Isolde Kostner, Laura Sberna, Arianna Bazzo, Alessia Vigilia, Antonella Bellutti und Valentina Turisini (von links nach rechts). © DLife/Fiorentino

Diskussionsrunde: Die Rolle der Frau im Sport

Am Mittwochabend fand im Kulturzentrum Trevi in Bozen eine Podiumsdiskussion zum Thema: „Die Rolle der Frau im Sport“ statt. Insgesamt sechs Olympiamedaillen und fünf WM-Medaillen waren am Podium versammelt. Daneben noch andere Frauen, die im Sport „ihren Mann“ stellen.

Hochkarätige Redner versammelten sich am Mittwochabend im Kulturzentrum Trevi in der Bozner Kapuzinergasse. Die ehemalige Schifahrerin Isolde Kostner, die Sportschützin Valentina Turisini, die ehemalige Rad- und Bobfahrerin Antonella Bellutti, das junge Radtalent Alessia Vigilia und die beiden Schiedsrichterinnen der Sektion Bozen Laura Sberna und Arianna Bazzo.
Moderator Daniele Maganin befragte die Rednerinnen zur Rolle der Frau im Sport. Einführend wurden die Gesprächsteilnehmerinnen allgemein zum Sport befragt, wie sie zu Ihrer Sporttätigkeit kamen, welche Emotionen, Freuden, Opfer und auch Enttäuschungen sie während ihrer Karriere erlebten. Alle Sportlerinnen waren sich einig, dass der Sport sie im Leben unterstützt, denn Situationen die man im Sport erlebt, findet man auch immer wieder im täglichen Leben wieder.

Isolde Kostner


Die ehemalige Speedspezialistin Isolde Kostner, sie gewann drei Olympia- und drei WM-Medaillen meinte in diesem Zusammenhang: „Sicherlich gibt es Situationen im Sport, die mit dem Leben vergleichbar sind. Der Unterschied ist aber, dass zum Beispiel Erfolge im privaten Leben viel länger dauern können. Im Sport kann es sein, dass man bei einer Doppelabfahrt am Samstag gewonnen hat und der Star war, am Sonntag nur mehr 15. wurde. Der Erfolg vom Samstag ist am Sonntag fast schon vergessen“. Auch beim Thema Angst gab Kostner tiefe Einblicke: „Meine größte Schwäche in den schnellen Disziplinen waren die Sprünge. Ich hatte Angst. Beim ersten Training bremste ich oft, beim zweiten Training weniger. Im Rennen dachte ich immer, die Angst vor dem Sprung dauert nur eine Sekunde, dann bin ich über den Sprung und die Angst ist wieder weg. Das hat mir sehr geholfen“.

Antonella Bellutti


Die zweifache Goldmedaillengewinnerin im Radsport 1996 und 2000 Antonella Bellutti meinte: „Es ist immer wieder schön nach Bozen zu kommen, dort wo meine sportliche Karriere begann. Im Sport braucht es eine große Leidenschaft. Um aber ganz nach oben zu kommen, benötigt man auch das notwendige Talent. Heute muss man sich im Sport schon frühzeitig spezialisieren. Wenn man einmal auf einem bestimmten Niveau ist, dann bestimmt vor allem der Kalender das Leben. Für andere Sachen bleibt dann nur mehr wenig Zeit“.

Valentina Turisini


Die Silbermedaillengewinnerin bei Olympia 2004 in Athen im Sportschießen Valentina Turisini erzählte: „Der Sport hat mich gelehrt, dass man Grenzen im positiven auch überschreiten kann. Auch noch heute helfe ich als Nationaltrainerin bei den Sportschützen, meinen Sportlern diese Grenzen zu überschreiten. Für mich war mein Sport immer eine große Freude, für den ich gerne bereit war Opfer zu bringen, die für mich schlussendlich keine Opfer waren“.

Alessia Vigilia


Die Junioren-WM-Silbermedaillengewinnerin im Radsport Alessia Vigilia meint zu ihrer Sporttätigkeit: „Der Sport ist wie das Leben. Es wird einem nichts geschenkt, man muss sich alles erarbeiten und erkämpfen. Wenn man aber Freude an seinem Sport hat, dann fällt einem alles leichter. Bei der letzten Junioren-WM holte ich Silber. Gold verfehlte ich nur um sechs Sekunden. Ich betone aber auch heute noch, dass ich Silber gewonnen habe und nicht Gold verloren, auch weil die Goldmedaille meine Mannschaftskollegin Elena Pirrone gewonnen hatte“.

