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Alex Schwazer kann wieder hoffen. © DLife

Alex Schwazer schöpft neue Hoffnung

Am Montag wurde am Landesgericht in Bozen das Beweissicherungsverfahren im Fall Alex Schwazer abgeschlossen. Für den Wipptaler war es ein guter Tag.

Anfang Mai hatte es für Alex Schwazer einen herben Dämpfer gegeben, als er vor dem Schweizer Bundesgericht mit dem Antrag, seine 8-jährige Sperre aufzuheben, gescheitert war. Nun schöpft der Wipptaler wieder neue Hoffnung: Am Montag wurden im Landesgericht in Bozen von RIS-Chefermittler Giampietro Lago neue Beweise vorgebracht, die den Geher entlasten könnten.

Thema ist immer noch die ominöse Urin-Probe von Schwazer, die er am 1. Jänner 2016 abgegeben hatte. In dieser Probe war ein erhöhter Wert von synthetischem Testosteron festgestellt worden – Schwazer war de facto gedopt. Der Geher aus Kalch hat seine Schuld aber stets bestritten und immer wieder bekräftigt, dass er Opfer eines Komplotts geworden sei. Im September 2019 hatte RIS-Chefermittler Giampietro Lago am Landesgericht Bozen erklärt, dass Schwazers DNA-Dichte in der Doping-Probe einen abnormal hohen Wert besitze. Erstmals stand also effektiv der Verdacht einer Manipulation im Raum.

DNA-Anomalie und verdächtige E-Mails
Auch am Montag brachte Lago neue Erkenntnisse vor. Unter anderem wurde in den letzten Wochen der Urin von 37 FIDAL-Athleten, die vom Profil her (Alter, Gesundheitszustand, sportliche Betätigung) sehr ähnlich sind wie Schwazer zum Zeitpunkt der Doping-Probe-Abgabe, getestet. Das Ergebnis: Bei keiner der Testpersonen wurde dieselbe DNA-Dichte festgestellt wie bei dem Geher aus Kalch – im Gegenteil: Die Unterschiede sind enorm. Ein Übertraining kann für die abnormalen DNA-Werte also ausgeschlossen werden.

Gerhard Brandstätter, Anwalt von Alex Schwazer, im Interview: Das Interesse am Fall Schwazer ist groß – sowohl im In- als auch im Ausland. © det


Es bleiben also nur mehr 3 Möglichkeiten übrig, die für die abnormale DNA-Dichte infrage kommen. Eine davon wäre eine Erkrankung Schwazers am Tag der Urin-Abgabe, was aber unwahrscheinlich ist, immerhin hat der Geher laut eigenen Angaben zu jener Zeit intensiv trainiert und war immer fit. Bleiben also nur noch 2: Wurde die Probe manipuliert oder hat Schwazer tatsächlich gedopt?

Diese Frage ließ sich auch am Montag nicht klären. Aber der Verdacht, dass an der Probe nachträglich Hand angelegt wurde, verdichtet sich immer mehr. Neben der abnormal hohen DNA-Dichte tauchten zuletzt auch E-Mails von ranghohen Funktionären des Internationalen Leichtathletik-Verbandes auf, in denen von einem Komplott gegen Schwazer die Rede ist. Allerdings schlummern diese noch auf einem Server in Deutschland und können zurzeit noch nicht auf ihre Authentizität geprüft werden.
Jetzt ist der Staatsanwalt am Zug
Fakt ist, dass das Beweissicherungsverfahren abgeschlossen ist. Jetzt liegt es am Staatsanwalt, ob er anhand der Beweise gegen Alex Schwazer Anklage erhebt oder ob er das Verfahren gegen den Geher aus Kalch einstellt – letzteres würde bedeuten, dass der Olympiasieger unschuldig ist. Die Entscheidung wird in den nächsten Wochen fallen. Sollte Schwazer effektiv freigesprochen werden, dann darf er auch hoffen, dass die 8-jährige Sperre aufgehoben wird. Dieser Prozess würde dann allerdings nicht in Südtirol, sondern vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne (Schweiz) über die Bühne gehen.

Autor: det

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