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Bozen und Klagenfurt schenkten sich in der Eiswelle nichts © Vanna Antonello / Vanna Antonello/HCB

Nach 121 Minuten! HCB verliert Rekordschlacht gegen den KAC

In der Bozner Eiswelle wurde am Freitag EBEL-Geschichte geschrieben: Der HCB und der KAC lieferten sich in Spiel zwei der Playoff-Viertelfinalserie einen packenden und nicht enden wollenden Playoff-Fight, der erst nach der Rekordzeit von 120.53 Minuten entschieden wurde.

Wieder tapfer bis zum Umfallen gekämpft, wieder knapp verloren: Der HCB musste im ersten Playoff-Heimspiel gegen den KAC dem österreichischen Rekordmeister knapp mit 3:4 den Vortritt lassen. Besonders bitter ist die Niederlage deshalb, weil Bozen über weite Strecken eine überzeugende Leistung zeigte und den Klagenfurtern lange Zeit mehr als nur ebenbürtig war – am Ende jubelten allerdings die Gäste aus Kärnten.

Als Siegtorschütze dieser geschichtsträchtigen Partie durfte sich Johannes Bischofberger feiern lassen, der in der vierten Verlängerung zum entscheidenden 4:3 traf und damit für das Ende der längsten Begegnung der Geschichte der Erste Bank Eishockey Liga sorgte. Insgesamt dauerte die Eishockey-Schlacht zwischen den „Foxes“ und den „Rotjacken“ vier Stunden und 53 Minuten – neuer EBEL-Rekord.

Rittens Tauferer wieder mit dabei

Der Reihe nach: Weil die Bozner Personalsituation im Vergleich zum Playoff-Start am Mittwoch unverändert blieb, bot HCB-Trainer Clayton Beddoes – bis auf den Rittner Ivan Tauferer, der als sechster Verteidiger die weiß-rote Hintermannschaft verstärkte – dieselben Spieler wie bei der 4:5-Overtime-Niederlage in Klagenfurt auf. Das Trio Leland Irving, Matt MacKenzie sowie Andrew Crescenzi, dessen Saison bereits zu Ende ist, stand ebenso wie der weiterhin verletzte Brett Findlay nicht im Aufgebot der Talferstädter. Auf der anderen Seite musste auch KAC-Trainer Petri Mitikainen auf ein Quartett verzichten: Manuel Geier, Marco Richter, der Ex-Bozner Robin Gartner und Christoph Duller fielen aus – dafür kehrte Stammtorwart Lars Haugen wieder ins Klagenfurter Tor zurück.

Gäste dominieren das Startdrittel

Für die Bozner begann die Partie denkbar schlecht: Nach einem kurzen Abtasten übernahm Klagenfurt sofort die Kontrolle und ging früh in Führung. Kozek erwischte den ansonsten bärenstarken HCB-Torwart Smith mit einem Bauerntrick am falschen Fuß und schob den Puck am verdutzten Schlussmann vorbei zum 1:0 ins kurze Eck. Auch nach der verdienten Führung blieben die Gäste am Drücker und ließen Bozen nur sehr schwer ins Spiel kommen. Allen voran der KAC-Paradeblock Kozek-Koch-Petersen sorgte immer wieder für Gefahr vor dem Tor der „Foxes“.

Nachdem sich Bozen in der Anfangsphase nur mit viel Mühe aus der eigenen Zone befreien konnte, fiel gegen Mitte des Startabschnitts wie aus dem Nichts der Ausgleich: Miceli überließ die Scheibe dem aufgerückten Glira, der mit einem leicht abgefälschten Schuss ins lange Eck das 1:1 besorgte. Danach gestalteten die Bozner die Begegnung etwas offener, auch wenn die „Rotjacken“ das optisch bessere Team blieben.

Spiel auf des Messers Schneide

Tat sich Bozen im Startdrittel noch schwer, so waren die Hausherren spätestens ab dem Mitteldrittel voll im Spiel. Kapitän Anton Bernard und Co. kamen aggressiv aus den Kabinen und belohnten sich im Powerplay mit der Führung: Catenacci legte ab auf Abwehrmann Campbell, der per Onetimer zum 2:1 traf. KAC-Schlussmann Haugen machte dabei – ebenso wie beim 1:1 – nicht die beste Figur. Es dauerte aber nicht lange, bis die Kärntner zurückschlugen: Verteidiger Harand nutzte in Überzahl einen Ausrutscher von Petan ideal aus und stellte mit einem Hammer von der blauen Linie auf 2:2.

