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Im Vorfeld der Olympischen Spiele rückt der Sport in den Hintergrund. © ANSA / ROMAN PILIPEY / STF

Olympia-Boykott: „Wollen kein Spielball sein“

Seitdem sich die USA zu einem diplomatischen Boykott der Olympischen Spiele in Peking im Februar 2022 entschlossen haben, haben auch andere Staaten Stellung dazu bezogen. Die Sportlerinnen und Sportler wollen indes nicht in das politische Geschehen verwickelt werden.

„Ich würde für Olympische Spiele sogar nach Nordkorea fliegen, schließlich kann ich nichts dafür, wenn das IOC das wichtigste Großereignis in unserem Sport an solche Orte vergibt“, erklärte ÖSV-Abfahrer Vincent Kriechmayr vor Kurzem hinsichtlich der umstrittenen Vergabe nach Peking. Den Sportlerinnen und Sportlern könne nicht die Verantwortung aufgebürdet werden, auf die Menschenrechtsverletzungen in China hinzuweisen und dagegen zu protestieren.


China steht wegen der Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit Uiguren und Tibetern, wegen der Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong und auch den Drohungen gegen Taiwan in der Kritik. Die USA hatten angekündigt, keine diplomatischen oder offiziellen Vertreter zu den Spielen nach China zu schicken. Australien, Kanada und Großbritannien schlossen sich dem an. Italien möchte indes in China nicht nur sportlich, sondern auch aus diplomatischer Sicht vertreten sein.

Athleten wollen trotzdem antreten
„Meine Karriere ist zeitlich begrenzt, ich werde nicht so viele Chancen erhalten, Olympia-Gold zu gewinnen“, erklärte Kriechmayr weiter. Wenn die Bedingungen vor Ort menschenrechtlich nicht in Ordnung seien, liege es am IOC oder auch an der FIS zu intervenieren – und nicht am Sportler selbst.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. © ANSA / ROMAN PILIPEY / STF

Tobias Preuß, Vizepräsident von Athleten Deutschland, schlägt in dieselbe Kerbe. „Wir als Sportler hatten keinerlei Teilhabe an der unserer Meinung nach verantwortungslosen Vergabe der Spiele an China. Und nun uns mit diesen Verstößen in Verbindung zu bringen und uns diese Verantwortung aufzuerlegen, dort handeln zu müssen, sehen wir als falsch und unfair an“, unterstreicht Preuß.

Inwiefern sich die Lage um die Winterspiele in Peking weiterentwickelt bleibt abzuwarten. Die Situation erinnert stark an die boykottierten Sommerspiele von 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles. Damals waren auch die Sportler dazu verpflichtet, auf ihren großen olympischen Traum zu verzichten.

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