Laura Sberna und Arianna Bazzo


Besonders im Fokus stehen Sonntag für Sonntag die beiden Schiedsrichterinnen Laura Sberna und Arianna Bazzo. Beide pfeifen in Südtirol in der Männerdomäne Fußball. Arianna Bazzo: „Am Anfang wurde man genau beobachtet als Schiedsrichterin. In der Zwischenzeit haben sich die Fußballer daran gewöhnt, dass Frauen ihre Spiele leiten. Es ist immer eine große Genugtuung, wenn die Spieler einem nach dem Spiel zur persönlichen Leistung gratulieren. Das Regelwerk kann jede Frau und jeder Mann lernen, da sind wir absolut gleich. Wo die Frauen Defizite haben ist im körperlichen Bereich. Das heißt eine Frau wird es schwer haben in der Serie A zu pfeifen, denn da geht es einfach sehr schnell zu“. Laura Sberna bestätigte das Gesagte ihrer Kollegin und fügte hinzu: „Wichtig ist nie aufgeben, auch wenn es Rückschläge gibt. Ich habe bereits vor 15 Jahren als Schiedsrichterin begonnen und die Erfahrungen haben mir im Studium und auch in vielen anderen Lebenslagen sehr geholfen“.

Gleichberechtigung im Sport zwischen Mann und Frau


Was die Gleichberechtigung im Sport zwischen Mann und Frau betrifft waren sich alle Beteiligten einig. Männern und Frauen müssen die gleichen Möglichkeiten haben ihren Sport ausüben zu können. Es gibt Gesetze die diese Angelegenheit schon seit Jahrzehnten regeln, doch bisher hat man nur sehr kleine Schritte in diese Richtung unternommen.
Auch die Aufnahmen in die Sportgruppen müsste besser geregelt werden. Antonella Bellutti meinte, dass die Entscheidung welcher Sport in den Sportgruppen unterstützt werden soll und welche Sportler aufgenommen werden, das Sportministerium entscheiden sollte und nicht die einzelnen Sportgruppen.

Rosa Quote


Bellutti sprach sich auf für die sog. Rosa Quote aus. „Anfangs als man über diese sprach, war ich nicht überzeugt. Jetzt tendiere ich immer mehr zu dieser Quote, auch weil sie uns vermutlich weiterbringt. Die Menschen gewöhnen sich an alles. Ich vergleiche das mit dem Rauchen. In Italien gibt es das Gesetz, dass in Bars und Restaurants nicht mehr geraucht werden darf. Am Anfang gab es einige Zwischenrufe, jetzt haben sich alle daran gewöhnt und niemand regt sich mehr auf. So wird es auch mit der Frauenquote gehen. Kaum haben sich alle daran gewöhnt, dann regt sich niemand mehr auf“.

Vergleich oft auch nicht erwünscht


Isolde Kostner versuchte anhand eines Beispiels zu zeigen, dass der Vergleich zwischen Männer und Frauen oft auch nicht gewünscht wird: „Lindsay Vonn, die wohl beste Schifahrerin aller Zeit in den Speeddisziplinen, wollte vor einigen Jahren den Vergleich mit den Herren. Als Piste hatte sie den Weltcuport Beaver Creek vorgeschlagen, denn auf dieser Piste absolvieren sowohl die Männer, als auch die Frauen eine Weltcupabfahrt. Die Verantwortlichen gaben Vonn aber nicht die Erlaubnis bei den Männern zu starten. Die Amerikanerin hätte vermutlich nicht gewonnen, aber ich könnte mir vorstellen, dass sie unter die zehn gefahren wäre. Dadurch hätte sie eine ganze Reihe von Männern geschlagen und das darf nicht passieren. Deborah Compagnoni galt vor einigen Jahren als die weltbeste Riesentorläuferin. Sie trainierte ab und zu mit dem Männerteam der Slowenen. Bei denen startete auch der bekannte Rennläufer Jure Kosir. Er war sicherlich im Slalom besser, als im Riesentorlauf, doch Compagnoni hängte in den Trainingsläufen die Männer auch um mehr als eine Sekunde ab. Natürlich wurde versucht, das vor der Presse zu verheimlichen.“

Nicht überall darf man Männer mit Frauen vergleichen

Alessia Vigilia
meint zum Vergleich von Männern und Frauen: „Man darf Männer und Frauen in bestimmten Sportarten einfach nicht vergleichen. Auch ich erlebe oft, dass gleichaltrige Sportler Vergleiche mit mir ziehen wollen, in Bezug auf die absolvierten Kilometer, auf die Geschwindigkeit und auf die Trainingsintensität“.

Problem: Sport ist immer noch Männerdomäne


Valentina Turisini meinte: „Der Sport im allgemeinen ist immer noch eine Männerdomäne. Die Verantwortlichen sind meist Männer und deshalb sind auch Trainer meist männlich. Ich habe das Glück, dass mein Verbandspräsident, der Kalterer Ehrenfried Obrist sehr offen ist. Er beurteilt seine Trainer nach Kompetenzen und Leistungen. Deshalb hatte ich auch die Chance als Frau den Posten der Cheftrainerin im Sportschießen zu übernehmen“.

Autor: christian morandell

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