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Diego Kostner befindet sich in seiner Wahlheimat Bellinzona. © privat

Diego Kostner: „Ich will diese Saison vergessen“

Vier Einsätze in der Champions Hockey League, einen in der höchsten Schweizer Liga – dann war Schluss für Diego Kostner. Seit einem halben Jahr hat Südtirols bester Eishockey-Export keinen Puck mehr geschossen, stattdessen sämtliche Saisonhighlights mit Ambrì Piotta verpasst und alle Einladungen der Nationalmannschaft abgelehnt. Im Telefongespräch mit SportNews blickt Kostner auf die schwierigste Zeit seiner Karriere.

Diego Kostner, Sie haben seit Monaten auf Ihr Comeback hingearbeitet, mussten es dann aber immer wieder verschieben. Wie geht es Ihnen jetzt?

„Mir geht es mittlerweile richtig gut, meine Leistenverletzung ist ausgeheilt. Den Corona-Maßnahmen zum Trotz darf ich noch zur Physiotherapie gehen. Zum einen komme ich so für ein paar Stunden raus, zum anderen kann ich mich durch die Übungen weiter in Form bringen.“

„Ich denke oft an Familie und Freunde in Gröden“

Befinden Sie sich zurzeit noch in der Schweiz?

„Genau, ich habe meinen Wohnsitz in Bellinzona und kann zurzeit nicht in meine Heimat reisen. Im Tessin gelten ähnliche Vorschriften wie in Italien. Ich denke oft an meine Familie und Freunde, zumal die Ausbreitung des Coronavirus in Gröden verhältnismäßig stark ist. Ich kann nur an alle appellieren: Haltet euch an die Regeln! Wir müssen alle an einem Strang ziehen, um diese Ausnahmesituation baldmöglichst hinter uns zu lassen.“


Werfen wir einen Blick zurück. Was nehmen Sie mit aus dieser Saison, die für Sie gerade einmal fünf Pflichtspiele lang war?

„Da bleibt für mich persönlich wenig Positives. Die vier Champions-League-Spiele im Spätsommer waren eine fantastische Erfahrung. Nach München haben uns mehr als tausend Fans begleitet, auch das Spiel in Karlstadt war ein tolles Erlebnis. Ich war richtig gut in Schuss, als plötzlich dieses Leistenproblem auftrat. Die ersten Wochen waren besonders hart, weil ich keine klare Diagnose hatte. Auf der Suche nach einer passenden Behandlung bin ich quer durch Europa gereist, von Zürich nach Mailand, dann nach Barcelona. Dort wurde ich Ende des Jahres schließlich operiert. Von da an hatte ich endlich Klarheit über die Dauer meines Ausfalls.“

„Auf der Suche nach einer passenden Behandlung bin ich quer durch Europa gereist, von Zürich nach Mailand, dann nach Barcelona“

Wie sehr schmerzt es, diese für Ambrì Piotta so besondere Saison nicht am Eis miterlebt zu haben?

„Zum Glück konnte ich in der CHL noch für Ambrì auflaufen. Für den Klub waren das historische Spiele. Besonders ärgert mich aber, dass ich den Spengler Cup verpasst habe. Dieses Turnier ist etwas ganz besonderes, das weiß ich aus meiner Zeit in Lugano, als ich zum ersten und bislang einzigen Mal zum Jahresende nach Davos durfte.“

Diego Kostner will endlich wieder im Ambrì-Dress jubeln. © Saurenmann / Facebook HCAP


Sie haben auch die letzten Spiele von Clayton Beddoes als Nationaltrainer verpasst. Hat Sie der Wechsel an der Bande überrascht?

„Ja, ich hätte mir nie gedacht, dass es so schnell zu einer Trennung kommen würde. Durch meine Verletzung fehlt mir die Nähe, um beurteilen zu können, was hinter den Kulissen passiert ist. Ich weiß aber, dass mit Greg Ireland eine hervorragende Lösung gefunden wurde. Er hat in Lugano gute Arbeitet geleistet und auch nach seinem Amtsantritt beim HC Bozen gezeigt, dass er ein Team mit seiner Art, Eishockey zu lehren, nach vorne bringen kann. Ich hoffe, dass er dem Blue Team langfristig weiterhilft.“


Wie sieht Ihre langfristige Planung aus? Sie haben bei Ambrì noch einen Vertrag bis Sommer 2021.


„Zunächst einmal will ich diese Saison einfach vergessen und im August neu durchstarten. Ich fühle mich in der Schweiz und speziell beim HC Ambrì Piotta pudelwohl. Dieser Verein mitsamt seinem Kultstatus, die Fans und auch meine Mannschaftskameraden sind mir die vergangenen fünf Jahre sehr ans Herz gewachsen. Ich würde sehr gerne über den Sommer 2021 hinaus hier bleiben. Was dann im Endeffekt die nächsten Jahre auf mich zukommt, wird sich zeigen.“


Fragen: Alexander Foppa

Autor: fop

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