4 Extremsport

Christian Klotz mit Fahrrad und der Finisher-Medaille vom dreifachen Ironman in Bad Blumau.

Interview | Christian Klotz, der Dreifach-Ironman-Bezwinger

Was für „normale“ Menschen schon in einfacher Ausführung unmöglich erscheint, macht Christian Klotz in der dreifachen Variante: einen Ironman. SportNews hat sich mit dem Tschermser zum Interview getroffen und gefragt, was solche Strapazen mit einem Menschen machen.

Wer Christian Klotz als harten Hund bezeichnet, der tut dem 45-Jährigen damit nicht Unrecht. Der Magazineur ist einer von nur 15 Sportlern Italiens, die in ihrem Leben einen dreifachen Ironman beendet haben. Weltweit haben 770 Menschen diese Prozedur bis zum Ende durchgestanden. Zum besseren Verständnis: Der Dreifach-Triathlon besteht aus 11,4 Kilometer Schwimmen, 540 Kilometer Radfahren und 126 Laufkilometern. Für Klotz ist das aber noch nicht das Ende der Fahnenstange, wie er im SportNews-Interview mit Redakteur Christian Staffler erzählt hat.

SportNews: Herr Klotz, wie kommt man auf die Idee, einen dreifachen Triathlon zu absolvieren?

Christian Klotz: „Ich bin früher viele Marathons gelaufen. Da war ich auch recht gut, meine Normalzeit lag bei 2.30 Stunden. Irgendwann habe ich zum Geburtstag ein Startticket für den Ironman in Klagenfurt geschenkt bekommen. Dort bin ich mit einem deutschen Athleten ins Gespräch gekommen, der mir von Doppel- und Dreifach-Triathlons erzählt hat. Ich fand die Idee spannend und habe mich zu einem doppelten Ironman angemeldet.“


Wie ist dieser Doppel-Ironman verlaufen?

„Normalerweise wird eine Zeit von unter 30 Stunden bis ins Ziel angepeilt. Ich habe es aus dem Stehgreif in 25 Stunden geschafft. Also habe ich mir den Dreifachen vorgenommen. Auch weil man diese Distanz noch ohne viel zu schlafen schaffen kann.“


Anfang Juli war es dann in Bad Blumau soweit. Sie haben den Wettkampf sogar sensationell als Vierter abgeschlossen. Wie kann man sich einen Triathlon über die dreifache Ironman-Distanz vorstellen?

„Es beginnt mit dem Schwimmen. Dafür habe ich 3.46 Stunden benötigt, wobei man wissen muss, dass man immer in einem 25 Meter langen Becken hin und her schwimmt. Das ist für den Kopf freilich sehr ermüdend. Danach ging es auf das Fahrrad. Hier war eine Runde 3 Kilometer lang. Das Tückische war, dass es in der Mitte der Runde eine gewaltige Steigung gab. Insgesamt mussten wir 4000 Höhenmeter überwinden. Wir Athleten haben schon scherzhaft vom Mount Everest von Bad Blumau gesprochen. Zum Abschluss standen noch drei Marathons auf dem Programm. Insgesamt war ich 46.52 Stunden unterwegs, geschlafen habe ich davon zwei.“

„Mittlerweile kann ich auch 80 Kilometer am Stück laufen, ohne danach kaputt zu sein.“
Christian Klotz über sein Training


Wie bereitet man sich als Sportler auf solche extremen Strapazen vor?

„Schon seit vielen Jahren laufe ich jeden Tag zur Arbeit und am Abend wieder zurück. Das sind rund 20 Kilometer. Einmal in der Woche fahre ich am Abend mit dem Rad, jedes Mal um die 200 Kilometer. Außerdem laufe ich öfters 85 Kilometer am Stück, wobei ich den Puls nieder halte. Hier begleiten mich nicht selten mein Sohn und meine Frau auf dem Fahrrad. Trotzdem glaube ich immer, dass ich zu wenig trainiere.“


Haben Sie sich auf den Dreifach-Ironman speziell vorbereitet?

