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Die Parallel-Rennen sorgen wieder einmal für Wirbel. © APA/afp / ANDREAS SOLARO

Empörung nach Parallel-Chaos: „Ich bin wirklich angepisst“

Italien hat am Dienstag dank Marta Bassino die erste Medaille bei der Weltmeisterschaft in Cortina gewonnen. Doch das große Gesprächsthema nach den Parallel-Rennen war ein anderes.

Federica Brignone war im TV-Interview außer sich, Experte Felix Neureuther rief sogar Rennchef Markus Waldner an und die FIS kennt ihre eigenen Regeln nicht: Eine gelungene WM-Premiere für die Parallel-Rennen sieht anders aus.


Dieses neue Format soll für mehr Spektakel im Ski-Sport sorgen. Doch es vergeht kaum ein Rennen, ohne dass es danach heftige Kritik hagelt. Bei der WM-Premiere am Dienstag war das nicht anders – wobei die Empörung dieses Mal größer als je zuvor war. Das begann schon am Tag vor dem Rennen, als einige Stars (wie zum Beispiel Alexis Pinturault, Henrik Kristoffersen oder Michelle Gisin), die in Vergangenheit ihre Bedenken an dieser neuen Disziplin geäußert haben, auf einen Start verzichteten.

Ein Kurs ist deutlich langsamer
Das Rennen selbst lieferte dann den besten Beweis, warum das Parallel-Format im Ski-Zirkus so umstritten ist. Hintergrund waren der Kurs in den Dolomiten und das Reglement: Im Parallel-Format fahren die Athleten zweimal gegeneinander, jeder einmal auf jedem Kurs. Grundsätzlich werden die Zeiten dann addiert und der Schnellere kommt weiter. Wenn man aber im ersten Lauf stürzt oder sich einen zu großen Rückstand anhäuft, läuft die Zeit nicht ewig weiter, sondern wird bei 0,50 Sekunden gestoppt. Eine halbe Sekunde ist also der maximale Rückstand vor dem zweiten Lauf.
„Ich glaube, das war eines der schlimmsten Rennen, das ich je gefahren bin.“
Federica Brignone
Weil ein Kurs am Dienstag aber deutlich langsamer war, man also teilweise mehr als eine halbe Sekunde verlor, waren die Athleten im Nachteil, die im entscheidenden Lauf auf jenem Streckenteil fahren mussten. Federica Brignone erfuhr das am eigenen Leib: Im Viertelfinale schied sie gegen Marta Bassino aus. Dabei musste sie den zweiten, entscheidenden Lauf auf dem deutlich langsameren Kurs bestreiten.

>>> Den Bericht zu Bassinos Weltmeistertitel gibt es hier <<<

„Ich bin wirklich angepisst“, sagte sie sichtlich empört im Rai-Interview. „Ich glaube, das war eines der schlimmsten Rennen, das ich je gefahren bin. Und das auch noch bei einer Weltmeisterschaft. Einfach nur unfair. Ich hoffe, dass Marta dieses Rennen gewinnt (das Interview gab Brignone vor Rennende, Anm. d. Red.), aber ich bin wirklich sauer.“

Brignone (rechts) faustet mit Bassino ab: Danach entlud sich bei der Gesamtweltcupsiegerin aber der Frust. © Pentaphoto


Mit ihrer Kritik war Brignone nicht alleine. Auch Marco Odermatt äußerte sich kritisch. „Ich ärgere mich über alles. Ich ärgere mich über meine Fehler, dafür bin ich selber verantwortlich. Man sieht gleichzeitig, dass der eine Kurs ist eine halbe Sekunde schneller ist. Es ist nicht zu 100 Prozent fair. Man sagt schon lange auf Seiten der FIS, dass man es besser mache. Aber es ist jedesmal das gleiche: Man kriegt es nicht hin. So ist die Frage, ob es Sinn macht“, sagte das Jahrhunderttalent im SRF.
Neureuther schreibt dem Rennchef eine SMS
Felix Neureuther, seinerseits Experte beim ARD, platzte ebenfalls der Kragen. Der frühere deutsche Skistar regte sich über die unterschiedlich schnelle Kurssetzung dermaßen auf, dass er kurzerhand während der Live-Übertragung der ARD zum Handy griff und bei FIS-Rennchef Markus Waldner durchklingelte. Als dieser am Dienstag nicht abhob, schrieb Neureuther ihm nach eigenen Angaben eine Nachricht, um sich zu beschweren.

Die Kurssetzung sorgte für Ärger. © APA / EXPA/JOHANN GRODER


Neureuther forderte Waldner auf, den langsamen Kurs leicht zu verändern und damit ähnlich schnell zu machen. Wie er danach erzählte, antwortete ihm der FIS-Rennchef dann tatsächlich während des Rennens mit einer Nachricht, in der er angab, dass eine Kursveränderung nicht möglich sei und er den Wettkampf schon als fair erachte. Überzeugt hatte er Neureuther damit nicht.
Wer ist denn nun Weltmeisterin?
Dass das Parallel-Format noch in den Kinderschuhen steckt, wurde auch im alles entscheidenden Damenfinale deutlich. Marta Bassino wurde – nachdem sie die Ziellinie zeitgleich mit Katharina Liensberger passiert hatte – zur alleinigen Weltmeisterin erklärt, weil sie im zweiten Lauf schneller war. In den vorherigen Runden war das nämlich das entscheidende Kriterium bei Zeitgleichheit. Erst ein Einspruch des ÖSV mit der Begründung, dass im Finale auch eine ex-aequo-Entscheidung möglich ist, veranlasste die FIS, ihren Beschluss zu revidieren und nach einer halben Stunde auch Liensberger zur Weltmeisterin zu erklären.

Autor: det/dpa

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Kommentare (1)

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Hermann Zanier [melden]

Die Parallel-Rennen sind von Haus aus ein Schmarrn, es wird nie möglich sein, zwei gleiche Läufe herzurichten. Das hat auch mit dem Einfluss der Erwärmung oder der Schneebeschaffenheit zu tun. Während die Unterschiede in den Strecken anfänglich nicht so gravierend wurden, war es am Ende nicht möglich, auf dem blauen Kurs schneller zu fahren als auf dem roten.
Trotzdem: wer ist eigentlich Neureuter und was hat er zu bestellen? Er ist ein ehemnaliger Schirennfahrer, der jetzt kommentiert. Aus, basta, seine Einlagen sind nur peinlich (für ihn). Mich wundert, dass Herr Waldner ihm überhaupt antwortet, was nicht angebracht gewesen wäre.

16.02.2021 21:47

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