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2 Mal Gold binnen 20 Minuten: Gianmarco Tamberi war Marcell Jacobs erster Gratulant. © APA/afp / ANNE-CHRISTINE POUJOULAT

Italiens goldener Sonntag: Ein Land steht Kopf

„Der größte Tag der italienischen Sportgeschichte“, so titeln gleich mehrere Medienhäuser im Stiefelstaat. Es ist der Versuch, all das in eine Schlagzeile zu packen, was Marcell Jacobs und Gianmarco Tamberi am Sonntagnachmittag in Tokio an schier Sensationellem geleistet haben.

Exakt 3 Wochen nachdem sich die Fußballer im Wembley-Stadion zu überraschenden und umjubelten Europameistern gekürt haben, findet Italiens Sport-Sommermärchen in Tokio seine Fortsetzung: Nach nur einer Woche Olympische Spiele halten die Azzurri bereits bei 27 Medaillen. Am Sonntag kamen fast zeitgleich zwei Goldene hinzu.


Es war kurz nach 15.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit, als Gianmarco Tamberi völlig überraschend die Goldmedaille im Hochsprung einfuhr. Gemeinsam mit Essa Mutaz Barshim aus Katar überquerte er 2,37 Meter, beide teilten sich den Olympia-Sieg.

Hochspringer Gianmarco Tamberi wälzte sich vor Glück am Boden. © APA/afp / JEWEL SAMAD


Der aus Civitanova stammende Tamberi konnte seinen Erfolg kaum fassen. Minutenlang lag er weinend auf dem Boden der Leichtathletik-Arena in Tokio. Kurz darauf warf er sich Marcell Jacobs jubelnd um den Hals. Dieser war gerade beim Auslaufen nach seinem Einsatz über 100 Meter – einem Einsatz, der von Gold gekrönt war.

Der 26-Jährige aus Desenzano am Gardasee war bereits mit Europarekord ins Finale eingezogen, überraschte dort die gesamte Sportwelt mit einem wahren Fabel-Lauf und einer neuerlichen kontinentalen Bestzeit von 9,80 Sekunden. Ein Italiener als Nachfolger des legendären Usain Bolt, der vor 5 Jahren mit der selben Zeit den Titel gewann!

Marcell Jacobs (r.) sprintete die 100 Meter in neuem Europarekord von 9,80 Sekunden. © APA/afp / JEWEL SAMAD


Es waren nicht nur die ersten Goldenen für Italiens Leichtathletik seit Alex Schwazers Sieg über 50 Kilometer Gehen 2008 in Peking, sondern 2 Erfolge, die im Stiefelstaat und weit darüber hinaus als schier unmöglich galten.

Dementsprechend euphorisch reagierte die italienische Presse. Der Bozner Rai-Kommentator Franco Bragagna schrie während der Live-Übertragung ein „Oro! Oro!“ (Gold! Gold!) ins Mikrofon, die Onlineportale reagierten nur Minuten später mit Titeln wie „Verrückter Jacobs: Gold einer Legende!!!“ (Gazzetta dello Sport) oder „Die legendäre Nacht des italienischen Sports“ (Corriere della Sera).
„Mario Draghi, der Ministerpräsident – eine Sekunde.“ Ein Anruf für Olympiasieger Marcell Jacobs

Lobhuldigungen erreichten die beiden Olympia-Helden allerdings nicht nur via Internet oder TV-Kamera, sondern auch über einen ganz besonderen Anruf. Italiens Regierungschef Mario Draghi ließ bei Jacobs und Tamberi durchklingeln und gratulierte zu deren Goldmedaillen. „Ich bin stolz auf euch. Ihr ehrt Italien“, sagte Draghi am Sonntag in Rom am Telefon. Der Anruf Draghis schien völlig überraschend gekommen zu sein. Jacobs war nämlich gerade bei einem Interview mit Journalisten, als ihm plätzlich jemand ein Handy reichte und sagte: .„Mario Draghi, der Ministerpräsident – eine Sekunde.“ Danach ging Jacobs einige Meter zur Seite, um zu telefonieren.

Im Internet brach derweil nach dem Sieg der beiden Sportler eine Welle der Glückwünsche aus. Zahlreiche Politiker gratulierten den beiden. Für Italien ist es nach dem Titelgewinn bei der Fußball-Europameisterschaft sportlich jedenfalls jetzt schon ein erfolgreiches, denkwürdiges Jahr.


Hier geht es zum Olympia-Medaillenspiegel.

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