die Antworten, derer wir harren, in den nächsten Tagen aber negativ ausfallen, werden wir schweren Herzens einen Schritt zurück machen müssen und die sportliche Tätigkeit auf hohem Niveau vorübergehend, so hoffen wir zumindest, aussetzen müssen.

Wir hoffen natürlich sehr stark, dass dieser eishockeysportliche „Grexit“ nicht stattfindet, zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber muss er wohl oder übel in Betracht gezogen werden. Sobald es hieb- und stichfeste Neuigkeiten gibt, und nicht nur Gerüchte, werden wir als Klubleitung alle Fans und Anhänger des HC Bozen Südtirol unterrichten. Wir sind uns der Tragweite dieses ultimativen Schrittes für unser Eishockey, für unsere Stadt, für unser Land - wenn er nun denn in einer unausweichlichen Situation getroffen werden muss – absolut bewusst. Vorerst aber hoffen wir mit unseren Fans. Diese Unterstützung, diese Treue und nicht zuletzt die Begeisterung gibt uns Kraft bis zum letzten Augenblick zu kämpfen.

Dieter Knoll
Geschäftsführender Verwaltungsrat des HC Bozen Südtirol"

Autor: sportnews