4 Extremsport

Fabian Aichner (links) bei seinem Einsatz beim WWE Cruiserweight Classic Der Pfalzener ging als Verlierer vom Ring, zeigte aber trotzdem eine tolle Vorstellung In den USA... ... möchte Aichner durchstarten

Wie wird ein Pfalzner Bursche zum Wrestling-Star, Fabian Aichner?

Sein Auftritt bei den WWE Cruiserweight Classics schlug in Südtirol, aber auch in ganz Italien hohe Wellen. Fabian Aichner aus Pfalzen will als Profi-Wrestler in Amerika durchstarten. Den Grundstein dafür hat der 26-Jährige bereits gelegt. Wer aber steckt hinter der Fassade dieses Extremsportlers?

3. August 2016, Cruiserweight-Classic-Night in den Vereinigten Staaten von Amerika. „It’s Wrestling-Time!“ Das Publikum ist frenetisch. Jubelt, raunt, schreit – und im Mittelpunkt des Geschehens, sprich auf der Bühnedes viereckigen Rings, ein Südtiroler Bursche. Kahlgeschoren, muskelbepackt – eine kleine Maschine eben. Seinen Gegner hat er schon dermaßen bearbeitet, dass sich dieser auf dem Boden krümmt und kurz vor dem K.O. zu sein scheint.Der glatzköpfige Muskelprotzschaut deshalb in die Kamera, dreht seinen Zeigefinger um die Schläfe und signalisiert: „Ich muss verrückt sein.“ Denn anschließend klettert er auf das höchste Ring-Seil, positioniert sich rücklings zum Geschehen und legt dann einen Salto hin, den er direkt auf den Bauch seines Gegners hinmanövriert.Was für ein Move. Was für ein Spektakel.


„Für mich ist es immer noch surreal“

Obwohl Fabian Aichners Kontrahent zu dieser Zeit schon in einer anderen Welt zu sein scheint, kann er den Spieß noch einmal umdrehen und besiegte den Südtiroler schlussendlich doch noch – eigentlich nicht verwunderlich, da es beim Wrestling üblich ist, dass der Sieger schon vor dem Match feststeht. Der erste Auftritt des Pfalznersin einem der prestigeträchtigsten Wrestling-Turniere der Welt war aber trotzdem denkwürdig. „Für mich ist es immer noch surreal“, gibt sich Aichner einige Tage nach dem Ereignis stark beeindruckt. Denn er weiß: Mit der Teilnahme an diesem Turnier hat er seine ersten Schritte in der Wrestling-Hochburg Amerika gemacht – und ist seinem Traum WWE, sozusagen der Champions League im Wrestling, um einiges näher gekommen.


Ein Fernseh-Match als Wegbereiter

Pfalzen ist ein beschauliches Dörflein, das zurzeit zirka 2700 Einwohner zählt. Im Pustertal gelegen, fällt den Kindern und Jugendlichen die Auswahl von Sportarten relativ leicht – Fußball, Wintersport, vielleicht auch ein bisschen Tennis oder Eisstocksport. Aber Wrestling? Vielen dürfte diese showinszenierte Schaukampf-Sportart fremd sein. Auch Fabian Aichner stieß nur zufällig darauf. „Als 13-Jähriger sah ich im Fernsehen einmal einen Wrestling-Kampf. Ich war sofort süchtig. Als ich dann ein TV-Special über Rey Mysterio (er isteiner der bekanntesten Wrestler) sah, wusste ich: Das will ich auch machen.“


Unter der Woche Fabrikarbeiter, am Wochenende Wrestler

Fest von seinem Ziel überzeugt, schloss er zuvor noch seine Matura ab, arbeitete danach unter der Woche in einer Fabrik, sparte sich so das nötige Geld zusammen und fuhr am Wochenende immer nach Deutschland zum Wrestling-Training. Aichner hatte Talent und bestritt Ende 2011sein erstes Match. Danach ging es rapide aufwärts. Durch Turnier-Titel in Österreich, Deutschlandund der Schweiz machte er sich schnell einen Namen in der Szene. Es dauerte nicht lange, da blinkte der Pusterer auch schon auf dem Radar der WWE, also der größten Wrestling-Organisation, auf. 2014 wurde er nach Florida eingeladen, nun, zwei Jahre später, durfte er auch zu den WWE Cruiserweight Classics, was in etwa mit der Europa-League im Fußball zu vergleichen ist. „Dafür habe ich mein Körpergewicht durch tägliches vierstündiges Training von 106 Kilo auf 93 Kilo reduziert.“


Eine große Zukunft vor sich

Beachtlich ist, dass die meisten Athleten bei diesem Event schon zehn bis 15 Jahre im Geschäft sind – Fabian Aichner ist dagegen ein Grünschabel, beweist damit aber gleichzeitig auch, dass er erst am Anfang seiner Karriere steht. Seit zwei Jahren verdient er sein Geld ausschließlich mit Wrestling – und hat noch viel vor: „Ich will in Amerika, in der WWE, Fuß fassen. Mein ultimatives Vorhaben ist es, bei der WrestleMania, also bei der wichtigsten Wrestling-Veranstaltung der Welt, dabei zu sein.“ Fans und Experten waren nach seinem Debüt jedenfalls begeistert und bescheinigen ihm eine große Zukunft.

Seine waghalsigen Moves im Ring übt er übrigens auf Improvisationsbasis
aus. „Viele halten mich für verrückt“, schmunzelt Aichner. Ein bisschen ist es das auch. Aber ein PfalznerBursche im Kreise der weltbesten Wrestler – das hätte doch was.


Thomas Debelyak, SportNews


Autor: sportnews

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