Unmittelbar danach hatten Insam und Petan die neuerliche Bozner Führung auf dem Schläger, doch beide zeigten alleinstehend vor Haugen Nerven. In der Folge wurde die Partie härter – mehrere Nicklichkeiten und kleinere Raufereien nahmen dem Match etwas den Spielfluss. Erst gegen Ende des Drittels nahm die Begegnung wieder Fahrt auf: Zuerst traf Petersen im Powerplay zum 3:2 der Gäste, nur wenige Augenblicke später brachte Miceli mit einem abgefälschten Glira-Abschluss die Partie wieder ins Gleichgewicht.

Eishockey bis nach Mitternacht

Im Schlussabschnitt ging das ausgeglichene Hin und Her weiter. Bozen blieb seinem einfachen, schnörkellosen Spielstil treu und bot dem KAC – auch mit der nötigen Portion Härte – ordentlich Paroli. Die Gelegenheiten, die sich beide Mannschaften in den letzten 20 Minuten der regulären Spielzeit erarbeiteten, blieben jedoch allesamt ungenutzt – so musste die Partie in der Verlängerung entschieden werden.

In der Overtime bot sich den Zuschauern zunächst dasselbe Bild wie in der Schlussphase der regulären Spielzeit: Gelegenheiten gab es auf beiden Seiten, Tore fielen aber keine. Je länger die Begegnung dann dauerte, desto mehr schwanden bei den Bozner Cracks die Kräfte. Der KAC wirkte zwar körperlich frischer, doch die „Foxes“ stemmten sich mit allen noch vorhandenen Mitteln dagegen und hatten darüber hinaus in Jake Smith einen sichern Rückhalt, der in brenzligen Situationen immer wieder über sich hinauswuchs.

Bischofberger zerstört Bozner Hoffnungen

Nach drei torlosen Verlängerungen war es zu Beginn der vierten Verlängerung schließlich so weit: Einen Schuss von Wahl konnte Smith nicht festhalten, den Abpraller lenkte Bischofberger zum 4:3 in die Maschen und sorgte so um sieben Minuten nach Mitternacht für den „plötzlichen Tod“ der Bozner.

Zeit zum Ausruhen gibt es für beide Mannschaften keine: Bereits am Sonntag stehen sich der KAC und der HCB in der dritten Partie der Best-of-Seven-Serie erneut gegenüber. Spielbeginn in Klagenfurt ist um 17.30 Uhr.

HCB Südtirol Alperia – Klagenfurter AC 3:4 n. V. (1:1, 2:2, 0:0, 0:0, 0:0, 0:0, 0:1)

Klagenfurt: Haugen (Madlener); Comrie-Fischer; Harand-Schumnig, Strong-Unterweger, Schnetzer-Kreuzer; Kozek-Koch-Petersen, Hundertpfund-Wahl-Bischofberger, Obersteiner-Neal-Geier, Kraus-Liivik-Witting
Coach: Petri Mitikainen

Bozen: Smith (Treibenreif); Nordlund-Marchetti, Geiger-Campbell, Glira-Tauferer; Miceli-Bernard-Blunden, Brace-Carozza-Petan, Frigo-Catenacci-Insam, Deluca-Kuparinen-Frank, Schweitzer.
Coach: Clayton Beddoes

Tore: 0:1Andrew Kozek (3.47), 1:1 Daniel Glira (14.27), 2:1 Tim Campbell (25.47), 2:2 Patrick Harand (31.48), 2:3 Nicholas Petersen (39.25), 3:3 Angelo Miceli (39.45), 3:4 Johannes Bischofberger (120.53)

Schüsse: 54:66

Strafminuten: 20:24

Zuschauer: 3.650

Stand in der Best-of-Seven-Serie: 0:2

Die weiteren Spiele:

Znojmo – Wien 4:3 (2:2, 2:1, 0:0)
Tore: 0:1 Wall (7.53), 0:2 Nissner (12.38), 1:2 Lattner (17.40), 2:2 Stretch (18.20), 2:3 Vause (22.52), 3:3 Kalus (35.01), 4:3 Spacek (38.17)
Zuschauer: 3.342

Stand in der Best-of-Seven-Serie: 1:1

Linz – Graz 4:3 n. V. (1:1, 2:0, 0:2, 1:0)
Tore: 1:0 DaSilva (6.02), 1:1 Kirchschläger (13.45), 2:1 Kapstad (22.56), 3:1 DaSilva (24.47), 3:2 King (49.42), 3:3 Oberkofler (59.49), 4:3 Kapstad (61.04)
Zuschauer: 4.700

Stand in der Best-of-Seven-Serie: 1:1

Salzburg – Fehervar 3:2 n. V. (1:0, 0:2, 1:0, 1:0)
Tore: 1:0 Gazley (9.28), 1:1 Erdely (20.57), 1:2 Luttinen (23.45), 2:2 VandeVelde (58.02), 3:2 Duncan (62.20)
Zuschauer: 2.780

Stand in der Best-of-Seven-Serie: 1:1

Autor: sn

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