5 Formel 1

Wie geht es mit Sebastian Vettel weiter? © AFP / LLUIS GENE

Das Dilemma des Sebastian Vettel

Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel steht möglicherweise vor seiner letzten Runde in der Formel 1.

Ob der Deutsche dem elitären Kreisverkehr Ende dieses Jahres für immer den Rücken kehren wird, er nur eine Auszeit braucht oder doch weiterfährt, steht noch in den Sternen. Doch was sind derzeit die – zumindest theoretischen – Optionen des Ferrari-Aussteigers?

Die Ankündigung im Mai, dass Vettel und Ferrari nach diesem Jahr getrennte Wege gehen, hat nicht wirklich überrascht. Wohl aber der Zeitpunkt. Die Saison hatte damals bekanntlich noch gar nicht begonnen. Formel-1-Fans rund um den Globus und Beobachter rätseln seitdem darüber, welchen Zug der Ex-Champion nun macht.

Mercedes-Wechsel unwahrscheinlich
Einen Wechsel zu Mercedes hat Toto Wolff, der Chef des deutsch-britischen Rennstalls, selbst als nicht ausgeschlossen bezeichnet. Im Poker um einen Platz beim dominierenden Team der Gegenwart sei Vettel aber nur Außenseiter. Die Explosivität einer Paarung Lewis Hamilton/Sebastian Vettel wäre für die Silberpfeile wohl zu viel, dazu kommt ein Versprechen für die Zukunft im eigenen Haus: Junior-Fahrer George Russell, aktuell bei Williams geparkt, hat in Wolffs Augen eine Chance verdient. Der 22-jährige Brite war auch Sieger der virtuellen Grand-Prix-Serie während dem Corona-Lockdown.

Bei Ferrari hat Vettel keine Zukunft. © AFP / LLUIS GENE


Bei seiner alten Liebe Red Bull ist Vettel die Türe verschlossen. Ein zweiter Topfahrer, noch dazu jenseits der 30 und nicht gerade preiswert, passt nicht ins Konzept des Projekts von Firmengründer Dietrich Mateschitz. Der Niederländer Max Verstappen ist die klare Nummer eins, der Halb-Thailänder Alexander Albon soll nach durchaus starken Szenen 2019 sein Potenzial beweisen dürfen.

Möglich erscheint Renault, wo nach dem Wechsel von Aussie-Strahlemann Daniel Ricciardo zu McLaren eine Stelle frei wird. Doch wurde von der Konzernspitze in Frankreich ein Sparprogramm erlassen, das finanzielle Sprünge schwierig macht. Die ab 2021 in der Formel 1 geltende Kostenobergrenze wäre rein auf dem Papier kein Problem, da die Fahrer-Gagen von der Regelung ausgenommen sind. Angeblich spitzt zudem Fernando Alonso auf ein Formel-1-Comeback mit Renault-Ticket.
Keine allzu verlockenden Aussichten
Racing Point, das zum Aston-Martin-Werksteam mutiert, wäre eine weitere Andockstation. Die englische Nobelmarke könnte aus PR-Gründen ein Zugpferd wie Vettel zum Start gut brauchen. Mercedes-Boss Wolff ist bei Aston Martin als Investor an Bord. Ob es sich Vettel antun will, möglicherweise lange im Mittelfeld mitzufahren, kann bezweifelt werden.

Die Aussichten sind nicht allzu verlockend. © AFP / DOUGLAS MAGNO


Wie man sieht, sind die Aussichten also nicht allzu verlockend. „Vettels Situation ist alarmierend“, meinte unlängst Ex-Weltmeister Damon Hill. „Wenn man in einem Sport an der Spitze steht, ist es besonders schwierig, weil es nur noch abwärts gehen kann.“ Mark Webber, wie Ricciardo ein Ex-Stallkollege Vettels, spekuliert daher mit einem Abschied auf Zeit. „Ich denke, er wird ein Jahr eine Auszeit nehmen“, sagte der Australier. Nachher könne sich Vettel neu erfinden, „wenn er die richtige Atmosphäre hat“.

Autor: dpa/det

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