a Europa League

Romelu Lukaku war nach der Final-Niederlage mächtig bedient. © APA/afp / WOLFGANG RATTAY

Lukaku als schlechter Verlierer – Haar-Zoff um Conte

Sportliche Fairness und seine Silbermedaille waren Romelu Lukaku am Freitag nach dem Finale der Fußball-Europa-League in Köln egal.

Nachdem er gegen den FC Sevilla in weniger als zwei Stunden vom gefeierten Helden zur tragischen Figur geworden war, hatte der Stürmer von Inter Mailand keine Lust auf die eigentlich verpflichtende Siegerfeier auf dem Rasen.


Direkt nach dem 2:3 rauschte der Rekord-Torjäger in die Katakomben des Stadions und kehrte auch nicht wieder zurück. In der Nacht verewigte ihn die UEFA in den Statistiken als Unglücksraben, als sie ihn mit Verzögerung doch als Eigentor-Schützen beim Siegestreffer der Spanier benannte.

Eine konsequente Pointe für dieses verrückte Endspiel, das während der 90 Minuten und noch lange danach ein Füllhorn ungebremster Emotionen bot. Dass der während des Turniers überall gefeierte Lukaku nach fünf Minuten ein doppeltes Rekord-Tor erzielt hatte – er traf im elften Spiel in Folge und früher als jeder andere in Finali des Wettbewerbs -, dann aber einen spektakulären Fallrückzieher von Diego Carlos ins eigene Tor bugsierte, stand dafür am Ende sinnbildlich.

Banega vs. Conte
Und das taten auch die beiden Trainer. Hier Sevillas Julen Lopetegui, der nach seinen Rauswürfen bei der spanischen Nationalmannschaft und bei Real Madrid 2018 verspottet wurde. Und nun, nach seiner Premieren-Saison in Andalusien, mit Tränen in den Augen von seinen Spielern in die Luft geworfen wurde. Dort Antonio Conte, dem die Krönung seines starken ersten Inter-Jahres verwehrt geblieben war. Noch dazu legte er sich auf dem Feld mit Sevillas Mittelfeldspieler Ever Banega an, der sich angeblich über seine Haarpracht lustig machte.



Der Argentinier griff sich durch die Haare und rief laut Medienberichten: „Lass mich sehen, ob diese Perücke echt ist.“ Conte, der eine Haartransplantation hatte und deswegen eine Perücke trägt, war außer sich vor Wut. „Ich warte später draußen auf dich“, soll der Inter-Trainer Banega nachgebrüllt haben.

Antonio Conte sah anschließend die gelbe Karte. © APA/afp / MARTIN MEISSNER


Der 51-Jährige, der sich mit der Vereinsführung angelegt hatte, lavierte bei Fragen nach seiner Zukunft extrem herum. Er habe auch ein Privatleben, sagte der italienische Ex-Nationalspieler, es sei eine schöne Zeit gewesen, er bereue nichts. Allerdings deutete Conte auch einen Verbleib bei den Nerazzurri an.
Luuk de Jong, der Held des Abends
Dass ihn letztlich neben Lukakus Missgeschick vor allem der einst in Mönchengladbach als Flop beurteilte Luuk de Jong mit zwei Kopfball-Toren den Titel kostete, war eine weitere unglaubliche Geschichte dieses Abends. Auf seine unglückliche Zeit wenige Kilometer entfernt in Gladbach von 2012 bis 2014 wollte der Niederländer nach dem Spiel nicht mehr eingehen. „Dass dieses Spiel in Deutschland stattfand, ist schon etwas Besonderes“, sagte er dennoch mit einem schelmischen Grinsen: „Denn es ist nahe meiner Heimat.“

Luuk De Jong erzielte am Freitagabend zwei Tore. © APA/afp / INA FASSBENDER

De Jong wuchs rund 200 Kilometer von Köln entfernt im Gelderland auf. Im Kölner Stadion war er vor seinem ersten großen Abend mit dem 2:1-Siegtor gegen Manchester United im Halbfinale noch nie aufgelaufen – während seiner beiden Gladbach-Jahre spielte der heimische FC in der 2. Bundesliga.
„Dieses Turnier gehört Sevilla“
In beiden Spielen hatte Sevilla zurückgelegen und gewann schließlich ohne Verlängerung. Das zeigt die Mentalität des Teams. Und den Glauben an sich in der Europa League. Mit sechs Titeln – alle seit 2006 – ist Sevilla Rekord-Gewinner im kleinen Europacup. „Dieses Turnier gehört dem Klub – und das weiß die UEFA auch“, schrieb die Mundo Deportivo. „Wir haben den Jackpot“, sagte Lopetegui strahlend.

Autor: apa/dpa/reuters

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