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Knappe Entscheidung im Finale der 100-Meter. © ANSA / Erik S. Lesser

100 Meter: Fred Kerley ist der schnellste Mann der Welt

Die USA feiert bei der Heim-WM über 100 Meter einen Dreifachsieg. Die großen Fußstapfen von Usain Bolt kann zwar auch der Texaner Fred Kerley nicht füllen, als Vorbild taugt er wegen seiner Lebensgeschichte dennoch.

Als Fred Kerley nach dem Sprint über 100 Meter mit hauchzartem Vorsprung den Weltmeistertitel an sich gerissen und seine US-Teamkollegen auch noch Silber und Bronze geholt hatten, tobte die Menge. Drei Medaillen im wichtigsten Wettkampf der Leichtathletik gab es für das Gastgeberland 31 Jahre lang nicht, die Zuschauer im Hayward Field Stadion in Eugene kamen bei der ersten WM in den USA schon am zweiten Wettkampftag voll auf ihre Kosten.


„Es hat sich großartig angefühlt“, sagte der 27 Jahre alte Kerley am Samstagabend (Ortszeit) nach seinem Erfolg in 9,86 Sekunden. „Es ist großartig, das auf heimischem Boden zu schaffen mit den heimischen Fans im Rücken.“ Die meisten davon werden wohl erst jetzt durch den Titel seine bemerkenswerte Geschichte kennenlernen.

USA löst Jamaika als Sprintnation Nummer eins ab
Unmittelbar freuten sich die Leute über das Resultat und die Aussichten für die noch ausstehenden Rennen. Mit Silber für Marvin Bracy und Bronze für Trayvon Bromell, die beide mit einer Zeit von 9,88 Sekunden gestoppt wurden, sowie Ex-Weltmeister Christian Coleman als viertem Amerikaner im Finale ist auch im Team das Selbstvertrauen für die 4x100-Meter-Staffel riesig. Trotz der Patzer des US-Quartetts in den vergangenen Jahren: „Wir werden von niemandem geschlagen. Wir investieren die Arbeit, und wir werden Großes erreichen in den kommenden Tagen“, prognostizierte Kerley.

Dreifacherfolg für die USA. © ANSA / Robert Ghement

Schwierige Lebensgeschichte beim Weltmeister
Er selbst hat das schon getan, völlig unabhängig davon, wie viele weitere Medaillen es für ihn bei der Premieren-WM auf US-Boden noch geben wird. Denn Kerley wuchs in Verhältnissen auf, die von außen betrachtet oft das Etikett „schwierig“ aufgedrückt bekommen: Bei seiner Tante Virgina, genannt Meme, weil der Vater ins Gefängnis und die Mutter auf die falsche Bahn kam, wie er in einem Artikel vor ein paar Jahren selbst berichtete.

Wuchs in schwierigen Verhältnissen auf: Fred Kerley. © APA/getty / EZRA SHAW

Insgesamt 13 Kinder teilten sich in der Kleinstadt mitten in Texas ein Zimmer. „Am Ende des Tages war es wie jedes andere Haus: Wir wollten Spaß und eine gute Zeit haben“, sagte er nun. Wie bemerkenswert sein eigener Weg dennoch ist, verdeutlichte jener vor drei Jahren veröffentlichte Text. Darin beschreibt er, dass all die gescheiterten Existenzen in seinem direkten Umfeld die Motivation waren, aus dem eigenen Leben etwas Besseres zu machen: „Der Unterschied war meine Einstellung.“

Dank dieser hat er nun den inoffiziellen Titel als schnellster Mann der Welt inne, mindestens bis zur WM in einem Jahr in Budapest. Und weil er erst im Anlauf auf die Olympischen Spiele von Tokio im Vorjahr von den 400 Metern auf die kurze Distanz umschwenkte, scheint sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft.

Ob er allerdings jemals die großen Fußstapfen von Usain Bolt füllen kann, in die zwangsläufig jeder Weltmeister über die 100 Meter gestellt wird, erscheint fraglich. Denn sowohl Bolts Weltrekord von 9,58 Sekunden von der WM 2009 in Berlin wie auch die Qualitäten des Jamaikaners als Entertainer und Star der Leichtathletik-Szene scheinen außer Reichweite für den eher wortkargen Kerley.

Fred Kerley ist der schnellste Mann der Welt. © ANSA / JEAN-CHRISTOPHE BOTT

„Usain Bolt ist wahrscheinlich ein Vorbild für jeden von uns. Er hat Großartiges geleistet. Wir alle wollen auf dem Podest stehen und sein Level erreichen“, sagte Kerley. „Er hat etwas geschafft, das nicht viele geschafft haben: Weltrekord über 100 und 200. Ich habe das Gefühl, wir wollen alle mit ihm auf einer Stufe stehen.“

Doch auch seine eigene Geschichte taugt durchaus als Inspiration, daran hat der selbstbewusste Athlet keine Zweifel: „Jeder ist ein Vorbild für jemand anderes, und meine Entwicklung hin zu einem Sponsorenvertrag mit Nike und den Podestplätzen zeigt den Kids, die zu mir aufschauen: Wenn ich das schaffen kann, können sie das auch.“

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