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Uli Hoeneß wird in der nächsten Woche als TV-Experte zu sehen sein. © APA/afp / CHRISTOF STACHE

Interview | Uli Hoeneß: „Müller wird bei der EM spielen“

Uli Hoeneß hat einen neuen Job. Der Ehrenpräsident des FC Bayern München wird bei den drei WM-Qualifikationsspielen der Fußball-Nationalmannschaft gegen Island, Rumänien und Nordmazedonien als TV-Experte auftreten. Im Interview nimmt Hoeneß auch Stellung zu Joachim Löw, Thomas Müller und die EM-Chancen der Deutschen.

„Mich reizt das ungemein“, sagt Hoeneß im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Er will sagen, was Sache ist, auch nach dem Abpfiff im Gespräch mit Bundestrainer Joachim Löw.


Mit 69 Jahren machen Sie noch einmal etwas Neues und werden als RTL-Experte die anstehenden Länderspiele verbal begleiten. Was ist Ihre Motivation?

Uli Hoeneß: „Aber es gibt einige Gründe, warum ich das mache. Erstens hat RTL unheimlich um mich geworben. Mich reizen Herausforderungen. Ich habe so etwas noch nie gemacht, und die, die es gemacht haben, habe ich belächelt. Jetzt sehe ich das als Herausforderung.“


Sie standen und stehen für Klartext: Welche Art Experte dürfen die Zuschauer erwarten? Blüht Joachim Löw die Abteilung Attacke?

Hoeneß: „Nein. Erstens bin ich kein Kommentator während des Spiels, sondern schaue es mir im Studio an. Wir werden vor dem Anpfiff über die Situation des deutschen Fußballs sprechen, in der Halbzeitpause und nach dem Spiel. Da werden wir dann auch ein Gespräch mit Jogi Löw führen. Und da werde ich sagen, was ich gesehen habe. Ich werde mich sicherlich auch mit der aus meiner Sicht schwierigen Situation beim DFB beschäftigen. Ich sehe es als großes Problem an, was da im Moment passiert.“

Den Rückzug von Joachim Löw hält Hoeneß für richtig. © AFP / FABRICE COFFRINI


Frage: Sie wollen lieber über das große Ganzen reden als über falsche Neuner, Gegenpressing oder taktische Systeme?

Hoeneß: „Das sollen Kommentator Marco Hagemann und der ehemalige Nationalspieler Steffen Freund als Co-Kommentar während des Spiels machen. Die können sich mit der 'falschen Acht' und der 'krummen Neun' beschäftigen. Ich werde den Einsatz der Spieler bewerten und ob nach dem 0:6 in Spanien ein Aufwärtstrend zu sehen ist.“


Nach dem 0:6 gegen Spanien gab es heftige Debatten über Joachim Löw. Nun hat er seinen Rückzug als Bundestrainer nach der EM im Sommer angekündigt. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Hoeneß: „Ich habe sie sehr begrüßt, weil Jogi damit das Heft des Handelns wieder in die Hand bekommen hat. Er wäre doch zum Spielball geworden. Nach jedem Länderspiel hätte man die Trainerfrage gestellt. So hat er Fakten und klare Verhältnisse geschaffen. Ich finde es auch gut, dass er das frühzeitig angekündigt hat. Jetzt kann sich der DFB in aller Ruhe um die Nachfolge kümmern. Ich bin überzeugt, dass beim DFB ohnehin viel zu verändern ist – nicht nur der Bundestrainer.“
„Man kann nicht 0:6 in Spanien verlieren und dann sagen, zur EM fahre ich als Favorit.“
Uli Hoeneß über die EM-Chancen des DFB-Teams

Was erwarten Sie vom Nationalteam in den anstehenden Partien? Und was ist drin für Deutschland bei der Europameisterschaft?

Hoeneß: „Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft viel besser spielen wird als zuletzt. Ich erinnere an die Überbelastung der Spieler vom FC Bayern im vergangenen Herbst. Teilweise waren sie gar nicht dabei oder verletzt. Jetzt muss man sehen, wen Jogi Löw gegen Island zur Verfügung hat. Wenn die Mannschaft relativ komplett ist, ist immer mit ihr zu rechnen.“


Ist Löws Team aktuell ein Titelkandidat bei der EM?

Hoeneß: „Nein. Man kann nicht 0:6 in Spanien verlieren und dann sagen, zur EM fahre ich als Favorit. Aber Deutschland als Außenseiter ist vielleicht auch mal eine gute Ausgangsposition.“

Rückkehr ins DFB-Team? Hoeneß sieht die Chancen für Thomas Müller intakt. © AFP / JUAN MABROMATA


Sieben Bayern-Profis stehen in Löws Kader. Über einen, der nicht dabei ist, wird heiß debattiert: Thomas Müller. Glauben Sie, dass ihn Löw für die EM zurückholt?


Hoeneß: „Jogi Löw kennt meine Meinung. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die deutsche Nationalmannschaft bei der EM mit Thomas Müller spielen wird.“


Wie haben Sie dem Bundestrainer das begründet?

Hoeneß: „Man kann ja nicht auf einen Spieler verzichten, der in der Bundesliga und in der Champions League eine prägende Figur ist beim FC Bayern. Es geht ja nicht um eine Nachwuchsmannschaft, die man aufbauen muss, sondern um eine Mannschaft, die etwas gewinnen soll. Thomas gehört zweifellos zu den Besten in Deutschland. Deshalb muss er bei der Europameisterschaft spielen.“


Sie haben die Suche nach einem Nachfolger für Löw schon angesprochen. Viele Namen wurden und werden genannt, Jürgen Klopp, Ralf Rangnick, Lothar Matthäus, natürlich auch Bayern-Trainer Hansi Flick. Wer sollte es werden?

Hoeneß: „Das kann ich nicht sagen. Das sollen Oliver Bierhoff und der DFB in aller Ruhe entscheiden. Ich finde es gut, dass man sich Zeit lassen will. Es gibt sicherlich die eine oder andere Möglichkeit – und am Ende muss der Schuss sitzen.“
„Sie haben im Moment Borussia Dortmund als großen Bayern-Verfolger eindeutig abgelöst.“
Uli Hoeneß über RB Leipzig

Was würden Sie von einem spektakulären Trainertausch halten: Flick zum DFB und Löw zum FC Bayern?

Hoeneß: „Naja, jetzt wollen wir uns nicht die Köpfe der anderen zerbrechen. Karl-Heinz Rummenigge hat sich ja ziemlich festgelegt, was Hansi Flick anbelangt. Und dem ist im Moment nichts hinzuzufügen.“


Zum Abschluss noch eine Frage zum Bundesliga-Titelkampf. Nach der Länderspielpause kommt es zum Showdown zwischen RB Leipzig und Ihren Bayern. Sind die Leipziger inzwischen schon auf Augenhöhe?

Hoeneß: „Die Leipziger spielen eine überragende Saison. Sie sind auch viel konstanter geworden. Da wird gute Arbeit geleistet. Sie haben im Moment Borussia Dortmund als großen Bayern-Verfolger eindeutig abgelöst. Das wird ein super Fußballspiel. Für uns ist es wunderbar, dass wir mit vier Punkten Vorsprung nach Leipzig fahren können. Leipzig muss also kommen. Denn wenn sie nicht gewinnen, werden sie sicherlich nicht Meister. Dieses Spiel hat darum einen großen Reiz.“

Autor: dpa

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