a Serie C

Silvio Berlusconi ist seit September 2018 Eigentümer von SS Monza. © ANSA / Fabrizio Radaelli

Berlusconis Serie-A-Pläne mit Monza: Keine Tattoos und Bärte

Silvio Berlusconi hat im September 2018 den Drittligisten Monza übernommen. Derzeit spielt der Tabellensiebte noch in einer Liga mit dem FC Südtirol – doch das soll sich laut Berlusconi schlagartig ändern. Der 82-Jährige träumt von Spielen gegen seinen Ex-Verein, dem AC Milan, – und einer Mannschaft die „etwas ganz anders darstellt als den derzeitigen Fußball“.

„Wir haben mit Monza ganz besondere Regeln im Sinn“, sagte Berlusconi kurz nachdem er den Klub mit seiner Holding-Gesellschaft, Fininvest, im September des vergangenen Jahres für rund drei Millionen Euro gekauft hatte. „Unsere Spieler sollen eine ordentliche Frisur haben, keinen Bart und frei von Tattoos sein. Auch Ohrringe und anderer Schmuck sollen tabu bleiben.“

Berlusconi will auf italienische Spieler setzen
Der Klub werde „etwas ganz anderes als den derzeitigen Fußball“ darstellen. Monzas Spieler sollen für Korrektheit auf dem Platz stehen, sie werden gar den Schiedsrichter wie einen Signore behandeln, sich bei Gegenspielern für Fouls entschuldigen, sie sollen Autogramme ordentlich schreiben und nicht irgendwas Unleserliches kritzeln. Und vor allem sollen sie Italiener sein. „Ich glaube und hoffe, dass Monza eine Ausnahme in einer Fußball-Zeit voller fremder, unverständlicher und unaussprechlicher Namen sein wird“, sagte Berlusconi.
Monza noch nie in der Serie A
Monzas Vergangenheit ist in etwa das Gegenteil zu Berlusconis: unspektakulär und langweilig. Monza ist der Klub mit den meisten Saisonen in der Serie B (38), ohne jemals erstklassig gespielt zu haben. Seit 2001 pendelt der Klub aus der nordöstlichen Mailänder Vorstadt zwischen der dritten und vierten Liga.

Berlusconi will im kleinen Monza seine eigene Welt zeichnen. Wie damals, als er Italien noch regierte und sein AC Milan die halbe Fußballwelt. Mit Trainergrößen wie Arrigo Sacchi oder Carlo Ancelotti gewann Milan unter seiner Regie insgesamt fünf Mal die europäische Königsklasse. Dies geschah alles zu einer Zeit, als es noch keine Staaten gab, die Vereine finanzierten.
Adriano Galliani als Manager, Cristian Brocchi als Trainer
Geschäftsführer des Klubs ist der 74-jährige Adriano Galliani. Natürlich Galliani, Berlusconis ewiger Weggefährte bei Milan und auch sonst überall. Für den ehemaligen Milan-Geschäftsführer war es eine Heimkehr, er stammt aus Monza und wuchs hier auf: „Ich bin in Monza geboren, ich bin Monza-Fan. An Milan wurde ich nur ausgeliehen, und jetzt bin ich wieder zurück“, sagte Galliani bei seiner Antrittspressekonferenz. Schon in den 1980er Jahren arbeitete er mal beim Klub.

Treue Weggefährten: Silvio Berlusconi und Adriano Galliani. © ANSA / LIVIO ANTICOLI

Relativ bald erachtete Berlusconi bei seinem neuen Klub auch einen Trainerwechsel als unumgänglich und installierte den langjährigen Milan-Mittelfeldspieler (2001-2008) und kurzzeitigen Interimstrainer (2016) Cristian Brocchi. Dank Berlusconi träumt Monza von seinem ersten Serie-A-Aufstieg. „In zwei Jahren spielen wir das Derby gegen Milan in der Serie A“, versicherte Galliani.

Aktuell hechelt Monza aber lediglich den besten Klubs der Serie C (Gruppe B) hinterher. Monza befindet sich als Siebter zwar immerhin in der neun Plätze umfassende Play-off-Zone, der Rückstand auf Tabellenführer Pordenone, der fix aufsteigt, beträgt aber bereits 13 Punkte. Der Verein aus der 122.000-Einwohnerstadt hat „nur“ einen Zähler mehr als der FC Südtirol auf seinem Konto. Für die angedachte Aufholjagd kamen im Winter kurzerhand 16 neue Spieler, unter anderem die früheren Serie-A-Profis Enrico Bearzotti und Marco Fossati von Hellas Verona, in die Lombardei.
Monza eigentlich bekannt durch die Formel 1
Die Monza-Spiele schaue sich Berlusconi wegen seiner zahlreichen anderen Verpflichtungen immer nur im TV an, heißt es. Aber wer weiß, vielleicht wird Monza in Zukunft nicht nur wegen seiner Formel-1-Strecke bekannt sein, sondern auch für eine erfolgreiche und einzigartige Fußballmannschaft.

Autor: dl

Empfehlungen

Kommentare (0)

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen..

© 2020 Sportnews - IT00853870210