S+
Alex Schwazer (r.) und sein Anwalt Gerhard Brandstätter. © ANSA / Arianna Burato

p Leichtathletik

Alex Schwazer (r.) und sein Anwalt Gerhard Brandstätter. © ANSA / Arianna Burato

„Unschuldig, aber ich habe keine Kraft mehr“

Alex Schwazer wurde erneut positiv auf Doping getestet – zum insgesamt dritten Mal. Nachdem der Geher aus Kalch beim ersten Mal alles zugegeben hat, handelte sich anschließend wohl um eine Intrige. Diese befürchtet Schwazer jetzt erneut.

Es war ein Sportmärchen, das sich in den letzten Wochen um Alex Schwazer abspielte. Der 41-jährige Geher aus Kalch feierte ein brachiales Comeback, gewann Rennen um Rennen und stellte in Deutschland zuletzt eine fulminante neue italienische Bestmarke auf.


Doch am Montag zogen dunkle Wolken über Schwazer auf – nicht zum ersten Mal in seiner Karriere. Der Leichtathlet wurde positiv auf die Dopingsubstanz EPO (es handelt sich um ein Blutdopingmittel zur Verbesserung der Ausdauer) getestet. Der Test stammt vom 26. April, jenem Datum, an dem Schwazer in Kelsterbach den italienischen Rekord gebrochen hatte. Schwazer hat am vergangenen Freitag von der neuerlichen Suspendierung erfahren.

Brandstätter: „Alle haben Alex gewarnt“

Schwazers Anwalt, Gerhard Brandstätter, fand am Montagnachmittag auf einer Pressekonferenz in Bozen deutliche Worte: „Das Ergebnis der Probe ist für uns nicht nachvollziehbar. Wenn sie wollen, dass die Wahrheit an das Tageslicht kommt, dann müssen sie sämtliche Proben analysieren. Es gibt eine dritte Urinprobe von diesem Tag. Alex hat mit ruhigem Gewissen an den deutschen Meisterschaften teilgenommen. Es war klar, dass dort Dopingproben genommen werden. Das sollen alle wissen.“
„Zu viele Leute wollten keinen so starken Athleten wie Alex.“ Dr. Gerhard Brandstätter, Anwalt von Alex Schwazer

Brandstätter noch deutlicher: „Alle, inklusive mir, haben Alex vor seinem Comeback gewarnt: Wenn du es wirklich noch einmal versuchst, riskierst du erneut einen unschönen Zwischenfall. Wir sind bereit, die Wahrheit an das Tageslicht zu bringen und alle Mittel auszuschöpfen. Aber wir akzeptieren auch, wenn Alex das nicht noch einmal durchmachen möchte.“ Diesen hatte es in Schwazers Karriere bereits einmal gegeben. Nach einer positiven Probe Anfang 2016 verstrickte sich der Welt-Anti-Doping-Verband WADA in zahlreichen Widersprüchen. Vor Gericht wurde Schwazers Unschuld bewiesen, gesperrt blieb er dennoch acht Jahre lang.

Schwazer: „Werfe mich in keinen Kampf mehr“

Schwazer selbst äußerte sich am Montag enttäuscht: „Ich bin unschuldig. Aber ich habe keine Kraft mehr zu kämpfen. Ich höre auf, es endet hier und jetzt.“ Der Südtiroler betont, dass er weder EPO noch sonst ein verbotenes Mittel eingenommen habe, aber: „Dieses Mal werde ich mich nicht mehr verteidigen.“ Schwazer hat seit 2016 zahlreiche Gerichtsverfahren vor verschiedenen Instanzen geführt. Das Drama um den Kalcher wurde sogar von Netflix verfilmt.
„Ich weiß nicht, was sie gegen mich haben.“ Alex Schwazer

„Ich bin 41 Jahre alt, habe eine wunderbare Familie. Ich habe eine Arbeit, die nichts mit dem Leistungssport zu tun hat. Ich werde mich in keinen Kampf werfen, der mich psychisch komplett vereinnahmt. Ich mache nichts mehr, die anderen können tun, was sie wollen – im Endeffekt tun sie es ja trotzdem“, so Schwazer verbittert. „Mein Leben ist wichtiger“, schloss Schwazer das Kapitel als Geher endgültig ab.

Kommentare (0)

Bestätigen Sie den Aktivierungslink in unserer E-Mail, um Ihr Konto zu verifizieren und Kommentare zu schreiben. Aktivierungslink erneut senden
Vervollständigen sie Ihre Profil-Angaben, um Kommentare zu schreiben.
Profil bearbeiten

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen.

© 2026 First Avenue GmbH