„Klar, das muss man. Ich war mit meinem Triathlon-Verein, dem SC Meran, im Trainingslager in Cesenatico. Dort habe ich in fünf Tagen 38 Stunden trainiert. Zum Schluss bin ich mit guten Freunden von Meran mit dem Fahrrad öfters an den Gardasee und wieder zurückgefahren. Während sie am Abend nach Hause gegangen sind, bin ich anschließend noch eine Runde gelaufen.“


Was ist ihre Spezialdisziplin?

„Durch meine Vergangenheit als Marathonläufer ist es das Laufen. Hier kann ich auch mit den Topathleten mithalten. Das Schwimmen liegt mir weniger gut, denn ich habe erst mit Anfang 30 Jahren am Meer von meiner Frau schwimmen gelernt.“

Klotz beim Schwimmen: Erst mit über 30 Jahren hat es ihm seine Frau im Kreta-Urlaub beigebracht.


Was waren die größten Schwierigkeiten beim Dreifach-Ironman in Bad Blumau?

„Um 3 Uhr in der Früh hatte ich während des Laufens eine Krise. Ich konnte meine Augen nicht mehr offenhalten, sie sind einfach immer wieder zugefallen. Ein Konkurrent hat mir den Tipp gegeben, einen Power Nap (kurzer Regenerationsschlaf, Anm. d. Red.) von 20 Minuten einzulegen. Ich bin sofort eingeschlafen, die 20 Minuten kamen mir wie zwei vor. Hier wieder aufzustehen war extrem hart, aber es hat mir sehr geholfen.“


Ein Konkurrent, der Ihnen Tipps gibt? Das kennt man von anderen Sportarten so nicht…

„Ich auch nicht. Und genau dieses Familiäre ist es, was uns Ultra-Athleten ausmacht. Als ich nach dem Wettkampf mit einem Kreislauf-Kollaps zusammengebrochen bin, hat mir ein Athlet aus Deutschland, der noch in Mitten seiner Laufdistanz war, etwas zu trinken geholt und gewartet, bis ich wieder fit war. Und das, obwohl sich Ärzte und meine Frau bereits um mich kümmerten.“

„Diese ganzen Eiweiß- und Sportshakes vertrage ich nicht. Ich esse lieber jeden Abend ein Eis.“
Christian Klotz über seine Ernährung


Welche Ziele kann man nach dem Beenden eines Dreifach-Triathlons noch haben?

„Etwa alle zwei Jahre möchte ich ein so extremes Rennen absolvieren. Aber es ist sehr kostspielig, weil ich leider keinen Sponsor habe. Ich hoffe, ich kann für die Zukunft einen finden. Dann würde ich gerne beim traditionsreichen Dreifach-Triathlon an der Ostsee in Lensahn antreten. Ein Fernziel ist der fünffache Ironman im schweizerischen Buchs.“


Eine Frage zum Abschluss: Wie bekommt man Arbeit, Privatleben, Training und Wettkämpfe unter einen Hut?

„Meine Frau ist meine größte Hilfe. Sie unterstützt und begleitet mich beim Training, bereitet die gesunden Mahlzeiten zu und weiß genau, wann ich was zu tun habe. Sie kennt mich besser, als ich mich selbst kenne. Ein gutes Beispiel sind die Rennen: Andere Athleten kommen mit einem 15-köpfigen Team daher, ich habe meine Frau und meinen zehnjährigen Sohn dabei, die mich verpflegen und unterstützen. Ohne meine Familie wäre es nicht möglich, das rechne ich ihnen hoch an.“


_________________________

Christian Klotz ist Mitglied beim SC Meran.

Zur Person
Christian Klotz
Jahrgang: 1974
Wohnort: Tscherms
Verein: SC Meran Triathlon

Fragen: Christian Staffler

Autor: cst

Empfehlungen

Kommentare (0)

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen..

© 2019 Sportnews - IT00853870210