
Kylian Mbappé hat sich im WM-Achtelfinale von einer ganz anderen Seite präsentiert. © APA / BUDA MENDES
Mbappé kann es auch dreckig: „Hände in die Scheiße“
Frankreich hat im Achtelfinale der WM 2026 eine äußerst unangenehme Aufgabe gelöst. Kylian Mbappé hatte dazu eine klare Meinung.
05. Juli 2026
Von: dpa/sn
Frankreichs Starstürmer Kylian Mbappé hat mit einer Mischung aus Wut und Genugtuung auf den 1:0-Sieg über Paraguay im Achtelfinale der Fußball-WM reagiert. „Wenn wir unsere Hände in die Scheiße stecken müssen, werden wir unsere Hände in die Scheiße stecken“, sagte der 27-Jährige. Die von extrem harter Gangart der Verlierer geprägte Partie zeigte vor allem eines: Frankreich beherrscht nicht nur Zauberfußball mit Seitfallziehern und feinen Lochpässen.
Die Équipe Tricolore kann auch den schmutzigen Kampf annehmen – selbst wenn der Gegner die Grenzen des Erlaubten immer wieder austestet und der Schiedsrichter nicht eingreift. „Jeder spielt mit dem, was er hat. Es gibt im Fußball kein Richtig oder Falsch, sondern nur einen Weg: gewinnen“, sagte Mbappé. „Sie dachten, dass wir kommen würden, um im Smoking zu spielen, dass wir nur kommen würden, um schöne Aktionen und Eins-Zwei zu machen. Wir wissen auch, wie man schmutzigen Fußball spielt.“
Ironisch: Keine Gelbe Karten für Paraguay
Mbapp3 teilte in den zahlreichen hitzigen Zweikämpfen selbst ordentlich aus, war aber auch mehrfach zur Zielscheibe geworden. „Das ist Fußball. Wenn sie das nicht gewöhnt sind, was soll ich machen“, rechtfertigte Paraguays Torhüter Orlando Gill die harte Gangart seines Teams. Für den größten Aufreger sorgte diese Szene: Paraguays Matias Galarza schlug Mbappe abseits des Balles an die Schulter und blieb dafür sogar ohne Verwarnung.Auf dem Platz kam es immer wieder zu hitzigen Szenen – auch nach dem Spiel. © APA/afp / FRANCK FIFE
Dass ausgerechnet Galarza nach dem WM-Aus in der Interviewzone weinte, dürfte bei den Franzosen wenig Mitleid hervorrufen. „Unsere Haltung ist es, auf dem Platz wie Löwen zu kämpfen“, rechtfertigte Trainer Gustavo Alfaro das kompromisslose Auftreten seiner Truppe. Der usbekische Unparteiische Ilgiz Tantashev hatte seinen Anteil daran. So ließ er nach einem Nachtreten gegen das Schienbein oder einem Ellenbogencheck gegen Dayot Upamecano in die Magengrube weiterspielen. Beide Aktionen waren zumindest gelbwürdig, wenn nicht sogar genug für eine Rote Karte.
Ironischerweise kam Paraguay über 90 Minuten ohne Verwarnung davon, Frankreich kassierte drei Gelbe. „Wir haben drei Gelbe Karten bekommen, und die anderen haben endlos gefoult. Jede Mannschaft spielt so, wie sie es für richtig hält, wobei ich auf einige Beleidigungen der Gegenseite hätte verzichten können“, monierte Frankreichs Trainer Didier Deschamps nach dem Spiel. Auch sein Schützling Rayan Cherki echauffierte sich: „Wie viele Fouls gab es, 30, 40? Wie viele Gelbe Karten gab es? Dazu habe ich nichts mehr zu sagen.“
Nun wartet Marokko auf Frankreich
Selbst das klare Foul an dem fünf Minuten zuvor eingewechselten Desire Doue im Strafraum wertete Tantashev erst nach Eingriff des VAR als Elfmeter – mit dem Mbappe schließlich die Entscheidung herbeiführte (70.). Mit nun 19 WM-Toren liegt er nur noch einen Treffer hinter Rekordhalter Lionel Messi. Sollten Frankreich und Argentinien tatsächlich das Finale erreichen, könnte das Duell um den Titel auch zum Duell um den alleinigen Torrekord werden.Kylian Mbappé (links) und Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps. © APA/afp / JEWEL SAMAD
Vorerst gilt es aber, am Donnerstag (22.00 Uhr MESZ) in Boston Marokko, den WM-Halbfinalisten 2022, zu bezwingen. Schon bei der WM vor vier Jahren trafen beide Teams im Halbfinale aufeinander. Frankreich setzte sich damals mit 2:0 durch. „Wir wissen, dass sie eine sehr starke Mannschaft sind, und wir werden unser Bestes geben, um unseren Weg fortzusetzen“, kündigte Mbappe an. Mit dem 3:0 über Co-Gastgeber Kanada und dem Erfolg über die Niederlande bewiesen die Nordafrikaner, dass auch in diesem Sommer mit ihnen zu rechnen ist.
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