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Bruno Cappello und Sandro Donati (Foto: Fidal/Markus Kaserer)

Donati stellt Buch vor: „Sportler sind Opfer des korrupten Systems"

Mit seinem Buch „Lo sport del doping. Chi lo subisce, chi lo combatte" hat Sandro Donati italienweit für Furore gesorgt. Gestern Abend stellte Italiens Dopingjäger Nummer eins auf Einladung des Südtiroler Leichtathletik-Landesverbandes in Bozen sein Buch vor und weckte dabei großes Interesse. Donati zeichnete ein düsteres Bild des Spitzensports. Gedopte Athleten - so auch Alex Schwazer - bezeichnete Donati als Opfer des Systems.

Sein Kampf gegen Betrügereien im Sport begann im Jahr 1987, als Sandro Donati den Betrug im Rahmen der WM in Rom rund um den falsch gemessenen Weitsprung von Giovanni Evangelisti aufgedeckt hatte. Damit endete jedoch auch seine Zeit als Nationaltrainer. Seitdem ist der inzwischen 65-Jährige zu Italiens Dopingjäger Nummer eins und Italiens einzigem Mitglied in der Welt-Antidopingagentur Wada aufgestiegen.
Auf Einladung des Südtiroler Leichtathletikverbandes stellte Donati gestern im vollbesetzten Festsaal der Gemeinde Bozen sein Buch vor. „Lo sport del doping" ist in Italien zu einem Bestseller geworden. Unter den Gästen befanden sich neben zahlreichen Trainern und Funktionären wie dem ehemaligen Ski-Nationaltrainer Sepp Messner auch Spitzenathleten wie die Leichtathleten Silvia Weissteiner und Christian Obrist oder der Skifahrer Riccardo Tonetti.


Schwazer Opfer eines Systems


Der Südtiroler Landesverband wolle mit dieser Einladung seine Position im Kampf gegen Doping klar machen sagte Präsident Bruno Cappello einleitend. Natürlich war auch der Dopingfall Alex Schwazer ein Thema. Cappello warnte davor, Schwazer zu verurteilen, vor allem als Mensch. Schwazer sei Opfer eines Systems, in dem nur die Medaillen zählten. Auch Donati schlug bei seinem Ausführungen in diese Kerbe. „Ich kenne viele Fälle wie jenen von Schwazer. Das Talent eines Sportlers weckt Interesse bei Trainern, Verbänden, Managern oder Sponsoren. Im Falle eines Dopingvergehens stellt das System die Sportler aber als alleinige Schuldige dar.“

Donati kritisierte die unzureichenden Kontrollen. Auch im Fall Schwazer hätten viele von den Anomalien in seinem biologischen Pass gewusst, doch das System lebe von den Ergebnissen der Athleten. „Niemand amputiert sich selbst, nicht einmal in demokratischen Ländern." Einzig die Staatsanwaltschaften würden die Dopingfälle aufdecken. Das sei auch bei Schwazer so gewesen. Die von der Sportjustiz geforderte Höchststrafe für Schwazer von vier Jahren begründete Donati damit, dass das System beweisen müsse, rigoros zu sein. „Dabei wäre es vernünftiger, die Hintermänner zu erforschen", so Donati.


„In Ausdauer- und Kraftsportarten ist es unmöglich, ohne Doping an die Weltspitze zu kommen"

Donati nannte gestern Abend bei seinen Anschuldigungen zu Dopingfällen im Radsport, in der Leichtathletik oder dem Ski-Langlauf wie erwartet auch „Ross und Reiter" . So bezichtigte Donati etwa die Langlauf-Nationalmannschaft der 90er Jahre kollektiv des Epo-Dopings. Doch damit nicht genug: „Wenn gedopte Athleten von damals heute in verantwortlicher Position als Trainer arbeiten, ist klar, dass diese Doping an die Athleten weitergeben." Italiens Dopingjäger Nummer eins sorgte mit seinen Aussagen teils für betretene Gesichter unter den Anwesenden.

Für Donati sei es in Sportarten mit einer hohen Kraft- oder Ausdauerkomponente nämlich unmöglich, ohne Doping an die Weltspitze zu kommen. „Leute wie Schwazer gehen, aber die unehrlichen Trainer und Funktionäre bleiben." Angst, verklagt zu werden, habe er keine. „Ich bin nie verklagt worden. Sollte es Anzeigen gegen mich geben, werden wir das Bild vervollständigen."

Um die Situation zu verbessern, fordert Donati eine Revolution von unten, denn von der korrupten Spitze dürfe man dies nicht erwarten. Die Organisation des Sports müsse radikal geändert werden. Die ehrlichen Menschen im Sport forderte Donati auf, nicht aufzugeben. „Diese Menschen müssen im Sport wieder die Oberhand gewinnen." Zum Abschluss seines Südtirol-Besuchs spricht Donati heute zu Schülern des Torricelli-Gymnasiums in Bozen.

Autor: sportnews