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Der Unmut über die Vorgehensweise des IOC ist groß. © APA/afp / PHILIP FONG

IOC beschwört Olympischen Frieden – Proteste gegen Spiele

IOC-Präsident Thomas Bach ruft in Hiroshima zu Solidarität in der Welt auf, doch ungetrübt ist der Olympische Frieden eine Woche vor Beginn der Corona-Spiele in Japan nicht. Der Frust der japanischen Bevölkerung über die Veranstaltung der Spiele trotz der Pandemie ist groß.

Die Olympischen Spiele würden ein „Leuchtturm der Hoffnung auf eine bessere und friedlichere Zukunft“ werden, sagte Bach. Doch konnten seine Worte nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Japaner frustriert sind, wie das IOC trotz der Corona-Pandemie und breiter Ablehnung im Volk die Spiele durchzieht. Eine Online-Petition gegen seinen Hiroshima-Besuch unterzeichneten mehr als 70 000 Menschen.


Dass die Spiele trotz der Pandemie abgehalten würden, sei eine „Missachtung der Gesundheit und des Lebens der Menschen und zeigt, dass die Spiele kein “Fest des Friedens„ sind“, heißt es darin. Eine Bürgergruppe hatte Bach vorgeworfen, Hiroshimas Rolle als Botschafter des Weltfriedens zu missbrauchen und die Regierung zur Absage des Besuchs aufgefordert.

IOC kontert Kritik an Politisierung
Bach, der von Japans Organisationschefin Seiko Hashimoto begleitet wurde, verteidigte indes seinen Besuch, für den vor Ort ähnlich abgesperrt wurde wie beim Besuch des Papstes 2019. In der Ferne waren vereinzelt Stimmen zu hören, Bach sei „nicht willkommen“.

„Wir haben nichts mit Politik zu tun, wir werden diesen Besuch nicht politisieren“, versicherte Bach vor seiner Abreise. Er wolle mit seinem Besuch den ersten Tag des Olympischen Friedens würdigen und knüpfe an eine 3000 Jahre alte Tradition an, sagte der deutsche IOC-Chef. Zeitgleich reiste der Chef der Koordinierungskommission des IOC, John Coates, nach Nagasaki im Süden Japans und stattete dem dortigen Atombombenmuseum und der Friedens-Gedächtnishalle einen Besuch ab.

Der Countdown für die Olympischen Spiele läuft. © APA/afp / YUKI IWAMURA


Die Spiele werden am 23. Juli eröffnet. Eine Mehrheit der Japaner hält die Corona-Maßnahmen für die zehntausenden Teilnehmer jedoch für unzureichend. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Jiji Press erklärten 66,7 Prozent der Befragten, die Schutzmaßnahmen seien „nicht ausreichend“. Nur 12,7 Prozent finden sie ausreichend.
Gesundheit der Bevölkerung ist Priorität
Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga bekräftigte derweil, „sichere“ Spiele zu realisieren. „Um das Leben und die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen, werden gründliche Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Coronavirus ergriffen“, versicherte Suga auf einer Sitzung der mit Olympia beauftragten Mitglieder seiner Regierung.

In einem Interview der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo drückte Suga seine Hoffnung aus, dass sich die Coronalage soweit verbessert, dass doch noch Zuschauer bei den Spielen zugelassen werden könnten. Eine Absage der Spiele sei niemals als eine Option erwogen worden. Zuvor soll IOC-Chef Bach bei einem Treffen mit Suga laut Kyodo gesagt haben, Japan möge bei verbesserter Coronalage Zuschauer erlauben.
Tokio befindet sich auch für die gesamte Dauer der Spiele erneut in einem Notstand, da die Corona-Infektionen wieder deutlich steigen.

Am Freitag meldete die Hauptstadt des Landes 1271 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden und damit am dritten Tag in Folge mehr als 1000 Fälle. Am Vortag waren 1308 Neuinfektionen registriert worden, so viele wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Viele Japaner fürchten, dass die Spiele zu einem Superspreader-Ereignis werden.

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