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Michael Piccolruaz, Südtirols bester Sportkletterer, beim Training an einem chinesischen Felsen. © chuangdesign/social media

Abenteuerlust & Ziele: Südtirols Kletter-Star will hoch hinaus

Michael Piccolruaz hielt im Vorjahr bei der Olympia-Premiere der Sportkletterer die Südtiroler Fahne hoch. Wir haben den Grödner genauer unter die Lupe genommen.

Von:
David Lechthaler

Im Zuge der Vorstellung des Boulder-Weltcups in Brixen, der vom 10. bis zum 12. Juni über die Bühne geht, hat SportNews die Gelegenheit genutzt, um mit Piccolruaz zu plaudern. Der 26-jährige Grödner, der in Innsbruck wohnt und dort mit seinen Kollegen der österreichischen Nationalmannschaft trainiert, erreichte bei Olympia in Peking den 15. Platz und gehört zur erweiterten Weltspitze der Sportkletterer.


SportNews sprach mit Michael Piccolruaz über...


...die heurigen Weltcup-Ziele: „Öfter und konstanter ins Halbfinale der besten 20 zu kommen. Die Dichte wird von Jahr zu Jahr besser. 50 Athleten können es schaffen, ins Halbfinale zu kommen. Es kommt auch immer auf die Boulderanlage darauf an. Dazu braucht es Glück. Im Halbfinale ist dann meist alles möglich – auch ein Finaleinzug (die besten 6 kommen ins Finale; Anm. d. Red.).“


...Olympia 2021: „Vor Ort war ich mit Platz 15 unzufrieden, weil wenig zum Finale gefehlt hatte. Wenn ich ein, zwei Griffe im Lead (Vorstieg) oder im Bouldern mehr geschafft hätte, hätte es für das Finale gereicht. Die Enttäuschung war sehr groß. Im Nachhinein war es aber eine coole Erfahrung und klettertechnisch kann ich mir wenig vorwerfen. Ich habe mehr oder weniger das abgeliefert, was ich drauf habe.“

Michael Piccolruaz bei den Olympischen Spielen in Tokio. © APA/afp / MOHD RASFAN


...das Zuschauerinteresse: „Das Sportklettern wurde als fixe Disziplin für die nächsten beiden Olympiaden bereits bestätigt. Ich glaube schon, dass es gut ankommt, weil die Sportart einfach spektakulär ist. Oft müssen wir Athleten aber auch darunter leiden, wenn die Veranstalter es zu spektakulär und zu interessant fürs Fernsehen machen wollen. Sei es vom Routenbau her selber oder vom Format, wie alles ablaufen soll. Das verändert halt den Sport.“


...die Energie des Publikums: „Das Publikum gibt einem sehr viel Energie. Wenn man zum Top (höchster Punkt der Route; Anm. d. Red.) raufkommt und hinter einem 3.000 Leute brüllen, ist das schon cool. Besonders Gänsehaut hatte ich einmal bei einem Weltcup in München. Da habe ich es als einer der Ersten im Halbfinale zum Top geschafft. Über 4.000 Zuschauer sind dann völlig ausgerastet – im positiven Sinne natürlich.“


...die Hauptziele der nächsten Jahre: „Natürlich die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Die Weltcups im Jahre 2023 zählen eh schon für die Olympia-Quali. Diese findet dann Anfang 2024 statt. Nach wie vor gibt es bei Olympia nur 20 Startplätze. Deshalb wird es wieder sehr schwierig, sich zu qualifizieren. Künftig gibt es zwei olympische Disziplinen: Zum einen das Bouldern/Lead (die Ergebnisse werden zusammengezählt) und zum anderen das Speedklettern. Meine Lieblingsdisziplin ist das Bouldern. Deshalb werde ich mich auf die erste Disziplin konzentrieren.“

Der Wahl-Innsbrucker Michael Piccolruaz beim Felsen-Klettern im Ötztal. © terragraphy/social media


...das Leben als Kletter-Profi: „Ich habe das große Glück, dass ich bei der Sportgruppe Fiamme Oro bin. Das ermöglicht mir, diesen Sport als Beruf ausüben zu können. Ansonsten sind die finanziellen Ressourcen im Sportklettern trotz des gesteigerten Zuschauerinteresses noch relativ gering. Es ist schwierig, nur von den Sponsoren zu leben. Dann müsste man wirklich einer der Weltbesten sein. Dadurch, dass die Sportart immer mehr wächst und jetzt olympisch ist, hoffe ich, dass in Zukunft mehr Sponsoren Interesse zeigen. Auch durch die höhere Aufmerksamkeit der Medien wird langsam aber sicher mehr Geld in den Sport kommen.“

„Man kommt überall auf der ganzen Welt herum.“ Michael Piccolruaz


...die Vorzüge als Kletter-Profi: „Man kommt überall auf der ganzen Welt herum. Ich war schon öfters in Japan und China, weil dort viele Wettkämpfe waren. Aber nicht nur die Wettkämpfe und die ganze Kultur der Länder sind interessant. Durch das viele Reisen bekomme ich beispielsweise auch die Möglichkeit an vielen Ort auf der Welt an den Felsen zu klettern. Das motiviert mich zusätzlich.“


...seine Lieblingsdestinationen: „Zum Klettern war das sicherlich Südafrika. 3 Stunden nördlich von Kapstadt ist da ein Boulder-Hotspot, der praktisch im Nirgendwo ist. Da gibt es die perfekten Sonnensteinblöcke. An solchen Felsen kann man perfekt trainieren und es macht unglaublich viel Spaß.“

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